Flexibilisierung im Studium
Ein flexibles Studium?
Die Lehramtsstudiengänge L1 bis L5 an der Universität Kassel sind als Vollzeitstudiengänge mit Regelstudienzeit angelegt und zugleich flexibel gestaltbar.Veranstaltungen können im Rahmen der jeweiligen Vorgaben individuell nach Interesse und Zeit geplant werden. Zusätzliche Optionen wie Teilzeitstudium oder die Anerkennung von Vorstudien unterstützen einen flexiblen Studienverlauf.
Alle Informationen zum flexiblen Lehramtsstudium findet ihr auch in diesem Dokument zusammengefasst.
An der Universität Kassel gibt es keine zentrale Anlaufstelle, die für das Thema Flexibilisierung im Kontext von Lehramtsstudien zuständig ist. Vielmehr gibt es verschiedene Ansprechpersonen, die jeweils Teile des Themenfeldes (z. B. Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen oder als Studienfachberatung) betreuen und mit detaillierten Informationen weiterhelfen können. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Möglichkeit zur Nutzung bestehender Flexibilisierungsoptionen nicht zuletzt davon abhängig ist, in welchem Lehramt studiert wird, welche Fächer belegt werden sowie aus welchen Gründen der Studienverlauf kurz- oder langfristig flexibilisiert werden soll. Je nachdem, welcher Gruppe (z. B. Student:in mit Kind) oder auch welchen Gruppen (z. B. Student:in mit Kind und erwerbstätig) man angehört, sind es andere Maßnahmen die in Frage kommen und andere Anlaufstellen, die bei entstehenden Fragen weiterhelfen können. Demgemäß gilt: Sich zunächst breiter über bestehende Flexibilisierungsoptionen informieren, um sich dann je nach Thema gezielt an identifizierte Stellen und Ansprechpartner:innen wenden zu können.
Ein informelles Teilzeitstudium ist ein Studium in einer individuellen Geschwindigkeit, bei dem durch einen selbstbestimmten Arbeitsaufwand in Semestern weniger Leistungen als vorgesehen erbracht werden, wodurch sich das Studium über eine angelegte Regelstudienzeit (RSZ) hinaus verlängert. Eine Erwerbstätigkeit, die Erziehung und Betreuung von Kindern, die Pflege von Angehörigen, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder auch nicht planbare Ereignisse können es zuweilen erforderlich machen, den studienbezogenen Zeiteinsatz kurz- oder auch längerfristig einzuschränken. Gerade ein informelles Teilzeitstudium ermöglicht Studierenden mit außeruniversitären Verpflichtungen oftmals eine bessere Vereinbarkeit des Studiums mit persönlichen Lebensbedingungen.
Bei einem Teilzeitstudium handelt es sich um einen Immatrikulationsstatus, bei dem formal die Hälfte der festgelegten Studienleistungen pro Semester erbracht werden. Aktuell machen nur sehr wenige Lehramtsstudent*innen von der Option Gebrauch, ihr Studium auf diese Weise zu flexibilisieren. Als NC-Studiengang ist das Lehramt an Grundschulen grundsätzlich nicht als formales Teilzeitstudium studierbar. Interessent*innen sollten sich vor einer Antragstellung mit den Bedingungen sowie Vor- und Nachteilen eines offiziellen Teilzeitstudiums eingängig beschäftigen. Ein Teilzeitstudium kann sich u. a. auf BAföG-Leistungen, Kindergeld, Krankenversicherung sowie einen Aufenthaltstitel auswirken, weshalb je nach individuellen Umständen die konkreten Effekte dieser Art der Immatrikulation abzuwägen und abzuklären sind. Darüber hinaus gilt es durch Austausch mit zuständigen Prüfungsämtern in Erfahrung zu bringen, ob einem Teilzeitstudium Erfordernisse jeweils geltender Studien- und Prüfungsordnungen entgegensteht.
