In­for­ma­tio­nen zu den Work­shops

Freitag, 19.05.2017

16:30-18:00Uhr

 

Work­shops

Prof. Dr. Claudia Finkbeiner & Dr. Jennifer Schluer, Universität Kassel

Fabienne de Bernardy & Nasser Liedtke, Studienseminar GHRF Kassel

  • Was ist an der deutschen Sprache so besonders?
  • Welche Konsequenzen können Lehrende für ihren Unterricht daraus ableiten?
  • Wie können Lehrende ihre Erkenntnisse nutzen, um einen wertschätzenden, konstruktiven Umgang mit Fehlern bei den Lernenden zu erzielen?

Ausgehend von diesen drei Leitfragen wird im Rahmen des Workshops für den Umgang mit möglichen Fehlern sensibilisiert.

Dabei gilt es auf die Besonderheiten der deutschen Sprache zu fokussieren, um weiterhin relevante didaktische sowie methodische Konsequenzen zu ziehen.

Ausgehend von einem Schülerprodukt sollen vorhandene Stolpersteine identifiziert sowie wichtige Thesen zum Umgang mit Fehlern diskutiert werden.

Tanja Fohr, M.A., StR i.H., Universität Kassel

Die musisch-ästhetischen Fächer genießen an den weiterführenden Schulen im Vergleich zu den Sachfächern eine eher nachrangige Priorität. Dies zeigt sich beispielsweise dadurch, dass das Fach Kunst vermehrt fachfremd unterrichtet wird, die Stunden eher am Rande der Stundentafel platziert sind und deutlich häufiger entfallen als die der anderen Sachfächer. Wie der Bildungsbericht 2012 (vgl. KMK 2012, 197) aufzeigt, sind von dieser Situation überwiegend Haupt-, Real- und Gesamtschüler/innen betroffen. Strukturelle Selektionseffekte bei der kulturell/musisch-ästhetischen Bildung treten demzufolge vor allem bei solchen Schülern/innen auf, die weniger musisch-ästhetische Lerngelegenheiten haben und infolgedessen auch seltener Museen oder Theater besuchen, was etwa für mehrsprachig oder bildungsfern aufwachsende Jugendliche deutlich belegt ist (vgl. ebd., 165).

Gerade das Bildverstehen, der reflektierte Umgang mit Bildern und die Kompetenz, sich angemessen über bildnerische Sachverhalte ausdrücken zu können, sind jedoch in der heutigen Mediengesellschaft zunehmend wichtiger. Daher lohnt es sich, die Leistungsmöglichkeiten des Faches Kunst in einer Zeit des wachsenden Einflusses von Bildern in Alltag, Schule und Beruf aufzuzeigen. Die Rolle die Sprachbildung bei der Vermittlung der Bildkompetenzen und bei der Entwicklung von Kreativität durch kulturell-ästhetische Erfahrungen kann dabei nicht wichtig genug eingeschätzt werden.

Ausgehend von den fachdidaktischen Planungsgrundlagen für das Fach Kunst, den Bildungsstandards und den Kerncurricula für Hessen, wird am Beispiel der Klasse 5 belegt, inwieweit die integrierte Sprachbildung im Fach Kunst zum Erwerb von Bildkompetenzen notwendig ist. Durch eine exemplarische Analyse von Lehrmaterial für den Kunstunterricht in der 5. Klasse wird deutlich, welche sprachlichen Herausforderungen die Lerner/innen bewältigen müssen.

Am Beispiel der Vermittlung der Prinzipien der Komposition für die bildnerische Gestaltung wird dargestellt, wie sprachsensibler Kunstunterricht unter Zuhilfenahme des Ansatzes ‚Scaffolding’ geplant und umgesetzt werden kann. 

Abschließend wird ausgehend von einer Aufgabenanalyse aus den Bereichen der Bildgestaltung und Bildrezeption in Teams diskutiert, welche fachlichen und sprachlichen Lernschritte bei der Unterrichtsplanung vorgesehen werden müssen und wie die integrierte Sprachbildung im Kunstunterricht umgesetzt werden kann. 

Zielsetzung

Kompetenzerwerb rund ums Bild: Wie viel Sprache braucht es dabei? 

Sprachliche Herausforderungen bei der Bildrezeption und Produktion: Analyse von Unterrichtsmaterial

Aufgaben und Arbeitsaufträge auf ihren sprachlichen Lerngehalt überprüfen

Scaffolding konkret: Unterrichtsplanung und -durchführung von sprachsensiblem Kunstunterricht am Beispiel des Themas Komposition für die Klasse 5

Aufgaben aus den Bereichen der Bildrezeption und -produktion analysieren und Konsequenzen für eine sprachsensible Planung ableiten. 

