SAVE

Räumliche Analyse der Vulnerabilität von Haushalten vor dem Hintergrund umweltbezogener Gerechtigkeit.

Zielsetzung

Ausgehend von den Phänomenen der sozialen Segregation und räumlich differenzierter Umweltgüte, werden im Projekt SAVE Ursachen für eine sozio-demographisch ungleiche Verteilung von Umweltgüte auf der Ebene von Haushalten untersucht. Es geht also beispielsweise darum zu untersuchen, ob und warum Haushalte mit einem unterdurchschnittlichen Haushaltseinkommen oder Migrationshintergrund in Stadtteilen mit einem erhöhten Umweltrisiko (bspw. höherer Luft- und Lärmbelastung) leben und wie sie damit umgehen.
Zusammenhänge zwischen Segregation und räumlich differenzierter Umweltgüte werden bislang vor allem in den USA erforscht und unter dem Begriff Environmental Justice (zu deutsch: umweltbezogene Gerechtigkeit) subsumiert. In den USA wurde mehrfach nachgewiesen, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen (wie Afro-Amerikaner oder Latinos) in Quartieren mit einer Umweltgüte leben, die im Vergleich zur Stadtregion schlechter ist. Ziel des Projektes SAVE ist es, aufbauend auf diesen Erkenntnissen, Aussagen zunächst für Deutschland zu treffen, die über eine Erfassung von Ungleichheiten hinaus gehen.
Vielmehr werden Ursachen für eine sozio-demographisch ungleiche Verteilung von Umweltgüte auf der Ebene von Haushalten analysiert. Bislang ist das Verhalten von Haushalten in diesem Zusammenhang kaum erforscht worden. Obwohl das in der Katastrophenforschung etablierte sozialwissenschaftliche Konzept der Vulnerabilität, das beschreibt inwieweit Haushalte gegenüber bestimmten Umwelteinflüssen verletzlicher sind als andere, hierzu Erklärungsansätze liefert. Im SAVE-Projekt wird an das Konzept der Vulnerabilität angeknüpft. Die unterschiedliche Verletzlichkeit von Haushalten gegenüber Umweltrisiken kann in Anlehnung an verhaltenswissenschaftliche Forschung unter anderem mit unterschiedlichen Copingkapazitäten und –strategien erklärt werden (Coping=Bewältigung). Ziel ist es unterschiedliche Haushaltstypen zu identifizieren, die die Vulnerabilität dieser Haushalte gegenüber ihrer lokalen Umweltgüte repräsentieren. Diese Haushaltstypen können die Grundlage für eine adressatenspezifische Planung und Politik sein, die sich an der Vulnerabilität von Bevölkerung orientiert.

Ergebnis

Erste Zwischenergebnisse:

Im Sommer 2006 wurde eine Haushaltsbefragung in Kassel durchgeführt. Es wurden 116 Haushalte dahingehend befragt, wie sie die Umwelgüte ihres Wohnumfeldes wahrnehmen und wie sie mit dieser umgehen. Dieses Projekt fand in Kooperation mit dem Fachgebiet für Umweltmeteorologie statt, dass die Luft- und Lärmsituation in den Befragungsgebieten ermittelt hat. Der Forschungsansatz sowie erste Ergebnisse sind im CESR-Paper 1 veröffentlicht.

Eines der Ergebnisse dieses Projektes ist die Entwicklung eines Coping-Inventars. In diesem Coping-Inventar werden verschiedene Handlungen, die Haushalte wählen, um mit der Umweltsituation in ihrem Wohnumfeld umzugehen, systematisiert. Abbildung 1 zeigt, dass Coping-Handlungen in diesem Modell in Alltagshandeln, bauliches Handeln und institutionelles Handlen unterschieden werden.

Weiterführung

Dieses Coping-Inventar bildet die Grundlage für eine erneute Befragung, die derzeit in der Entwicklung ist. In einer deutschlandweiten Telefonbefragung soll herausgefunden werden, welche sozio-demographischen Faktoren die Wahl der Coping-Handlung bestimmen. Die Befragung geht von der These aus, dass neben dem Haushaltseinkommen unter anderem Eigentumsverhältnisse und Migrationshintergrund einen Einfluss auf die Wahl von Coping-Handlungen haben. Diese sozio-demographischen Faktoren bestimmen die Vulnerabilität eines Haushaltes. Je nach Vulnerabilität können mehr oder weniger viele und/oder mehr oder weniger effektive Coping-Möglichkeiten gewählt werden.