Weitere Möglichkeiten der Flexibilisierung
Eine parallel zum Studium ausgeübte Erwerbstätigkeit ist oftmals zur Sicherung des Lebensunterhalts notwendig, schränkt jedoch unweigerlich die zeitlichen Kapazitäten ein, den Tagesverlauf allein auf ein Studium hin auszurichten. Wird über mehrere Semester hinweg ein geringerer Workload als vorgesehen studiert und werden entsprechend weniger Studien- und Prüfungsleistungen erbracht, führt dies zu einer Studiendauer über die Regelstudienzeit (RSZ) hinaus. Zur individuellen Anpassung von universitär angedachten Studienverlaufsplänen, gibt es u. a. zum Teilstudiengang Kernstudium verschiedene Möglichkeiten. Bei versäumter fristgerechter Anmeldung, Rücktritt von angemeldeten Prüfmodalitäten, Wahl eines vertiefenden Moduls ohne formale Voraussetzung sowie der Anmeldung von Zusatzleistungen können auf Antrag Änderungen erfolgen. Mit Beratung sowie entsprechenden Formularen helfen die jeweils zuständigen Prüfungsbüros der Fachbereiche weiter.
Die Erziehung und Betreuung von Kindern sowie die Pflege von Familienangehörigen sind als fortwährende Sorgeaufgaben oftmals nicht mit der Wahrnehmung eines regulären Vollzeitstudiums in Einklang zu bringen. Studierende die Care-Arbeit leisten sind vielmehr darauf angewiesen, Veranstaltungen zu ganz bestimmten Zeiten besuchen zu können. Für Eltern ist ein Betreuungsbedarf auch nicht immer im Vorfeld absehbar, sondern fällt zuweilen kurzfristig an. Dementsprechend gibt es verschiedene Angebote zur adäquaten Begleitung von einem Studium mit Kind, der Organisation einer grundlegenden Kinderbetreuung sowie mehrere flexibel nutzbare Möglichkeiten der Betreuung von Kindern. Darüber hinaus ist das Autonome Elternreferat des AStA eine etablierte Anlaufstelle in Bezug auf Themen, die die Vereinbarkeit von Studium und Familie betreffen. Auch gibt es die Option der Beurlaubung für Fachsemester, z. B. in Form eines Mutterschaftsurlaubs. Wenn Studierende die Pflege von Angehörigen übernehmen, gibt es ebenfalls verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Für Studierende mit einer eingeschränkten zeitlichen Flexibilität besteht im Kernstudium sowie in einigen Fachbereichen und Instituten die Möglichkeit der bevorzugten Einwahl in Lehrveranstaltungen (Aufklappmenü „Bevorzugtes Einwahlverfahren“), damit zu für das Studium reservierten Zeitfenstern Veranstaltungen besucht werden können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zur Prüfungsmodifikation durch Nachteilsausgleich.
Je nach Schwere und Form führen (gesundheitliche) Beeinträchtigungen zu einer kurz- oder auch langfristigen Anpassung von vorgesehenen Studienverläufen der studierten Studienprogramme. Liegt eine Beeinträchtigung (oder Behinderung) vor, wird von Seiten der Universität sichergestellt, dass daraus keine Nachteile etwa hinsichtlich eines gleichberechtigten Bestreitens von Prüfungen erwachsen. Bei Beeinträchtigungen gibt es insbesondere zwei Optionen das Lehramtsstudium effektiv zu flexibilisieren. Einerseits gibt es den Nachteilsausgleich, der über verschiedene Maßnahmen einen Ausgleich von bestehenden Herausforderungen adressiert. Andererseits gibt es die Möglichkeit ein bevorzugtes Einwahlverfahren (Aufklappmenü „Bevorzugtes Einwahlverfahren“) zu nutzen, das über die jeweils zuständigen Fachbereiche organisiert wird.
