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18.01.2017 11:02

Vier neue Graduiertenprogramme

Die Universität Kassel baut die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aus. Dazu legt die Hochschule vier neue strukturierte Graduiertenprogramme auf.

Die Graduiertengruppen beschäftigen sich mit Biologischen Uhren, der Bedeutung der Hochschulbildung für Karriereverläufe, dem Wachstum von Mega-Städten und Bedingungen des sozialen Zusammenhalts. Alle Arbeitsgruppen sind interdisziplinär angelegt und laufen über drei Jahre. Die Universität stellt dafür rund 2,5 Mio. Euro bereit.

Die Universität richtet dafür insgesamt 12 neue volle Qualifikationsstellen für Promovierende oder Postdocs ein (da die Stellen auf mehrere Personen verteilt werden können, wird die tatsächliche Zahl der Forscherinnen und Forscher höher liegen). Die Arbeitsgruppen sollen über die drei Jahre hinaus Forschungsthemen an der Universität verankern und stärken, indem nachfolgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fragen aufgreifen und weiterentwickeln. Mit jeder Stelle ist eine Lehrverpflichtung von vier Semesterwochenstunden verbunden, so dass von diesem Programm auch die Lehre und damit die Studierenden profitieren.

„Wir wollen die Bedingungen für junge Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler an unserer Universität verbessern, dazu tragen diese Programme bei“, sagte Prof. Dr. Ute Clement, Vize-Präsidentin der Universität und verantwortlich für die Förderung des akademischen Nachwuchses. „Sie bieten durch einen interdisziplinären Ansatz und aktuelle Fragestellungen beste Möglichkeiten, sich für eine weitere Karriere in oder außerhalb der Wissenschaft zu qualifizieren.“ Neben der Möglichkeit zur klassischen individuellen Promotion bietet die Universität Kassel seit einigen Jahren verstärkt strukturierte Programme wie dieses an. „In diesen sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Abschluss der Promotion ganz besonders gut, weil der Austausch untereinander eng ist und Unterstützungsangebote der Universität die Promovierenden gut erreichen“, so Clement.

Die Projekte im Einzelnen:

1.    Biologische Uhren (Leitung Prof. Dr. Monika Stengl): In der Natur sind „innere Uhren“ weit verbreitet. So steuern beispielsweise circadiane Uhren unseren Stoffwechsel und unsere Schlafbedürfnisse im 24-stündigen Tagesverlauf. Im ganzen Körper verteilt ticken Uhren mit den verschiedensten Periodenlängen, von wenigen Millisekunden bis zu mehreren Jahren, und steuern so Physiologie und Verhalten. Das Graduiertenkolleg erforscht, wie verschiedenste biologische Uhren im Laufe der Evolution entstanden, wie sie funktionieren und sich innerhalb eines Lebewesens synchronisieren, um ein Zeitgefüge aufzubauen. Die Dozenten kommen aus der Biologie, der Physik, der Chemie, den Ingenieurwissenschaften und der Mathematik. Personal: 2,5 Promotionsstellen, 0,5 Postdoc-Stellen.

2.    Bedeutung der Hochschulausbildung für Karriereverläufe (Prof. Dr. Guido Bünstorf): Wie bilden sich gesellschaftliche Eliten und welche Bedeutung hat das Studium an einer Hochschule für eine Spitzenkarriere? Diese und andere Fragen ergründet eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe im Internationalen Zentrum für Hochschulforschung (INCHER-Kassel) der Universität. Auch die Auswirkungen von Reformprozessen im Hochschulsektor werden untersucht. Zur Auswertung von Daten mit innovativen Analyseverfahren ist auch ein Fachgebiet der Informatik eingebunden. Personal: 3 Promotionsstellen.

3.    Rural-Urban Dynamics in Bangalore (Prof. Dr. Eva Schlecht): Dieses interdisziplinäre Projekt flankiert die gemeinsame DFG-Forschergruppe FOR2432 zu landwirtschaftlichem Wandel im rural-urbanen Raum, die im April 2016 an den Universitäten Kassel und Göttingen eingerichtet wurde und Feldforschung in Bangalore, Indien, betreibt. Dort wird untersucht, welche Folgen das Wachstum einer Mega-Stadt für Ressourcenverbrauch und Artenvielfalt, für politische und soziale Strukturen hat. Die neue Graduiertengruppe untersucht insbesondere Aspekte der Bodenqualität, der Wassernutzung und gesellschaftswissenschaftliche Fragen. Personal: 3 Promotionsstellen

4.    Ökologien des sozialen Zusammenhalts (Prof. Dr. Kai Ruffing): Dieses Projekt analysiert, unter welchen Bedingungen und mit welchen Konsequenzen Menschen global zusammenleben, während sich die ökologischen Rahmenbedingungen dramatisch ändern. Wie gelingt das Zusammenleben verschiedener Kulturen? Wie ein globaler Interessensausgleich? Was für Folgen hat dies wiederum für die Umwelt? Es werden nicht nur aktuelle Entwicklungen verglichen; untersucht wird auch, was die Menschheit aus Transformations- und Anpassungsprozessen der Vergangenheit lernen kann. Personal: 2 Promotionsstellen, 1 Postdoc-Stelle.

Das Präsidium der Universität Kassel hat es sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Promotionen zu erhöhen. Nachdem die Zahl in der Vergangenheit recht konstant bei rund 185 pro Jahr lag, schlossen 2015 mehr als 250 und im vergangenen Jahr 225 Doktorandinnen und Doktoranden ihre Promotion ab. Zu den Maßnahmen, die die Bedingungen für Promovierende verbessern, gehört u.a. die 2014 eingerichtete Graduiertenakademie.

Die jetzt gestarteten Graduiertenprogramme sind Teil des Profilbildungs-Programms, das das neue Präsidium im vergangenen Jahr aufgelegt hatte. Dazu zählen außerdem Maßnahmen zur Verbesserung der Studienqualität in großen Studiengängen sowie ein Programm zur Schwerpunktbildung in Lehre und Forschung in bestimmten interdisziplinären Verbünden.

Kontakt:

Sebastian Mense
Universität Kassel
Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 561 804-1961
E-Mail: presse@uni-kassel.de
www.uni-kassel.de


Prof. Dr. Monika Stengl
Universität Kassel
Fachgebiet Tierphysiologie
Tel.: +49 (0)561 804-4564
E-Mail: stengl@uni-kassel.de

Prof. Dr. Guido Bünstorf
Universität Kassel
Fachgebiet Wirtschaftspolitik, Innovation und Entrepreneurship
Tel.: +49 (0)561 804- 2506
E-Mail: buenstorf@uni-kassel.de

Prof. Dr. Eva Schlecht
Universität Kassel
Fachgebiet Animal Husbandry in the Tropics and Subtropics
Tel.: +49 5542 98-1201
E-Mail: schlecht@uni-kassel.de

Prof. Dr. Kai Ruffing
Universität Kassel
Fachgebiet Alte Geschichte
Tel.: +49 (0)561 804-1904
E-Mail: kai.ruffing@uni-kassel.de