Studien- und Mentor*innentag am 12. April 2018

Was macht Lehrer*innen zum Profi - Professionalisierung durch Praxisphasen?

In der Ausbildung von angehenden Lehrer*innen scheint sich derzeit ein beachtenswertes Spannungsfeld aufzutun. Einerseits fördern Bund und Länder ausgewählte Hochschulen mit Millionenbeträgen und unterstützen damit die Verbesserung der Qualität der Lehramtsausbildung. Auf der anderen Seite wird der bundesweite Lehrer*innenmangel mit diversen Seiten- und Quereinstiegsprogrammen beantwortet, bei welchen der Einstieg in das Lehramt ohne ebenjene fachliche, fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Qualifikation durch die Hochschulen auskommt. Sie als Mentor*innen begleiten regelmäßig die Studierenden in ihren individuellen Belangen und kennen die Bedeutsamkeit der Erfahrungen eines universitär gerahmten Schulpraktikums für die Ausbildung der Lehramtsanwärter*innen. Daher möchten wir gemeinsam mit Ihnen an unserem diesjährigen Studien- und Mentor*innentag den Fragen nachgehen, was überhaupt Lehrer*innenprofessionalisierung ausmacht? Wo findet sie statt, wer betreibt sie und was genau macht Lehrer*innen zum Profi?
Im Eröffnungsvortrag diskutiert die Expertin für Forschung zur Professionalisierung durch Praxisphasen, Profin Ulrike Weyland diese Fragen.
Bei der Einwahl in die anschließenden vierstündigen Workshops haben Sie die Möglichkeit, das Thema Professionalisierung sowohl grundlegend, als auch hinsichtlich spezifischer Aspekte weiter zu bearbeiten. Die kreative Rahmung des Tagesprogramms übernimmt der Wortsurfer Axel Garbelmann. Mit dem Studien- und Mentor*innentag möchten wir uns auch in diesem Jahr bei Ihnen als unentbehrliche Mitwirkende an den Schulpraktischen Studien und dem Praxissemester bedanken.

Prof. Dr. Hans Peter Kuhn
Dr. Axel Knüppel
Anika Wolf und Carina Gabriel-Kinz
Referat für Schulpraktische Studien

Workshop 1

Professionalisierung durch Fallarbeit?
Referentin: Prof. Dr. Friederike Heinzel
Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Grundschulpädagogik, Uni Kassel

Workshopbeschreibung
Die Arbeit an Fällen kann einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung in allen Phasen der Lehrerbildung und in Kollegien von Schulen leisten. Der Workshop bietet Gelegenheit Formen der Fallarbeit kennen zu lernen und Fallarbeit zu erproben.

Workshop 2

Professionalisierung durch Coaching?
Referentin: Claudia Bredt
Beraterin und Supervisorin mit Schwerpunkt Führungscoaching Einzeln & Teams, Beraterhaus Kassel

Workshopbeschreibung
Die deutlich gestiegene Komplexität und die erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf werfen nicht nur die Frage auf, welche Kompetenzen Lehrerinnen und Lehrer zukünftig brauchen.  Sie müssen auch dem Anliegen Rechnung tragen, welche Lern- und Entwicklungsbegleitung  angehende Lehrerinnen und Lehrer benötigen, um

  • herausfordernde  berufliche Situationen aus einer neuen Perspektive zu sehen,
  • selbst neue Lösungen zu finden,
  • die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und
  • gute Lern- und Entwicklungsbegleiter für Schülerinnen und Schüler  zu werden/bzw. zu sein.

In diesem Workshop werden Supervision und Coaching im Sinne einer Prozessberatung  als Lernangebot vorgestellt und diskutiert. Über praktische und reflexive Erfahrungsräume werden Formen der Einzel- und Gruppensupervision /-Coaching erlebbar gemacht.

Workshop 3

Professionalisierung mehrdimensional: Die Symphonie von Gedanken, Sprache und Körper im Klassenraum
Referent: Dr. Timo Nolle
Systemischer Therapeut mit Schwerpunkt Prüfungscoaching, Auftrittscoaching, Persönlichkeitsentwicklung und Mitarbeiter am SCL, Uni Kassel

weitere Infos: Praxis für Prüfungscoaching

Workshopbeschreibung
Neurobiologisch gesehen sind Lern- und Lehrprozesse in der Schule nur teilweise kognitive Vorgänge. In erster Linie hängt es von Emotionen ab, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet und wie etwas verarbeitet, also wie etwas gedacht wird. Emotionen entstehen in der Schule im Kontext der sozialen Umwelt. Lehrpersonen stellen für Schülerinnen und Schüler (SuS) eine Umwelt dar: eine fördernde oder eine hemmende Umwelt, bestehend aus einer Symphonie aus Sprache, Körper und kommunizierten Gedanken, Haltungen und Einstellungen.
Wer in einer Klasse die Rolle des Dirigenten übernehmen möchte, wer die Aufmerksamkeit und Lernprozesse der SuS zieldienlich lenken will, muss die ganze Symphonie der Kommunikation (er)kennen und nutzen. Wer nur kognitive Gedanken und sachliche Kommunikation wahrnimmt, wird als Lehrperson zwangsläufig nur eingeschränkt wirksam.
Im Workshop wird das Zusammenspiel von Gedanken, Sprache und körperlichem Ausdruck neurobiologisch kurz dargestellt und anschließend in vielen praktischen Übungen mit den Teilnehmenden ausprobiert.
Inhalte und Methoden

