Transformation of teaching and studying at German universities - Experiences and perceptions of professors

Researchers

  • Dr. Choni Flöther
  • Elyas Samadi
  • Prof. Dr. Ulrich Teichler
  • Harald Schomburg
  • Vera Wolf

Period

  • 2011 - 2013

Funded by the Federal Ministry for Education and Research
Funded by the Federal Ministry for Education and Research

In the first decade of the 21st Century in Germany, there have been far-reaching attempts to change teaching and studying at higher education institutions.  The experiences, perceptions and evaluations of this situation by the academic profession at higher education institutions are very different. The study entitled "Changes in teaching and studying at German universities" is based on the conviction that it is valuable and necessary at this stage to conduct an interim report.


The following questions are in the focus of the questionnaire study:

  • How do professors assess the changes in teaching and learning over the last years?
  • What experiences have been made in the introduction of Bachelor and Master programs?
  • What future emphasis should be placed in the design of teaching and learning in the opinion of professors?
  • How can we characterize the working conditions of professora in higher education institutions and what are their career perspectives (prospects)?

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Ergebnisse der Befragung der Lehrenden in Deutschland zum Wandel von Lehre und Studium veröffentlicht

April 2013.

Die Hochschulrektorenkonferenz veröffentlichte auf ihren Web-Seiten die Studie „Wandel von Lehre und Studium an deutschen Hochschulen - Erfahrungen und Sichtweisen der Lehrenden" (LESSI), die das Internationale Zentrum für Hochschulforschung der Universität Kassel (INCHER-Kassel) im Auftrag HRK durchgeführt hat. Die Autor(inn)en sind Harald Schomburg, Choni Flöther und Vera Wolf.

Mit der vorgelegten Untersuchung wurde in Deutschland erstmals umfassend erhoben, inwieweit die Lehrenden zentrale Ziele und Maßnahmen unterstützen, die bei den Veränderungen in Lehre und Studium des letzten Jahrzehnts („Bologna-Prozess“) eine Rolle gespielt haben. Zusätzlich wurden Gesamteinschätzungen erhoben: die Zufriedenheit der Lehrenden mit den Veränderungen in Lehre und Studium, der Studienstrukturreform und den Arbeitsbedingungen. Dabei wurde systematisch zwischen den Zielen und Maßnahmen einerseits und den intendierten und nicht-intendierten Folgen der Veränderungen von Lehre und Studium andererseits unterschieden. Bei insgesamt 43 unterschiedlichen Reformzielen konnten die Befragten differenziert angeben (Antwortskala mit 5 Ausprägungen), wie sinnvoll sie diese finden und in welchem Maße diese Ziele in ihrem Fach bereits umgesetzt wurden. Zusätzlich wurden Gesamteinschätzungen erhoben: die Zufriedenheit der Lehrenden mit den Veränderungen in Lehre und Studium, der Studienstrukturreform und den Arbeitsbedingungen. Hier gingen nicht nur die Erfahrungen mit dem Bologna-Prozess ein. Daher wurden weitere Aspekte der Arbeitssituation und der beruflichen Entwicklung thematisiert, um eine Interpretationsfolie der Einstellungen zu erhalten.

Der Fragebogen enthielt 70 Fragen mit 450 Einzelinformationen (Variablen). Die Lehrenden wurden durch ihre Hochschulen eingeladen, einen standardisierten Onlinefragebogen auszufüllen, dessen Beantwortung durchschnittlich 40 Minuten erforderte. Die Befragung wurde im Wintersemester 2011/2012 durchgeführt. Die vorliegende Analyse basiert auf Antworten von ca. 8.200 Lehrende (2.800 Professorinnen und Professoren sowie 5.400 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - dazu werden auch Dozentinnen und Dozenten, akademische Räte und Lehrkräfte für besondere Aufgaben gerechnet) an mehr als 80 Hochschulen.

Ein kurzer Blick auf die Ergebnisse

Die Lehre in Bachelor- und Master-Studiengängen gehört mittlerweile für die Lehrenden an den Hochschulen zur Normalität. Wenig Lehrende geben an, dass sie nicht in Bachelor- oder Master-Studiengängen lehren, und nur noch die Hälfte ist in „traditionelle“ Studiengänge (Diplom, Magister, Staatsexamen) involviert. Mit Ausnahme der Befragten aus den Rechtswissenschaften und der Medizin haben demnach so gut wie alle Befragten konkrete Erfahrungen in den neuen Studiengängen des zweistufigen Systems.