Es gibt ein breites Angebot an Fächern, die an der Universität Kassel auf Lehramt und je nach Lehramtstyp studiert sowie miteinander kombiniert werden können. Vorhandene Beispielstunden- und Studienverlaufspläne bieten eine gute, grundlegende Orientierung und werden in Tutorien sowie Einführungsveranstaltungen thematisiert. Wie der zeitliche Aufwand für einzelne Fächer und darin verortete Module ausfällt und wie geeignet die Kombination ganz bestimmter Fächer rein in zeitlicher Hinsicht ist, dazu geben die jeweiligen Ordnungen über zu studierende Credits Auskunft und liegen in der Studienberatung Lehramt Erfahrungswerte vor. Zudem verfügen Kommiliton:innen in Fachschaften über Wissen, wie flexibel der Studienverlauf im Kontext konkreter Fächer und Fächerkombinationen ausfällt und welche Praktiken der Flexibilisierung des Studienverlaufs (z. B. im Zusammenhang eines Auslandsaufenthalts) sich bewährt haben. Manche Fächerkombinationen (mit naturwissenschaftlichen Fächern) sind in zeitlicher Hinsicht betrachtet – was jedoch keinen Ausschlag für die Wahl eines Unterrichtsfachs gegen sollte – etwas weniger gut miteinander kombinierbar. Dies hängt mit der Nutzung bestimmter Räumlichkeiten (Labore) zusammen und damit, dass der Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften – bis zur Fertigstellung des Neubaus am Hauptcampus – im Stadtteil Kassel Oberzwehren (Standort AVZ) angesiedelt ist, was Wechsel zwischen Standorten bedingt, an denen Veranstaltungen angeboten werden.
Der Anspruch auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist für Studierende grundsätzlich an eine Regelstudienzeit geknüpft, was bedeutet, dass eine Förderung i. d. R. so lange wie eine vorgesehene Regelstudienzeit andauern kann. Dieser Umstand schränkt die Möglichkeiten zur längerfristigen und ein Studium zeitlich streckenden Flexibilisierung ein. So ist im Zusammenhang des Bezugs von BAföG-Leistungen und vor der Nutzung von universitär vorgesehenen Flexibilisierungsoptionen zu prüfen, inwiefern sich dadurch das Studium verlängert. Bei einem Bezug von BAföG-Leistungen besteht auch nicht die Möglichkeit sich für ein offizielles Teilzeitstudium einzuschreiben. Es gibt verschiedene Beratungsangebote in Kontext von BAföG, die vom Studierendenwerk Kassel angeboten werden. Zudem sind unter gewissen Voraussetzungen BAföG-Beauftragte der Fächer aufzusuchen.
Im Zusammenhang der Schulpraktischen Studien sind die Möglichkeiten zur Flexibilisierung ausgeprägt. Es gibt beispielsweise keine Vorgabe, wann das Grundpraktikum/Praktika zu leisten ist/sind, wenngleich die Empfehlung ist, das Grundpraktikum vor dem Praxissemester zu absolvieren. Im Zuge von Einzelfallentscheidungen sind die an Praxisphasen beteiligten Gruppen (Schule; pädagogische Mitarbeitende; Mentor:innen; Referat für Schulpraktische Studien, Referat SPS) bestrebt, studentische Flexibilisierungsanliegen zu berücksichtigen. Bei einem Schulpraktikum im Ausland gibt es hingegen verschiedene Umsetzungsbedingungen (z. B. Schulwahl), die nicht flexibel zu handhaben sind. Bei Fragen zur Planung und Umsetzung von Flexibilisierung im Kontext von auf Schulpraxis angelegten Teilen des Studiums, ist das Referat SPS die zentrale Anlaufstelle.
