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20.07.2011 07:30

Bis 2019: Region Nordhessen gehen die Akademiker aus

Durch steigende Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften und den demographischen Wandel kommt Nordhessen unter Druck. Nach Berechnungen des Kasseler Wirtschaftsforschers Norman Vogt drohen der Region schon 2019 die Akademiker auszugehen

Kassel. Durch steigende Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften und den demographischer Wandel kommt Nordhessen unter Druck. Nach Berechnungen des Kasseler Wirtschaftsforschers Norman Vogt drohen der Region schon 2019 die Akademiker auszugehen.

Dass der demografische Wandel die deutsche Wirtschaft vor erhebliche Herausforderungen stellt, ist seit langem bekannt. Ebenso, dass sich Geburtenrückgang und Abwanderungen in verschiedenen Regionen ganz unterschiedlich auswirken. Die für Nordhessen erwarteten Effekte hat Norman Vogt vom Institut für Volkswirtschaft der Universität Kassel in seiner Abschlussarbeit abgeschätzt. Wichtigstes Ergebnis: auch wenn der Trend zur Höherqualifikation anhält, bleibt in der Region 2019 fast jeder zweite Akademiker-Arbeitsplatz unbesetzt.

Vogts Projektionen ergeben, dass das Gesamtangebot an Arbeitskräften in Nordhessen um rund acht  Prozent sinken wird. Dagegen steigt der geschätzte Gesamtbedarf um gut zwei Prozent an. „Auch wenn der Trend zur Höherqualifizierung anhält, ist die größte Lücke bei den Akademikern zu erwarten“, erklärt Vogt. „Während die Zahl potenzieller Arbeitskräfte mit Hochschulausbildung demografisch bedingt um rund drei Prozent zurückgeht, steigt der Bedarf der Arbeitgeber um etwa 44 Prozent.“ Auch bei den Fachkräften mit Berufsausbildung bleibt das Angebot hinter dem Bedarf der Unternehmen zurück: bei praktisch unverändertem Bedarf sinkt das Fachkräfteangebot in diesem Qualifikationssegment um rund neun Prozent. Nur bei den Arbeitskräften ohne Berufsausbildung zeichnet sich ein anderes Bild ab. Hier wird der Bedarf stärker sinken als das Angebot, so dass sich die Position der Geringqualifizierten am Arbeitsmarkt weiter verschlechtern dürfte.

Für seine Projektionen des Arbeitskräfteangebots und des Arbeitskräftebedarfs in Nordhessen von 2010 bis 2019 hat Vogt Bevölkerungsdaten des Hessischen Statistischen Landesamts mit Angaben des Mikrozensus zu Qualifikation und Erwerbsbeteiligung der nordhessischen Bevölkerung sowie Daten der Bundesagentur für Arbeit zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region verknüpft. Methodisch orientieren sich die Projektionen an früheren Studien des ifo Instituts Dresden und des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, in denen die Fachkräfteverfügbarkeit in ostdeutschen Regionen untersucht wurden.

„Auch wenn diese Ergebnisse in der Tendenz nicht überraschend sind, zeigen sie doch, wie drastisch sich der demografische Wandel auf die nordhessische Wirtschaft auswirkt“, fasst Vogt seine Ergebnisse zusammen. Für Nordhessen bestehe daher dringender Handlungsbedarf, den erwarteten Engpässen bei den Höherqualifizierten entgegenzusteuern. Welche Rolle dabei der Universität Kassel zukommt, gehört zu den Fragestellungen, denen Vogt seit einigen Wochen in seinem Promotionsprojekt im Fachgebiet Allgemeine Wirtschaftspolitik nachgeht.

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Info
Prof. Dr. Guido Bünstorf
Universität Kassel
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Telefon: 0561/804-2506
E-Mail: buenstorf@uni-kassel.de

 

Dipl.-Oec. Norman Vogt

Universität Kassel

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Telefon: 0561/804-3587

E-Mail: normanvogt@uni-kassel.de