Gender & Genre

Gender und Genre: Populäre Serialität zwischen kritischer Rezeption und geschlechtertheoretischer Reflexion

Der Serienboom der letzten Dekade hat nicht nur dem traditionellen Fernsehen zu einem neuen Aufschwung verholfen, sondern auch die Verbreitung von Streaming-Diensten forciert. Heute werden Serienkosmen transmedial in Comics, Romanen und Computerspielen erweitert. Feuilleton und soziale Medien besprechen gleichermaßen einzelne Episoden oder ganze Staffeln und auch die Wissenschaft hat Serien als Forschungsgegenstand für sich entdeckt. Im heimischen Bücherregal nehmen DVD- und Blu-ray-Kompilationen zahlreicher Formate längst den Platz ein, der zuvor Thomas Mann und der Reclam Universalbibliothek vorbehalten war.

Gerade angesichts dieses anhaltenden Booms und seiner medialen Begleiterscheinungen, der unüberschaubaren Anzahl neuer Serienformate sowie der Fortführung alter Formate in immer neuen Staffeln, stellt sich die Frage danach, inwiefern Serien an der Vorstellung des „großen Erzählens” partizipieren, die vormals der Literatur vorbehalten war, und wie sie unsere Gesellschaft gestalten und reflektieren. Denn nicht zuletzt durch ihre umfassende mediale Präsenz haben Serien das Potential, als vermittelte Erfahrungswelten das Einstellungs- und Wertegefüge ihrer Rezipient_innen entscheidend mitzuprägen. Dabei sind sie als popkulturelle Phänomene aber auch dem Vorwurf ausgesetzt, konservative Genderkonzepte zu reproduzieren. Ist Populärkultur also Trivialkultur und damit Ausdruck einer antimodernen Haltung, die das Ziel einer geschlechtergerechten Gesellschaft implizit oder explizit in Frage stellt?

Die Ringvorlesung „Gender und Genre” wendet sich gezielt dem subversiven Potential popkultureller Ausdrucksformen zu. An aktuellen Beispielen unterschiedlicher Seriengenres sollen Geschlechterkonstruktionen offengelegt und mit Blick auf gesellschaftspolitische Dimensionen hinterfragt werden. Im Zentrum der Ringvorlesung stehen diesmal bewusst Fragen des Vergleichs. Es geht darum, nicht einzelne Episoden oder Serien isoliert zu betrachten, sondern Entwicklung und Stagnation aufzuzeigen. Wie flexibel sind Seriengenres und ihre Genderkonzepte? Was ändert sich über die Staffelgrenzen hinweg, bei Adaptionen kleiner Produktionen für den Weltmarkt oder im Medientransfer?

Abseits von Credit Points und Prüfungsleistungen möchte die Vortragsreihe „Gender und Genre” mit ihrem thematischen Schwerpunkt Studierende und Lehrende zu einer gemeinsamen Reflexion über gesellschaftsrelevante Fragen am Beispiel aktueller populärkultureller Phänomene anregen. Die einzelnen Sitzungen sind deshalb so konzipiert, dass Vortrag, Rezeption und Diskussion je ca. 30 Minuten und damit den ungefähr gleichen Stellenwert einnehmen. Zunächst soll ein einleitender Vortrag das serielle Genre skizzieren und mit einer gendertheoretisch relevanten These aufwarten. Im Anschluss folgen Episoden oder längere Ausschnitte aus dem besprochenen Medienprodukt, auf deren Basis schließlich die eingangs formulierte These diskutiert werden kann.

Veranstaltungsort:
Universität Kassel, Campus Center, Moritzstr.18, 34125 Kassel, Hörsaal 5

  • 15.11.2017: Neue alte Figuren? – Die amerikanische Großelterngeneration in Better Call Saul und Sneaky Pete aus intersektionaler Perspektive
  • 21.11.2017: Do Androids Dream of Nuclear Families? Adaption als Reduktion im Fall der SF-Serien Real Humans und Humans.
  • 29.11.2017: Wer und wie beginnt Verführung? Gender-Stereotype und unzuverlässiges Erzählen in The Affair
  • 06.12.2017: Die Serienheldin als affektiver Link zur Vergangenheit: The Man In The High Castle zwischen Intersektionalität und Postmemory
  • 13.12.2017: Zwischen Familie, Freud & Feminismus – Die Simpsons und Family Guy im Gender-Vergleich
  • 20.12.2017: »When you see me again, it won’t be me« - Geschlechtsidentitäten zwischen Stereotypisierung und Hybridisierung in Twin Peaks
  • 10.01.2018: Antiheldische Männlichkeit und Genreflexibilität als Erfolgsmarker seriellen (Film-)Erzählens: Die The Evil Dead-Trilogie und ihr Seriensequel Ash vs Evil Dead
  • 17.01.2018: Kein Happy End ohne Hochzeit? Geschlecht und Gesellschaft in Gilmore Girls (2000–2016)
  • 24.01.2018: Superheroes, Private Dicks and the female Gaze – Netflix’ Jessica Jones und der weibliche Blick auf männliche Genres
  • 31.01.2018: All the mirrors of the world: Intersektionale Reflektionen der Vergangenheit in Jonathan Strange and Mr Norrell

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