Untersuchung zur Kartografie und Analyse der Privacy-Arena

Ansprechpartner: Prof. Dr. Jörn Lamla (Projektkoordination),
Prof. Dr. Alexander Roßnagel
Laufzeit: November 2013 bis Dezember 2016
Fördernde Einrichtung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Projektwebseite: Privacy-Arena (FG Öffentliches Recht)
Privacy-Arena (FG Soziologische Theorie)

Kurzbeschreibung

Das Explorationsprojekt hat zum Ziel, die konzeptionellen und methodischen Mittel für ein interdisziplinär angelegtes Arbeits- und Forschungsprogramm zu erarbeiten und exemplarisch zu erproben, in dem eine umfassende und analytisch tiefenscharfe Kartografie der Konfliktlandschaft zum Thema „Privatheit und selbstbestimmtes Leben in der Digitalen Welt“ vorgenommen werden soll. Mittels exemplarischer Erkundungen aktueller Konfliktzonen, in denen unterschiedliche Positionen zum Wandel von Privatheit – von Post-Privacy-Vertretern bis zu Bürgerrechtsgruppen – aufeinandertreffen, soll es Wege zu einer grundlegenden Untersuchung der „Privacy-Arena“ bahnen, die das Forschungsfeld insgesamt zu strukturieren und den Stellenwert von Einzelfragen, etwa zur Dichotomisierung und/oder Entgrenzung von Öffentlichkeit und Privatheit, besser einzuordnen erlaubt. Gegenwärtig lässt das Feld eine solche Übersicht noch weitgehend vermissen. Auch aus rechtswissenschaftlicher Perspektive wird die normative Bestimmung von Privatheit und Selbstbestimmung unter Bedingungen des technischen Wandels und einer empirischen Pluralität von Begründungsansätzen immer schwieriger, weshalb die konzeptionellen Grundlagen neu durchdacht werden sollten. Zu erforschen sind insbesondere die Grenzziehung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit sowie die grundlegenden Datenschutzkonflikte.

Das Fachgebiet Soziologische Theorie untersucht hierbei exemplarisch öffentliche Auseinandersetzungen rund um Privatheit. Diese Debatten und Streitfälle versammeln auf je unterschiedliche Weisen wichtige Instanzen und Akteurinnen einer Neuverhandlung des Privaten. Die verschiedenen Situationen können deshalb verstanden werden als relevante Ausschnitte der Privacy-Arena, in der koalierend und konfligierend die Zukunft des Privaten und die Verfasstheit der digitalen Welt verhandelt werden.

Seit Herbst 2015 kooperiert der Projektverbund mit einer Gruppe des
Studiengangs Visuelle Kommunikation der Kunsthochschule Kassel unter
Leitung des Rektors Joel Baumann. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden
Visualisierungen der wissenschaftlichen Projektergebnisse erarbeitet und
Ende 2016 veröffentlicht.

Ausstellung im Interim in Kassel:

Von 01.12. bis 11.12.2016 veranstaltet das Projekt eine Ausstellung im Interim in Kassel. Die Schau ist wichtiger Baustein der Veröffentlichung der Visualisierungen des Projektverbunds. Die interaktiven und multimedialen Installationen der Ausstellung machen die Kämpfe um den Stellenwert von Privatheit erlebbar. In der Ausstellung können Besucher*innen die komplexen Arenen begehen, in denen diverse soziale Welten ihre Konflikte aushandeln.

Die Ausstellung wird durch eine Webseite begleitet (www.privacy-arena.net), die es Interessierten und Besucher*innen ermöglicht, die Beschäftigung mit den Forschungsergebnissen fortzusetzen und zu vertiefen. Das Zusammenspiel von wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Intervention soll dazu beitragen, die Öffentlichkeit an der Diskussion um die Zukunft von Privatheit und Demokratie zu beteiligen.

Projektpartner:

Fachgebiet Soziologische Theorie, Universität Kassel (Prof. Dr. Jörn Lamla)
Fachgebiet Fachgebiet Öffentliches Recht, insb. Umwelt- und Technikrecht, Universität Kassel (Prof. Dr. Alexander Roßnagel)
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW),
Universität Tübingen (Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn)
Professur für Neue Medien, Visuelle Kommunikation, Kunsthochschule
Kassel (Joel Baumann)