An der Universität Kassel lässt sich ein Auslandsaufenthalt (Studium oder Praktikum) gut mit dem Lehramtsstudium verbinden. Wesentlich ist eine rechtzeitige und keine kurzfristige Planung, da je nach Destination verschiedene Unterlagen vorzuweisen sind bzw. sein können (z. B. Sprachkenntnisse). Vor dem Hintergrund erbrachter und noch anstehender Prüfungsleistungen ist ein geeigneter Zeitraum für einen Auslandsaufenthalt zu wählen und im Vorfeld zu klären, wie sich die Anerkennung von Leistungen gestaltet. Zuständig dafür sind die jeweiligen Fachbereiche (Aufklappmenü, „Vor Beginn des Auslandsaufenthaltes“). In Kontext eines Auslandsstudiums sind Informationen und Vorgaben etablierter Programme zu beachten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein selbstorganisiertes Auslandssemester als Freemover zu organisieren. Bei allen Fragen rund um einen studienbezogenen und möglichst flexibel gestalteten Auslandsaufenthalt, ist das International Office die zentrale Anlaufstelle. Geht es hingegen um ein Schulpraktikum im Ausland, sind dafür die ebenfalls vorgesehenen Bedingungen (z. B. hinsichtlich Anerkennung und Schulwahl) zu beachten. Bei einem angedachten Praktikum im Ausland, unterstützen das International Office und das Referat SPS mit Informationen.
Flexibilisierungstipps
Wesentlich ist, sich frühzeitig über bestehende Optionen zur individuellen Flexibilisierung zu informieren und die Vereinbarkeit von Studium und anderweitigen Verpflichtungen (z. B. Erwerbstätigkeit) immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Am besten bereits dann, wenn zeitliche Einschränkungen für ein folgendes Semester absehbar sind. Denn sollen institutionell vorgesehene Maßnahmen genutzt werden und gilt es z. B. einen Antrag zu stellen, dann sind immer auch Fristen zu beachten und Verfahren zu durchlaufen, was einen dafür vorgesehenen Zeitumfang in Anspruch nimmt. Zudem sind im Nachhinein viele Angelegenheiten nicht mehr oder nur noch schwer zu regeln. Doch kümmert man sich im Vorfeld und frühzeitig um ein Flexibilisierungsanliegen, wenn noch mehrere Optionen offenstehen und ausreichend Zeit vorhanden ist, lässt sich oftmals gemeinsam eine passende Lösung finden.
Beim Thema Flexibilisierung des Studienverlaufs ist die Berücksichtigung von Erfahrungswerten bedeutsam. Was sich hinsichtlich einer praktischen Umsetzung bestehender Flexibilisierungsoptionen bewährt hat, steht zuweilen nirgends geschrieben, ist aber durch Austausch mit hochschulischen Akteur:innen (u. a. Kommiliton:innen; Tutor:innen; Berater:innen; Dozent:innen) in Erfahrung zu bringen. Gerade ein persönlicher Austausch und fachkundige Beratung ist nach der Kenntnisnahme von grundlegenden Informationen zu einem Thema zentral, da es immer einen Fundus an Erfahrungswissen gibt (z. B. bei der Studienfachberatung der Teilstudiengänge im Lehramtsstudium), wie Möglichkeiten und Maßnahmen der Flexibilisierung gelungen genutzt und umgesetzt werden können.
Als Online-Portal für studienbezogene Angelegenheiten bietet der eCampus auch die Möglichkeit, Stundenpläne unverbindlich zu erstellen, die an individuell verfügbare Zeitkontingente angepasst sind. Auf diese Weise kann der Studienalltag im Vorfeld in verschiedenen Varianten simuliert und – beispielsweise im Abgleich mit Zeiten für Erwerbstätigkeit – auf seine zeitbezogene Alltagstauglichkeit hin überprüft werden. Die Nutzung des eCampus hat den Vorteil, dass die Einrichtung der Plänen relativ einfach zu handhaben ist und über das Portal auch alle anderen studienrelevanten Prozesse verwaltet und organisiert werden.