Literatur

BDK (2008): Bildungsstandards im Fach Kunst für den mittleren Schulabschluss verabschiedet von der Hauptversammlung des BDK Fachverband für Kunstpädagogik im April 2008 in Erfurt. BDK Mitteilungen 03/2008, 1-4. www.bdk-online.info/blog/data/2008/11/BildungsstandardsBDK.pdf (Zugriff 16.10.2015).

Fohr, Tanja (2014): Kunstunterricht: Sprachliche Anforderungen und Fördermöglichkeiten. In: Michalak, Magdalena (Hrsg.): Sprache als Lernmedium im Fachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, 196 - 216.

Fohr, Tanja (2016): Sprache im Kunstunterricht: Lernmedium oder -ziel? In: Lütke, Beate, Petersen, Inger & Tajmel, Tanja (Hrsg.): Fachintegrierte Sprachbildung, Forschung, Theoriebildung und Konzepte für die Unterrichtspraxis, Berlin: de Gruyter, 209 – 229.

Kultusministerkonferenz (KMK) & Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2012): Bildungsbericht. Heft Kulturelle/musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf. www.bildungsbericht.de/daten2012/h_web2012.pdf (Zugriff 16.10.2015).

Prof. Dr. Olaf Gätje & Felix Woitkowski, Universität Kassel

Das mündliche, häufig softwaregestützte und multimodale Präsentieren von Schülerinnen und Schülern gehört heute zum Unterrichtsalltag in allen Schulfächern. In der ansonsten primär der Schriftkultur verhafteten Institution Schule gehen mit diesem relativ neuen Lern-, Leistungs- und Prüfungsformat neue Herausforderungen, aber auch Chancen einher. In unserem Workshop sollen die Möglichkeiten ausgelotet werden, die das mündliche Präsentieren von Unterrichtsinhalten durch Schülerinnen und Schüler für einen sprachsensiblen Fachunterricht bereithält. Dazu erarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops Rückmeldebögen, mit denen Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen und Klassenstufen in die Lage versetzt werden sollen, die sprachliche Qualität von Schülerpräsentationen eigenverantwortlich und differenziert zu beurteilen. Durch diese Rückmeldebogen soll ein Bewusstsein für die präsentationsspezifischen Merkmale, Funktionen und Wirkungen gesprochener Sprache ebenso geweckt werden wie ein generelles Bewusstsein für die mediale Differenz von Mündlichkeit und Schriftlichkeit.

Dr. Matthias Söll, Universität Kassel

Die Planung von Unterricht gehört zweifellos zum Professionsleitbild und zu den Kernkompetenzen im Lehrerinnen- und Lehrerberuf. Dies spiegelt sich in Professionalisierungstheorien, Theorien von Schule und bildungspolitischen Vorgaben wider. So ist die fachlich und sachlich angemessene Planung von Unterricht das Fundament des Kompetenzbereichs Unterrichten der Standards für die Lehrerbildung in den Bildungswissenschaften. Allerdings liegen derzeit kaum geprüfte Konzepte zur Ausbildung von sprachsensibler Unterrichtsplanungskompetenz vor.

An der Universität Kassel wird derzeit ein Konzept zur Förderung dieser Kompetenz entwickelt. In dessen Zentrum steht die Analogie zwischen der Unterrichtsplanung und dem Drehbuchschreiben. Dialogisches Planen erfordert eine fundierte Analyse der Fachsprache, die zu einer fundierten Auseinandersetzung mit den Fachinhalten führen soll. 

In der ersten Phase des Workshops reflektieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam, in welcher Form Sprache bereits bei der eigenen Planung von Unterricht berücksichtigt wird. Es kann angenommen werden, dass dies eher unbewusst passiert. Ausgangspunkt der zweiten Phase des Workshops ist die Vorstellung der Methode der Unterrichtsplanung in Drehbuchform. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer prüfen anhand von Beispielen, ob sich diese Herangehensweise eignet, um Sprache bei der eigenen Unterrichtsplanung bewusster zu berücksichtigen und so einen fachwissenschaftlich fundierten Unterricht vorzubereiten. 

Der Workshop zielt auf die Sensibilisierung für Fachsprache bei der Planung von Unterricht durch die Methode des Drehbuchschreibens ab.

Bitte bringen Sie zum Workshop nach Möglichkeit eigene Unterrichtsplanungen mit.

