 Letzte Änderungen 30.3.2001Projekt-flyer (pdf-file)
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Ausgangpunkt der Studie
Fragen der Ausbildung und Förderung der Doktoranden
sowie der Berufschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses
finden in den hochschul- und beschäftigungspolitischen
Diskussionen der letzten Jahre aus verschiedenen
Gründen verstärkte Aufmerksamkeit.
Zum einen beobachten wir seit den achtziger Jahren einen
quantitativen wie qualitativen Bedeutungsgewinn der
Promotionsförderung. Im Gefolge der allgemeinen
Hochschulexpansion verdoppelte sich seit Anfang der
achtziger Jahre die Zahl der Doktorprüfungen innerhalb
eines Jahrzehnts. Zugleich wird verstärkt auf die
Bedeutung der Nachwuchsförderung - als dritte
Hauptaufgabe der Universitäten neben Lehre und
Forschung - und den Beitrag wissenschafts- und
forschungsbezogener Tätigkeiten für die
gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung insgesamt
hingewiesen. Zum anderen werden die Auswirkungen der
Zunahme der Promotionen und der veränderten
Bedingungen auf den Arbeitsmärkten für Fach- und
Führungskräfte auf die Beschäftigungs- und
Karrierechancen Promovierter thematisiert. Die
Promovierten, so der Tenor der Diskussionen, haben sich mit
Veränderungen auf den Arbeitsmärkten
auseinanderzusetzen, durch die traditionell bedeutsame
berufliche Einsatzorte an Bedeutung verlieren,
Arbeitsmärkte außerhalb von Hochschule und
Wissenschaft zunehmend wichtiger werden und insgesamt
wachsende Beschäftigungsrisiken zu antizipieren
seien.
Diese Entwicklungen schärfen offenbar den Blick auch
auf die Chancen und Probleme der Organisation der
Promotionsphase selbst. Unbestritten ist, daß der durch die
Promotion ausgewiesene hochqualifizierte wissenschaftliche Nachwuchs
ein wichtiges Potential nicht nur für die
Reproduktionsfähigkeit von Hochschule und Forschung, sondern auch
für Fach- und Führungskräfte außerhalb von
Hochschule und Wissenschaft bildet. Unverkennbar sind aber auch
zunehmende Diskussionen um die strukturellen Defizite der
Nachwuchsqualifizierung, die sich etwa auf den geringen Grad der
Strukturierung der Promotionsphase, die unklare Stellung der
Doktoranden an der Hochschule, die sukzessive Verlängerung der
Ausbildungszeiten und die "Alterung" des wissenschaftlichen
Nachwuchses sowie auf Fragen der Orientierung der Qualifizierung an
der außerhochschulischen Berufswelt beziehen.
Wenn man berücksichtigt, wie stark derartige Themen in den
letzten Jahren diskutiert werden, erscheint unser gegenwärtiger
Kenntnisstand unbefriedigend. Zum Zusammenhang von Bildungs- und
Berufsweg Promovierter und zur Qualifizierungs- und
Statusdistributionsfunktion der Promotion gibt es eine Reihe
verstreuter Informationen und einige interessante Studien, aber eine
grundlegendere und detailliertere Bestandsaufnahme und Analyse steht
bislang aus.
Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die von
1998 - 2000 ca. DM 300.000,- zur Verfügung stellt, werden diese
Themenfelder im Rahmen unserer Studie "Promotion und Beruf" eingehend
untersucht.
Fragestellung und Zielsetzung der Studie
Im Vordergrund der Studie stehen folgende Fragen: Welche Berufswege
schlagen promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein,
welche Funktionen üben sie aus und welchen Berufserfolg erreichen
sie? Wie wirken sich veränderte Bedingungen in Hochschule und
Beruf auf die beruflichen Einstiegschancen und
Entwicklungsmöglichkeiten nach der Promotion aus? Wie gestaltet
sich die postgraduale Qualifizierung bis zur Promotion, und welche
Bedeutung kommt den Bedingungen während der Promotionsphase
für den weiteren beruflichen Werdegang zu? Was leisten
unterschiedliche Qualifizierungskonzepte angesichts der Vielfalt
potentieller beruflicher Einsatzbereiche und Karrieren für
Promovierte auf den inner- und außeruniversitären
Arbeitsmärkten?