Viele Reformziele werden geteilt 

Viele Reformziele werden von den Lehrenden unterstützt. Übergeordnete Ziele, die eine Verbesserung der Qualität der Lehre beinhalten, finden die größte Zustimmung, insbesondere eine „Höhere fachlich-wissenschaftliche Qualifizierung der Studierenden“, aber auch die „Verbesserung der didaktischen Qualität von Lehren und Lernen“. Auch bei den meisten operativen Zielen und Maßnahmen zeigt sich insgesamt eine Zustimmung der Lehrenden, insbesondere bei den Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der internationalen Mobilität zielen.

Die Erhöhung der Durchlässigkeit im Bildungswesen wird zwar von der Mehrheit der Befragten befürwortet, große Unterschiede zeigen sich allerdings zwischen den Professorinnen und Professoren der beiden Hochschultypen. Die Erhöhung der Durchlässigkeit und die damit verbundenen Maßnahmen werden von den Professorinnen und Professoren an Universitäten relativ selten als sinnvoll angesehen. Auffällig ist, dass an Universitäten der Mittelbau die Erhöhung der Durchlässigkeit im Bildungswesen deutlich stärker unterstützt als die Professorinnen und Professoren. Es gibt aber eine Ausnahme: bei der Frage der Ablehnung der weiteren Hochschulexpansion sind sich die Befragten recht einig, hier sind nur geringe Unterschiede nach Statusgruppe und Hochschultyp festzustellen.

Ein Kernelement des Bologna-Prozesses, die "Erleichterung des Zugangs zum Beruf nach einer ersten Studienstufe (Bachelor)" wird an Universitäten mehrheitlich skeptisch betrachtet. Lehrende an Universitäten sind überwiegend der Auffassung, dass das Bachelorstudium in ihrem Fachgebiet nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zum Master sei. Diese Einstellung findet sich dagegen an Fachhochschulen relativ selten. Entsprechend sind an Universitäten nur relativ wenige Befragte der Ansicht, dass ein Bachelorstudium in ihrem Fach geeignet sei, berufsbefähigend auszubilden.

Es werden auch nicht-intendierte Folgen der Reform genannt, vor allem eine Erhöhung des Arbeitsaufwands durch Bürokratisierung und eine Erhöhung des Beratungs- und Betreuungsaufwands. Auch sind die meisten Lehrenden der Ansicht, dass die Qualität des Studiums unter anderem durch die Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre und den Rückgang der intrinsischen Motivation der Studierenden abgenommen habe. Diese negativen Folgen werden besonders häufig von den Professorinnen und Professoren an den Universitäten geäußert. Die Überzeugung, dass das Bachelorstudium zu einer unangemessenen Verschulung von Lehre und Studium führt, ist sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen weit verbreitet. Auch wird nur selten betont, dass sich die Hoffnung auf einen Rückgang von Studienabbrüchen, eine Verbesserung der Studierbarkeit und eine Erhöhung der Mobilität erfüllt habe.

Unzufriedenheit mit der Einführung der Bachelor/Master-Struktur

Die bekannten Vorbehalte gegen die Einführung der Bachelor/Master-Struktur kommen auch in der vorliegenden Studie zum Ausdruck. Die Antworten auf die Frage "Wie zufrieden sind Sie bisher insgesamt mit der Einführung der Bachelor/Master-Struktur?" zeigen, dass über 60 Prozent der Professorinnen und Professoren und auch des wissenschaftlichen Mittelbaus an Universitäten mit der Studienstrukturreform unzufrieden sind (als "unzufrieden" werden hier die Werte 4 und 5 einer fünfstufigen Antwortskala von 1 = 'sehr zufrieden' bis 5 = 'sehr unzufrieden' gewertet). Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen sind demgegenüber weniger unzufrieden (42 Prozent).

Konstant hohe berufliche Zufriedenheit

Unbeschadet der Unzufriedenheit mit einzelnen Aspekten der Studienreform zeigt sich, dass die Lehrenden überwiegend mit ihrer beruflichen Situation zufrieden sind: Mehr als zwei Drittel der Professorinnen und Professoren von Universitäten und Fachhochschulen bezeichnen sich als "zufrieden" oder "sehr zufrieden". Die berufliche Zufriedenheit ist beim wissenschaftlichen Mittelbau etwas geringer. Im Vergleich mit den Ergebnissen früherer Hochschullehrerbefragungen, die INCHER-Kassel in den Jahren 1992 und 2007 durchgeführt hat, zeigt sich, dass sich die berufliche Zufriedenheit heute gegenüber der vor zwei Jahrzehnten wenig geändert hat.