RückRat

Rückbau und Neubau eines Rathauses

Forschungsthema:

Mit dem Forschungsprojekt wird in der Stadt Korbach der Rückbau eines bestehenden Rathausanbaus aus den 70er Jahren und die Errichtung eines Ersatzneubaus an gleicher Stelle wissenschaftlich begleitet, analysiert und bewertet. Der selektive Rückbau des Anbaus, die Bereitstellung der Recyclingbaustoffe für den Neubau im Sinne eines Urban Mining und die Entsorgung der Abfälle werden in allen Schritten dokumentiert, qualitativ und quantitativ beschrieben und ausgewertet. Im Ergebnis wird ermittelt, welche Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für einen ressourcenschonenden und umweltverträglichen Rück- und Neubau zu berücksichtigen sind. Das Bauamt der Stadt Korbach unterstützt die Forschungsarbeiten.

Forschungsmethoden:

Die Forschungsarbeiten bauen auf bereits durchgeführten Untersuchungen an dem bestehenden Rathausanbau hinsichtlich des Materialbestands und seiner Recyclingfähigkeit auf. Es werden zunächst die notwendigen Indikatoren zu Bewertung der Umweltverträglichkeit und Ressourceneffizienz im Baubereich festgelegt und die zu ihrer Berechnung notwendigen Daten bestimmt. Auf Grundlage der vorliegenden Planungen werden Modelle der Stoff-, Energie- und Wasserflüsse für die Bereitstellung der Recyclingbaustoffe entwickelt und validiert. In einer ex-ante Untersuchung werden zunächst die Planzahlen für den modellhaften Rathausrückbau berechnet. Durch einen Soll-Ist-Vergleich der verwerteten bzw. entsorgten Mengen mit den kalkulierten Mengen wird die Prognose- bzw. Berechnungssystematik validiert. Über die Berechnung der Indikatoren ermöglichen die Modelle eine Bewertung der Umweltverträglichkeit und Ressourceneffizienz der geplanten und durchgeführten baulichen Maßnahmen. Die Modellierung erfolgt mit Hilfe einer Softwarelösung für die Erstellung von Ökobilanzen (openLCA) sowie entsprechender LCA-Datenbanken.

Arbeitspaket 1 (AP1):

In AP1 wird zunächst ein Konzeptentwurf für das Indikatoren-Set entwickelt, wobei die Grundlage der Indikatoren ökobilanzielle Betrachtungen darstellen, die eine lebenszyklusweite Modellierung der Stoff-, Energie- und Wasserflüsse erfordern. Dabei soll auch eine Analyse unterschiedlicher Szenarien hinsichtlich des Rückbaus und der Verwertung möglich sein. Besondere Beachtung findet die Prüfung der für die Wiederverwendung vorgesehenen Materialien und Bauteile hinsichtlich Schadstoffbelastung und -freiheit. Das Ergebnis ist ein definiertes Indikatoren-Set, das in den bestehenden Rechtsrahmen eingebunden ist.

Arbeitspaket 2 (AP2):

In AP2 werden die Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für einen ressourcenschonenden und umweltverträglichen Rückbau bestimmt. Alle durchgeführten Maßnahmen für den Rückbau, die Aufbereitung der Materialien und ihre Wiederaufbereitung werden hinsichtlich ihrer Lösungsansätze zur Steigerung der Ressourceneffizienz aber auch der Kosten und Erlöse umfassend dokumentiert und bewertet. Die Ist-Zahlen werden mit den Zahlen der Modellrechnung und des Referenzszenarios verglichen, so dass im Ergebnis auch ein ökonomisch bewerteter Vergleich der kalkulierten und tatsächlich verwerteten Materialmengen vorliegt.

Arbeitspaket 3 (AP3):

In AP3 werden alle Ergebnisse des Projekts in einem Leitfaden „Bewertung der Nachhaltigkeit eines Bauvorhabens durch den Einsatz von Urban Mining“ zusammengefasst. Mit den publizierten Ergebnissen soll es bereits in der Planungsphase möglich sein, Ressourceneffizienz, Umweltwirkungen und die Wirtschaftlichkeit für das Urban Mining bei Bauvorhaben zu bestimmen.