24.01.2014 09:04

Wissenschaftssprache Deutsch - Schlüssel zum erfolgreichen Studium?

Zahlreiche kontroverse Vorträge rund um das Thema "Wissenschaftssprachliche Kompetenzen im Hochschulkontext: fordern, evaluieren - aber wie fördern?" veranlassten mehr als 80 Tagungsteilnehmer am 16. und 17. Januar zu angeregten Diskussionen. Das Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ) hat zur Fachtagung ins Gießhaus der Uni Kassel eingeladen.

Tanja Fohr, M.A., Universität Kassel (li.), Prof. Dr. Karin Aguado, Universität Kassel, Moderation (re.) (Foto: Maria Hummel)

Anlass für die intensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik sind nicht nur die hohen Abbrecherquoten bei ausländischen Studierenden, die die hohen sprachlichen Anforderungen im Studium beklagen, sondern auch die Schwierigkeiten, die deutsche Abiturienten und Abiturientinnen beim Erwerb der Schlüsselkompetenz Wissenschaftssprache haben.  

Sprachwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen wie Dr. Christian  Fandrych, Professor an der Universität Leipzig, sowie Dr. Gabriele Graefen von der Universität München oder Dr. Steinseifer und Prof. Dr. Helmuth Feilke von der Universität Gießen präsentierten ihre Ergebnisse aus Forschungsprojekten. Sie machten die wissenschaftssprachlichen Herausforderungen im Rahmen von deutschsprachigen, aber auch internationalen Studiengängen deutlich und zeigten exemplarisch die sprachlichen Probleme auf, die internationale wie deutsche Studierende beispielsweise beim Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten haben. Tagungsteilnehmer diskutierten unter anderem angeregt darüber, inwieweit das US-amerikanische Englisch die deutsche Wissenschaftssprache verdränge.  Es wurde zudem deutlich, dass die sprachlichen Anforderungen in internationalen Studiengängen ein Faktor für die hohen Abbrecherquoten bei ausländischen Studierenden seien. So führe das Studium in der Wissenschaftssprache Englisch nicht zu einer Vereinfachung der Studienbedingungen für ausländische Studierende, wie allgemein angenommen.

Darüber hinaus präsentierten Mitarbeitende von Sprachenzentren, so Heike Brandl der Universität Bielefeld, oder Ute Koithan und Dr. Marina Adams vom Sprachenzentrum der Universität Kassel, welche Unterstützungsangebote für deutsche und ausländische Studierende zum Erwerb der Schlüsselkompetenz Wissenschaftssprache im Studium konzipiert und erprobt wurden. Das Deutschlernangebot zur Förderung der Wissenschaftssprache der Universität Bielefeld ist fest im Bachelorstudium verankert und hilft sowohl deutschen als auch ausländischen Studierenden studienbegleitend die geforderten Studienleistungen wissenschafts- und fachsprachlich zu bewältigen.

Die Tagungsgäste diskutierten davon ausgehend, dass die Maßnahmen zur Unterstützung der Studierenden nicht allein den Sprachenzentren oder dem Bereich der Studienvorbereitung zu überlassen seien, sondern Lehrende aller Fachdisziplinen aufgefordert sind, die Studierenden beim Erwerb der Wissenschaftssprache zu unterstützen.

Interessant war in diesem Zusammenhang auch ein Vortrag von Dr. Ulrike Arras vom TestDaF-Institut in Bochum. Der TestDaF misst die sprachlichen Kompetenzen im universitären Kontext und ermöglicht ausländischen Studierenden nach erfolgreichem Bestehen den Hochschulzugang. Dr. Arras zeigte anhand von Untersuchungsergebnissen auf, dass der TestDaF (Test Deutsch als Fremdsprache) zwar einige ausgewählte sprachliche Kompetenzen messen kann, aber die Schlüsselkompetenz Wissenschaftssprache studienbegleitend ausgebaut werden müsse. Dazu seien weitere Unterstützungsangebote notwendig.

Die Diskussionen zum Thema Wissenschaftssprachliche Kompetenzen im Hochschulkontext leisteten insgesamt einen Beitrag zur Reflexion der Sprachlichkeit von Wissenschaft und riefen unter anderem die Notwendigkeit der Förderung der deutschen Wissenschaftssprache ins Bewusstsein.

Bei der Gestaltung der Tagung wirkten die Studierenden im Masterstudiengang Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowohl organisatorisch als auch inhaltlich aktiv mit. Neben der Vorstellung der Vortragenden beteiligen sich die Studierenden auch an den Diskussionen im Blog (http://wissenschaftssprache.wordpress.com/reflexionen-3/) zur Tagung.

Nähere Informationen dazu und zu Tagungsinhalten finden sich auf der Tagungsseite (https://www.uni-kassel.de/fb02/institute/deutsch-als-fremd-und-zweitsprache/tagung-wissenschaftssprache.html) sowie im Blog zur Tagung (http://wissenschaftssprache.wordpress.com/reflexionen-3/). Interessierte sind herzlich eingeladen, sich hier an den Diskussionen zu beteiligen.

Tanja Fohr

Kontakt:

Tanja Fohr M.A.
Institut für Germanistik
Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Universität Kassel
Tel.: 0561/ 804-3305
E-Mail: tfohr@uni-kassel.de