Projekt "Evaluation des Modellversuchs Praxissemester"

Würdigungsbeitrag: Instrument zur Selbst- und Fremdeinschätzung von Lehramtsstudierenden im Praxissemester

Liebe Studierende, liebe Praktikumsbetreuende an Universität und Schule

wir freuen uns über Ihr Interesse am Instrument zur Erstellung des Würdigungsbeitrags. Das Instrument möchte die Perspektiven von Studierenden und Betreuenden zusammenführen um die individuelle Entwicklung der Studierenden optimal zu fördern.

Auf dieser Seite möchten wir nähere Informationen zum Hintergrund und zur Durchführung geben, sowie Info-Material am Ende der Seite bereitstellen. Sollten dennoch Fragen offen bleiben, können Sie sich gern per E-Mail bei uns melden: praxisevaluation@uni-kassel.de

Hintergrund

Im Wintersemester 2015/2016 hat die erste Kohorte der L1- und L2-Studierenden an der Universität Kassel das Praxissemester begonnen, welches als Modellversuch in Hessen erprobt wird. In der begleitenden Gesetzgebung ist vorgesehen, dass die Praktikumsschule zum Ende des Praxissemesters dem universitären Praktikumsbetreuer einen Würdigungsbeitrag zur Verfügung stellt (§ 19 Abs. 1 Satz 2 HlbGDV). Dieser hat den Zweck, die schulische Erfahrung mit der universitären zu verbinden und dem ebenfalls verpflichtenden Auswertungs- und Reflexionsgespräch zwischen Lehramtsstudierenden und universitären Praktikumsbetreuern eine umfassende Informationsgrundlage zu bieten.

Für die Verfassung des Würdigungsbeitrags hat die Universität Kassel einen Vorschlag in Form eines Fragebogens erarbeitet, der eine standardisierte und damit relativ zügige Erstellung des Würdigungsberichts ermöglicht. Neben dieser standardisierten Einschätzung ist alternativ oder ergänzend auch eine freie Einschätzung seitens der Schule möglich.

Vorgehen

Der Fragebogen bestehend aus zwei Inhaltsbereichen wird online erfasst. Dazu werden die Studierenden aufgefordert sich auf der entsprechenden Seite einzuloggen und eine Selbsteinschätzung vorzunehmen. Anschließend laden die Studierenden (per Mail oder ausgedruckter Einladungsmitteilung) ihre schulischen und universitären Betreuenden ein, eine Fremdeinschätzung in denselben Facetten vorzunehmen.

Alle Teilnehmenden bekommen im Anschluss an jeden Fragebogenteil eine graphische Auswertung. Zur Interpretationshilfe der Merkmale wird eine umfassende Beschreibung der Facetten ausgegeben. Nur die Studierenden bekommen eine graphische Auswertung, in der die verschiedenen Perspektiven (Selbst- und Fremdeinschätzung) „übereinandergelegt“ dargestellt sind.

Diese Auswertung sollte als Grundlage für das Reflexionsgespräch dienen. Es ist möglich, die Studierenden zu bitten ihnen vor dem Reflexionsgespräch die Auswertung mit den verschiedenen Perspektiven zu übermitteln. Idealerweise sollten auch die Mentor/-innen ihre Fremdeinschätzung mit den Studierenden besprechen, dies kann z. B. in dem Abschlussgespräch am Ende des Praktikums erfolgen.

Fragebogen

Der Fragebogen umfasst insgesamt 19 Facetten, die für den Lehrerberuf relevant sind und besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil beinhaltet den Fragebogen „Fit für den Lehrerberuf (Praktikum)“ der Autoren Schaarschmidt und Fischer (Schaarschmidt, 2012; Schaarschmidt & Kieschke, 2007). Er erfragt zehn Facetten zu sozialen und personalen Kompetenzen, welche als Eignungsmerkmale für den Lehrerberuf erfasst werden. Der zweite Teil erfasst neun Facetten im Bereich Wissen und Können.