Prof. Dr. Rita Wodzinski, Universität Kassel

In der Schule gelten die Naturwissenschaften häufig als ein Gegenpol zu den sprachlichen Fächern. Tatsächlich spielt Sprache im modernen Physikunterricht eine zunehmend wichtige Rolle. So gilt z.B. das adressatengerechte Kommunizieren über Physik als eine wichtige fachbezogene Kompetenz, über die Lernende am Ende der Schulzeit verfügen sollen. Sie schließt insbesondere einen angemessenen und reflektierten Umgang mit Fachsprache ein. 

Physikunterricht hat darüber hinaus auch die Aufgabe, die allgemeinen Sprachfähigkeiten der Lernenden weiterzuentwickeln. Das erfordert Lernumgebungen, die die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen im Hinblick auf Sprache berücksichtigen und Fachlernen mit Sprachlernen verknüpfen.

Der erste Teil des Workshops widmet sich den verschiedenen Bedeutungsaspekten von Sprache beim Lernen von Physik. Im zweiten Teil werden methodische Ansätze für sprachsensiblen Physikunterricht diskutiert, die auch auf andere Fächer übertragbar sind.

Samstag, 20.05.2017

9:15-10:45Uhr

Work­shops

Heike Damm-Pestel & Dr. Nora Haberzettl, Studienseminar GHRF Kassel

Der Förderung der Sprachkompetenz aller Kinder einer Lerngruppe wird im Unterricht der Grundschule inzwischen eine hohe Bedeutung beigemessen. Dieser Anspruch löst bei vielen Lehrerinnen und Lehrern aber auch großes Missbehagen aus, da sie sich sowohl im Hinblick auf die deutsche Sprache und die ihr zugehörigen Erwerbsprozesse, als auch im Hinblick auf die stetig steigende Heterogenität ihrer Lerngruppen und die damit verbundenen hohen Anforderungen an ihren Unterricht und dessen Vorbereitung überfordert fühlen. Im ersten Teil des Workshops werden daher Ideen, Konzepte und Settings vorgestellt, die dabei helfen können, sprachsensibles Handeln und Wissen mehr und mehr in die Abläufe unseres alltäglichen Grundschul-Unterrichts zu implementieren. Es werden Wege aufgezeigt, die Neues thematisieren, aber auch auf Bewährtes aufbauen. Hierbei stehen sowohl die deutsche Sprache, als auch die Lehrenden und Lernenden und ihr Zusammenleben in der Schule im Mittelpunkt. Für das Fach Mathematik wird im Workshop analysiert, welche sprachlichen Hürden den Kindern hier begegnen. Es wird dargestellt, welche offensiven Strategien notwendig sind, um im Unterricht von der Alltagssprache der Kinder zur Bildungssprache des Faches zu gelangen. Der gestufte Sprachschatzaufbau wird mit den Lehrkräften exemplarisch erarbeitet und mithilfe von Beispielen aus Schulbüchern und Schülerdokumenten veranschaulicht. Weiterhin stehen Materialien zur Ansicht zur Verfügung, die gut für die Umsetzung im Unterricht der Grundschule geeignet sind.

Dr. Wolfgang Fehr & Jürgen Goworr, Studienseminar für Gymnasien Kassel

Zuwanderung aus europäischen und nicht-europäischen Ländern stellt unsere Gesellschaft, besonders aber Schule und Ausbildungseinrichtungen vor besondere und neue Herausforderungen. Lerngruppen mit Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen mit unterschiedlichen (Erst-) Sprachen und kulturellen Hintergründen werden zum Normalfall in Schule und Ausbildung. Lernenden Kompetenz- und Autonomie-Erleben in sozialer Eingebundenheit zu ermöglichen, erfordert interkulturelle Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit sowie eine besondere Aufmerksamkeit auf Sprache(n). In diesem Kontext sind Konzepte der Lehrerbildung zu überprüfen und entsprechend zu erweitern. Sprachlich fundierte Lehr-Lern-Interaktionen mit ihren möglichen ‚Stolpersteinen‘ für Lernende werden beispielhaft rekonstruiert und zum Ausgangspunkt für entsprechendes Scaffolding und Enrichment in Ausbildungszusammenhängen der 2. Phase genutzt. Dabei wird der Zusammenhang von Lernaufgabenkonstruktion, Prozessorganisation und Strategielernen sowie die den Lernenden zur Verfügung stehenden sprachlichen Ressourcen in den Blick genommen.

