ZumWert

Umweltfreundliche Aktivitäten von Individuen und Gruppen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung gesellschaftlicher Umweltschutzziele. Vor diesem Hintergrund sind Werte und Normen und deren Einfluss auf das umweltrelevante Verhalten in den Fokus umweltpsychologischer, -soziologischer und -ökonomischer Forschung gerückt. Die Fragen danach wie sich Normen bilden und über die Zeit hinweg verändern, bleiben bislang jedoch ungeklärt.

In dem interdisziplinären Forschungsprojekt ZumWert wird untersucht, wie sich Normentwicklungs- und Internalisierungsprozesse im Zeitverlauf verändern und durch politische Maßnahmen sowie Handlungs- und Kommunikationsstrategien beeinflussen lassen, um ein für die Gemeinschaft förderliches Gesamtergebnis zu erreichen. Mittels ökonometrischer sowie labor- und feldexperimenteller Methoden werden kausale Einflussgrößen auf die Norminternalisierungsprozesse identifiziert.

In dem am CESR durchgeführten Teilprojekt wird als integrierende Methode die agentenbasierte Modellierung eingesetzt, welche die zeitliche Dynamik der Norminternalisierungsprozesse und die Interaktion der empirisch belegten Effekte untersucht. Aufbauend auf einer vorliegenden Implementation eines psychologisch fundierten Modells (vgl. Ernst, 1994; 2003) zum Handeln in Ressourcendilemmata in der freien Programmiersprache NetLogo wird eine Erweiterung hinsichtlich des Einflusses sozialer Normen sowie ihrer Internalisierung und Entwicklung in Abhängigkeit von Handlungen und Kommunikation vorgenommen. Norminternalisierungen werden in diesem Ansatz durch den modellierten Prozess des sozialen Wissens und Lernens, d.h. den Wissenserwerb in Bezug auf die Mitnutzer der Ressource, deren Verhalten und den Absichten hinter dem Verhalten, einbezogen. Die Weiterentwicklung des Modells erfolgt mit der Abbildung solcher Norminternalisierungs- und Entwicklungsprozesse als Lernen und des Einbezugs größerer, realistischer Kommunikationsnetzwerke, welche Nudging, Framing und Priming stilisiert rekonstruieren können. Für die weitere empirische Fundierung der Handlungs- und Kommunikationsstrategien wird eine durch Versuchspersonen spielbare Version des Modells realisiert. Dabei werden Daten erhoben, die in der Lage sind, Auskunft über die Ursachen der Dynamik des Verhaltens zu geben.

Das gemeinsame Ziel des interdisziplinären Verbunds ist die Entwicklung einer von den empirischen Ergebnissen gestützten dynamischen und kausalen Theorie der Norminternalisierung im Umweltbereich, bei der psychologische, spieltheoretische, verhaltensökonomische und rechtliche Aspekte integriert werden.