Wir verfolgen mit unserer Studie dabei eine doppelte Absicht: Zum
einen soll die Informationslücke bei den Bildungs- und
Berufswegen, dem beruflichen Verbleib und Erfolg der Promovierten -
als gleichsam höchstqualifizierter Teilgruppe der
Hochschulabsolventen - geschlossen werden. Man kann annehmen,
daß diese Klärungsversuche bereits einen Beitrag zur
Versachlichung der Diskussion um Fragen von Promotion und Beruf
leisten werden. Zum anderen greifen wir verschiedene Grundthemen der
bildungs-, arbeitsmarkt- und berufssoziologischen Diskussionen auf,
die uns für unsere Studie sowohl theoretisch fruchtbar als auch
für die aktuelle Diskussion hilfreich erscheinen.
Untersucht werden u.a.:
- inwieweit Unterschiede in den Beschäftigungschancen und dem
Berufserfolg der Promovierten auf unterschiedliche Eintritts- und
Entwicklungsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen
sind;
- in welchem Maße innerhalb der ersten Jahre der
Berufstätigkeit stattfindende Selektionsprozesse nachhaltige
Effekte auf den weiteren Berufsweg haben bzw. Möglichkeiten
für nachträgliche Korrekturen eröffnen;
- wie die Fächer im Hinblick auf die antizipierten Berufsbilder
und -felder und die Chancen einer "adäquaten" Beschäftigung
der Promovierten zu charakterisieren sind;
- welche Bedeutung den fächerspezifischen Organisationsformen
während der Promotionsphase für die spätere berufliche
Praxis zukommt;
- wie sich die Stagnation bzw. der Abbau von
Beschäftigungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst auf
die Beschäftigungschancen und beruflichen
Entwicklungsmöglichkeiten auswirkt und inwieweit der
privatwirtschaftliche Sektor als Einstiegs- und
Ausweichmöglichkeit für Promovierte an Bedeutung gewinnt;
- inwiefern unterschiedliche Berufschancen nach sozialer Herkunft und
Geschlecht bestehen.
Anlage und Durchführung der Studie
Die thematischen Schwerpunkte dieser Promoviertenbefragung liegen in der retrospektiven Erhebung
schulischer und beruflicher Ausbildungen, der Bedingungen und
Ergebnisse der Promotionsphase selbst, der beruflichen
Übergangsprozesse nach der Promotion, der weiteren beruflichen
Karriere sowie der gegenwärtigen Berufssituation. Zugleich
sind Daten zum soziobiographischen Hintergrund erhoben worden.
In ihrem empirischen Kern stützt sich die Studie auf eine schriftliche Befragung von über 2.200 Promovierter der Fächer Biologie, Elektrotechnik,
Germanistik, Mathematik, Politikwissenschaft/Soziologie sowie
Wirtschaftswissenschaften. Zur Abschätzung der Wirkung der Promotion auf den Berufsverlauf und -erfolg von Akademikern ist eine schriftliche
Befragung einer Vergleichsgruppe nicht-promovierter
Hochschulabsolventen durchgeführt worden. Dabei sind
Promovierte der Abschlußjahrgänge 1979/80, 1984/85 sowie
1989/90 und Nicht-Promovierte der Abschlußjahrgänge 1979/80
sowie 1984/85 in die Untersuchung einbezogen worden. Die Befragungen sind im Früjahr/Sommer 1999 vorgenommen worden.
Publikation der Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie werden im Frühjahr/ Sommer 2001 in einer Monographie mit dem Titel "Zaublerlehrlinge nur für die Wissenschaft? Ausbildung, Berufsverlauf und Berufserfolg von Promovierten" im Campus-Verlag publiziert.
Weitere Informationen zu dieser Studie
Weitere Informationen zur Kasseler Promoviertenstudie erhalten Sie bei:
Dr. Jürgen Enders (Projektleiter), enders@hochschulforschung.uni-kassel.de, http://www.uni-kassel.de/~enders/;
Dipl.-Sozialpäd. Lutz Bornmann M.A., bornmann@hochschulforschung.uni-kassel.de, http://www.uni-kassel.de/~bornman/
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