Rita Feick, Studienseminar für Berufliche Schulen in Kassel mit Außenstelle Fulda & Angelika Schmitt-Rößer, Staatliches Schulamt Kassel

Ausgestattet mit ca. 1450 Lehrbuchseiten, begleitet von einer Vielzahl von kopierten Arbeits- und Informationsblättern und ermuntert, möglichst rege die Angebote der Bücherkisten, Schulbücherei und Stadtbibliothek zu nutzen, lernt ein Sechstklässler auf der Förderstufe einer Haupt- und Realschule schon früh, dass Lernen und  Lesen Verwandte sind, die engen Kontakt pflegen. Will ich mich in ihren Kreisen wohlfühlen und anerkannt sein, muss ich mich auf ihre Ansprüche einlassen. Unabhängig von Schulform oder Jahrgangsstufe ist das anstrengend und nicht immer von Erfolg gekrönt.  

In diesem Workshop werden auf der Basis des „Reading Apprenticeship“ Ansatzes („Meisterlehre vom Lesen“) verschiedene Möglichkeiten und Zugänge (u.a. ABC-Darium; Talking to the text) vorgestellt und erprobt, die „struggling readers“ im Umgang mit der Textfülle und ihren Verstehensproblemen unterstützen, damit sie erfolgreich mit den in den Fächern geforderten Texten arbeiten können.

Susan Methe & Sandra Textor, Studienseminar GHRF Kassel

Die Zahl derer, die sich im Fachunterricht aufgrund mangelnder Sprachfähigkeit nicht aktiv beteiligen können, nimmt immer mehr zu. Betroffen davon sind nicht nur Jugendliche mit Migrationshintergrund, sondern auch viele deutsche Kinder mit sprachlichen Schwächen und reduziertem Wortschatz. 

Unser Workshop bietet aus diesem Grund Anregungen zur Realisierung eines sprachsensiblen naturwissenschaftlichen Fachunterrichts. Sie erhalten dabei Gelegenheit, Lernarrangements mit interaktiven und anderen Darstellungsformen exemplarisch kennenzulernen und selbst auszuprobieren sowie mit Schülermaterialien diagnostisch zu arbeiten.

Dirk-W. Philipp & Burkhard Apell, Studienseminar für Gymnasien Kassel

Ausgehend von den Thesen und Impulsen von Professor Josef Leisen, die einleitend knapp zusammengefasst vorgestellt werden, sollen exemplarisch unterrichtspraktische Beispiele für sprachsensiblen Unterricht in den natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern der Sekundarstufe II vorgestellt und von der Teilnehmer/innen geprüft werden. In Anknüpfung an die spezifischen Anforderungen des Unterrichts in der Sekundarstufe II liegt der Schwerpunkt dieses Ateliers auf der unterrichtspraktischen Dimension sprachsensibilisierender und sprachsensibler Lernarrangements.

Nach der Prüfung der Unterrichtsarrangements durch die Teilnehmer/innen sollen abschließend im Unterricht beobachtete und zu erwartende Chancen und Herausforderungen diskutiert werden.

Jürgen Schröter-Klaenfoth, Studienseminar für berufliche Schulen in Kassel mit Außenstelle Fulda, Michaela Groß, Berufliche Schule Hofgeismar/Wolfhagen & Evelyne Raupach, Universität Kassel

Ein erfolgreicher Übergang in eine Berufsausbildung hängt in hohem Maße von der Beherrschung der deutschen Sprache ab. Dafür sind aber nicht nur allgemeine alltagssprachliche, sondern insbesondere fachsprachliche Kompetenzen erforderlich, die deutsche Sprache im beruflichen Kontext situationsgerecht, korrekt und zielgerichtet anzuwenden. Die berufliche Bildung stellt spezielle sprachliche Anforderungen an die Lernenden bezogen auf den jeweiligen fachlichen Kontext im Fach- und Fachpraxisunterricht. Daher kommt der Sprachförderung und dem aktiven Sprachhandeln in jedem Fachunterricht eine besondere Bedeutung zu.

Der Workshop soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sensibilisieren für Stolpersteine bei der Sprachrezeption und -produktion ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie erhalten erste Anregungen für eine sprachbewusste Unterrichtsgestaltung und eine Übersicht über erprobte Methodenwerkzeuge für den sprachsensiblen Unterricht.

Bitte bringen Sie nach Möglichkeit Sprachprodukte (z.B. geschriebene oder gesprochene Texte) Ihrer Schülerinnen und Schüler sowie Aufgabenstellungen und Arbeitsblätter mit.