Erkennung von Wirtschaftskriminalität und Versicherungsbetrug (EWV)

Projektverantwortlicher im ITeG: Prof. Dr. Alexander Roßnagel,
Prof. Dr. Gerrit Hornung, LL.M.
Ansprechpartner: Kevin Marschall, LL.M.,
Constantin Herfurth
Laufzeit: Januar 2015 - März 2018
Fördernde Einrichtung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Projektwebsite: EWV bei Projektgruppe provet
(Prof. Dr. Alexander Roßnagel)EWV am Fachgebiet Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht(Prof. Dr. Gerrit Hornung)

Kurzbeschreibung

Wirtschaftskriminalität und Versicherungsbetrug verursachen einen jährlichen Gesamtschaden in Milliardenhöhe. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, arbeitet im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundvorhabens "Erkennung von Wirtschaftskriminalität und Versicherungsbetrug (EWV)" ein interdisziplinäres Team aus Juristen, Informatikern, Wirtschaftswissenschaftlern und Psychologen daran, bestehende Betrugserkennungsverfahren zu optimieren und neue technische Präventions- und Aufdeckungsverfahren zu entwickeln.

Ziel des Projektes ist die systematische Aufdeckung von Methoden des breit angelegten Versicherungsbetrugs. Aus rechtlicher Sicht muss dabei erstens ein möglichst grundrechtsschonender Einsatz der Betrugserkennungsverfahren sichergestellt werden, sodass nicht nach der Entwicklung der Verfahren ihr Einsatz an grundrechtlichen Hürden scheitert. Zweitens muss den mit den IT-Forensik-Verfahren erzeugten Beweismitteln eine hohe gerichtliche Beweiskraft zukommen, damit ihre Entwicklung und ihr Einsatz gegenüber bisherigen Verfahren einen höheren Nutzen erbringen. Denn häufig scheitern Gerichtsverfahren, sowohl zivil- als auch strafrechtlich, daran, dass es an (rechtskonformen) Beweisen mangelt. Um diese Ziele zu erreichen, müssen die rechtlichen Anforderungen die betroffenen Rechtsgebiete (Grundrechte, Compliance, Beweisrecht) schon während des Forschungsprojekts, also noch in der Entwicklungsphase, als Gestaltungsvorschläge in die Gestaltung der IT-Forensik-Verfahren einfließen.

Die  „Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung“ (provet) im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel (ITeG) ist in diesem Rahmen verantwortlicher Partner für die Rechtsforschung bei EWV und legt damit den wesentlichen Grundstein für die Praxistauglichkeit und Rechtsverträglichkeit des anvisierten IT-Forensik-Systems. Das Ziel der rechtsverträglichen Gestaltung soll erreicht werden, indem in einem ersten Schritt die grundlegende juristische Einordnung von EWV sowie die Konkretisierung abstrakter rechtlicher Vorgaben erfolgt. Durch die Anwendung der Methode KORA (Konkretisierung rechtlicher Anforderungen) werden in einem mehrstufigen Prozess aus den abstrakten rechtlichen Vorgaben konkrete technische Gestaltungsvorschläge für das Einsatzszenario des IT-Forensik-Systems abgeleitet. Diese Aufgabe wird in enger Zusammenarbeit und ständigem Austausch mit den anderen Projektpartnern bewältigt. Flankierend werden daraus Vorschläge für die Fortentwicklung des Rechtsrahmens für den Einsatz von IT-Forensischer Software erarbeitet, die Grundlage für an das Projekt anknüpfende rechtspolitische Gestaltungsmöglichkeiten sind.

Das Fachgebiets Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung der Universität Kassel (ITeG) entwickelt im Rahmen des Teilvorhabens "Datenschutzrechtliche Anforderungen" die datenschutzrechtlichen Vorgaben für die zu erforschenden Technologien und formuliert Vorschläge für eine rechtskonforme Gestaltung und einen rechtskonformen etwaigen späteren Einsatz. Hierdurch soll zum einen die rechtliche Zulässigkeit der automatisierten Aufdeckungsmechanismen sichergestellt, zum anderen einen Beitrag zur späteren Akzeptanz und wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Verfahren in der Praxis geliefert werden. 

Das Projekt EWV wird (BMBF) im Themenfeld „Zivile Sicherheit – Schutz vor Wirtschaftskriminalität“ im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit von 2015 bis 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Projektpartner

  • Fraunhofer-Institut für Sichere
    Informationstechnologie 
    (Konsortialführer): Herr Dr. Martin Steinebach https://www.sit.fraunhofer.de/de/ewv/
  • Fachhochschule Dortmund
  • Fakultät Wirtschaft, insb. Finanz- und Versicherungsmärkte:
    Herr Prof. Dr. Oliver Riedel
  • Institut Psychologie & Bedrohungsmanagement: Herr Dr. Jens Hoffmann
  • mh SERVICE GmbH: Herr Bernd Hiltel
  • Finanzamt Gotha- Steuerfahndung / IT-Fahnder – Herr Dennis Schreiber
  • Mannheimer Versicherung AG:Herr Andreas Nicholson