FIT-L Praktikum

KKE – Kasseler Kompetenzeinschätzung

Selbstvertrauen und offensives Herangehen

Planung und Vorbereitung von Unterricht

Psychische Belastbarkeit

Beobachtungsfähigkeit

Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit

Fachliche Kompetenz und Sicherheit

Fähigkeit zur Selbstbehauptung und Durchsetzung

Klassen- und Unterrichtsführung

Sensibilität und Empathie

Umgang mit Heterogenität

Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflexion

Kognitiv aktivierende Unterrichtsgestaltung

Freude am Zusammensein mit Kindern und Jugendlichen

Engagement in außerunterrichtliche Tätigkeiten

Motivierungsfähigkeit

Rolle als zukünftige Lehrkraft

Belastbarkeit der Stimme

Haltung gegenüber den Schüler/innen

Fähigkeit zum rationellen Arbeiten

 

Am Ende des zweiten Fragebogenteils (KKE) besteht die Möglichkeit für die Mentor/-innen und Dozent/-innen, eine freie schriftliche Einschätzung vorzunehmen und somit auf Besonderheiten und fachspezifische Merkmale, die im Fragebogen nur unzureichend oder nicht erfasst wurden, einzugehen. Diese freie Einschätzung ist optional.

Literatur:

Schaarschmidt, U. (2012). Eignung für den Lehrerberuf frühzeitig erkennen und kontinuierlich fördern. In B. Weyand, M. Justus, & M. Schratz (Eds.), Auf unsere Lehrerinnen und Lehrer kommt es an. Geeignete Lehrer/-innen gewinnen, (aus-)bilden und fördern (pp. 58–78). Essen: Edition Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Schaarschmidt, U., & Kieschke, U. (Eds.). (2007). Pädagogik. Gerüstet für den Schulalltag: Psychologische Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. Weinheim: Beltz.

Verwendung

Für die Autoren der Instrumente steht fest: Kein/-e Praktikant/-in kann in allen Facetten gut sein. Als Studierende/r im 3. oder 4. Semester besteht noch Entwicklungsbedarf. Wichtig ist auch zu beachten, dass manche Facetten in unterschiedlichen Studiengängen relevanter sind als andere.

Grundsätzlich ist die Verwendung dieses Instruments zur Erstellung des Würdigungsbeitrags freiwillig. Um einheitliche Bewertungsstandards zu verwenden, wird die Anwendung aber empfohlen. Der Vorteil besteht in einer unkomplizierten Anfertigung mit einer zugleich umfassenden, automatisierten Auswertung, die die unterschiedlichen Perspektiven gleichzeitig verarbeitet. Zudem bietet dieses Verfahren eine wertvolle Grundlage und Unterstützung für die Durchführung des Auswertungs- und Reflexionsgesprächs.

Auswertungs- und Reflexionsgespräch

Ziel des angebotenen Instruments ist es, im Auswertungs- und Reflexionsgespräch unterstützend zu wirken. In diesem Zusammenhang ist es jeder/-m Praktikumsbegleiter/-in und jeder/-m Studierenden freigestellt, welche Teile des Würdigungsberichts besprochen werden. Es besteht keine Notwendigkeit, alles anzusprechen. Zudem können selbstverständlich weitere Themen besprochen werden, die über den Fragebogen hinausgehen.

Einen Vorschlag zum Gesprächsablauf finden Sie auf dem Infozettel „Leitfaden für das Feedbackgespräch" (erhältlich beim Referat SPS).

Besonders wichtig ist es im Gespräch mit der/m Studierenden deutlich zu machen, dass die Einschätzung der Studierenden mit diesem Instrument (sowohl die Selbst- als auch die Fremdeinschätzung) keine Bewertung darstellt. Es geht vielmehr darum, eine realistische Einschätzung zu erhalten, um Entwicklungschancen und ‑aufgaben zu identifizieren, Ansatzpunkte für die Entwicklung der Professionalisierung aufzuzeigen und neue Entwicklungsziele für den weiteren Studienverlauf zu generieren.

Die Angaben aus dem Fragebogen und deren inhaltliche Aussagen gehen nicht in die Bewertung der Lehramtsstudierenden ein. Die Benotungsgrundlage für das Praktikum ist allein der Praktikumsbericht, den die Studierenden anfertigen. Bewertbar ist ggf., inwiefern die Studierenden die Ergebnisse ihrer Selbst- und Fremdeinschätzungen im Praktikumsbericht konstruktiv reflektieren.