  • Neurobiologische Hintergründe zur mehrdimensionalen Kommunikation
  • Auswirkung von Gedanken der Lehrperson auf den Lernprozess der SuS
  • Moderne Techniken zur Emotionsregulation, die sofort wirken
  • Zieldienliche Nutzung innerer (psychischer) Anteile zur Optimierung der Lehrer-Schüler Beziehung
  • Reflexion und Transformation von kontextbezogenen mentalen Bremsklötzen im Unterricht
  • Mentale-Stärke-Training: Eine passende innere und äußere Haltung auswählen und einnehmen

Workshop 4

Der Profi im Umgang mit der eigenen Stimme
Referentin: Charlotte Merkel
Logopädin mit Schwerpunkt in der Therapie und Prävention von Stimmerkrankungen, Kassel

Workshopbeschreibung
Als Lehrer*in ist man in besonderem Maße auf das Arbeitsinstrument Stimme angewiesen. Sie sollte auch über Stunden hinweg stabil und belastbar sein. Den Umgang mit der eigenen Stimme können Studierende in ihren Praktika schon früh und aktiv trainieren. Für Lehrer*innen im Schuldienst ist die eigene Stimme hingegen eine berufliche Grundvoraussetzung, deren Bedeutsamkeit leicht außer Acht gerät. Aktuelle Umfragen und Studien zeigen jedoch deutlich, dass im Bereich der Stimmbelastung bei Lehrer*innen dringender Handlungsbedarf besteht. Denn oft sind Lehrer*innen durch jahrelange Überlastung der Stimme stark gefährdet, eine Stimmerkrankung zu entwickeln. Viele nehmen die Beschwerden aber als berufsgegeben hin und leiden darunter, ohne qualifizierte Hilfe zu bekommen.
Hier bietet der Workshop eine wichtige und entscheidende Fortbildungsmaßnahme für Mentor*innen und universitären Begleiter*innen. Es geht darum, erste Anzeichen einer Stimmeinschränkung bei Studierenden oder bei sich selbst zu erkennen, Maßnahmen kennen zu lernen, was vorbeugend getan werden kann oder welche Hilfen bei Einschränkungen möglich sind.


Workshopinhalte:

  • Sensibilisierung (Hörbeispiele)
  • Welche Belastungsfaktoren bestehen im Schulalltag?
  • Wie entsteht und funktioniert die Stimme?
  • Woran erkenne ich erste Zeichen einer Stimmeinschränkung?
  • Was kann ich vorbeugend tun?
    • Stimmübungen zum Einsprechen und zum Lösen von Sprechanstrengungen (aktive Übungen)
  • Weitere Schritte, wenn der Verdacht einer Stimmeinschränkung besteht
    • Welche HNO-Ärzte (Phoniater) gibt es?
    • Welche Logopäden gibt es?
    • Wie kann eine mögliche Stimmtherapie ablaufen?

Neben einem theoretischen Teil werden auch praktische Übungen angeleitet.

Workshop 5

Das ROFL* zwischen den Zeilen – der Profi in digitaler Kommunikation
Referentin: Dr. Christine Schulz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Grundschulpädagogik und Medienpädagogin, Uni Kassel

Workshopbeschreibung
Als Mentor*innen oder universitäre Begleiter*innen sind Sie in Phasen des Praktikums in permanenter Kommunikation mit Ihren Studierenden. Unterrichtsversuche werden terminiert, Seminaranforderungen besprochen und nicht zuletzt Unterricht gemeinsam geplant. Dabei begrenzt sich die Kommunikation keinesfalls nur auf den persönlichen Kontakt. Zunehmend rücken hierbei digitale Kommunikationsmedien in den Vordergrund.
Wenn Kommunikation der wechselseitige Austausch von Informationen ist, besteht die Gelingensbedingung für erfolgreiche Kommunikation darin, dass die versendeten Informationen nicht nur verstanden werden, sondern auf diese auch angemessen und ebenfalls verständlich reagiert wird.
In virtuellen Räumen wie WhatsApp-Gruppen, Facebook, Chat, E-Mail oder Online-Communities findet Kommunikation unter veränderten Bedingungen statt – textbasiert, unlinear, zeitlich und räumlich gleichzeitig und auch vergangen und weit entfernt. Eine Verschmelzung privater und beruflicher Nutzung virtueller Räume erschwert hierarchische Kommunikation und macht „Warum reagiert der denn jetzt schon wieder so patzig?“ zu einer häufigen Frage.
Der Workshop widmet sich der Frage, wie digitale Kommunikation funktioniert, worauf man im professionellen Umgang achten sollte und was helfen könnte, wenn sich ein digitales Gespräch zur Kommunikationsfalle auswächst.

Workshop 6

Eine inklusive Schulwirklichkeit gestalten – Chancen und Herausforderungen
Referent: Boris Reichenbach
Leiter des regionalen Beratungs- und Förderzentrum Astrid-Lindgren-Schule für die Schulen der Stadt Kassel

Workshopbeschreibung
In diesem Workshop geht es darum, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die inklusive Schulwirklichkeit zu betrachten und gemeinsam Wege zur Vermittlung der Grundlagen für zukünftige Lehrkräfte zu erörtern. Dabei werden wir uns mit folgenden Themen befassen:

  • Gesellschaftliche und rechtliche Grundlagen von Inklusion
  • Schulische Umsetzung von Inklusion am Beispiel der Stadt Kassel
  • Das BFZ als Unterstützungssystem in der inklusiven Beschulung von Kindern und Jugendlichen
  • Vorbeugende Maßnahmen und inklusive Beschulung
  • Individuelle Förderung, Beratung und Diagnostik
  • Formen des Teamteachings
  • Eine inklusive Ausbildung in der ersten und zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung