Forschungsprofil des Fachbereichs

Die Institute und Fachgebiete des Fachbereichs Humanwissenschaften forschen auf diversen Gebieten und in verschiedenen Disziplinen, auch international vergleichend. Der Großteil der Arbeiten verweist auf eine übergreifende Forschungsperspektive, die sich mit den Stichwörtern „Lernende Gesellschaft & soziale Inklusion“ umreißen lässt. Diese Perspektive ist als generelle thematische Klammer zu verstehen und bezieht sich auf aktuelle Fragestellungen in den Bereichen individuelle Entwicklung, organisiertes Lernen und Helfen sowie gesellschaftliche Integration.


Lernende Gesellschaft & soziale Inklusion

  • Individuum: Diagnostik und Intervention
        -   Dynamiken menschlichen Verhaltens und Erlebens

        -   Grundlagen und Praxen des Lernens und Lehrens

        -   Psychotherapie und soziale Hilfe

  • Entwicklung und Bildung in komplexen Organisationen
        -   Dynamiken in Gruppen und Professionen
        -   schulische und außerschulische Bildungsprozesse
        -   Organisationsgestaltung und -beratung

  • Humane Institutionen und inklusives Gemeinwesen
        -   Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklungen
        -   Transformationsprozesse im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssektor
        -   Teilhabe im Rechts- und Wohlfahrtsstaat


Quer zu den Forschungsrichtungen und Untergliederungen am Fachbereich können die Aktivitäten drei Themenclustern zugeordnet werden, wobei sich Forschungsthemen der Fachgebiete in verschiedenen dieser Cluster wiederfinden.

  • Das erste Cluster betrifft Forschungsarbeiten, für die eine Mikroperspektive auf humanwissenschaftliche Fragestellungen charakteristisch ist. Die entsprechende Forschungslinie „Individuum: Diagnostik und Intervention“ untersucht menschliches Verhalten und Erleben, ferner Grundlagen und Praxen des Lernens und Lehrens sowie Fragestellungen aus dem Bereich Psychotherapie und der sozialen Hilfe. Es geht u.a. darum, wie sich Individuen (z.B. kognitiv, sozial und affektiv/motivational) im Spannungsfeld von Anlage und Umwelt entwickeln, wie Sozialisations- bzw. Lernprozesse ablaufen und mit der Entwicklung des Individuums interagieren und wie unterstützende bzw. bildungsorientierte Interaktionen gestaltet sind und gestaltet sein sollten.
  • Das zweite Cluster betrifft Forschungen, die sich auf der Mesoebene des sozialen Lebens bewegen und Kontexte kollektiven Handelns betreffen. Das übergeordnete Thema der Forschungslinie lautet hier: Entwicklung und Bildung in komplexen Organisationen. Betrachtet werden Dynamiken in Gruppen und Professionen, schulische und außerschulische, inklusive ästhetische Bildungsprozesse sowie Fragestellungen, die die Organisationsgestaltung und -beratung betreffen. Ausgehend von der Beobachtung, dass Gruppen bzw. Organisationen (z.B. Familie, Schule, Wirtschaftsunternehmen, Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, Kulturinstitutionen) zentrale Orte des sozialen Lebens darstellen, geht es u.a. darum, wie sich Menschen hier verhalten und wie Professionen agieren bzw. sich entwickeln. Erforscht werden ferner Merkmale und konzeptionelle Grundlagen der Praxis von Einrichtungen für Humandienstleistungen (u.a. Kindererziehung, Jugendhilfe, Schule, Gesundheits- und Altenhilfe). Gegenstand der Forschungsarbeiten sind zudem Verfahren und Probleme der Organisationsentwicklung und der Beratung solcher Einrichtungen sowie von Wirtschaftsunternehmen.
  • Im dritten Cluster liegt der Akzent auf der Makroebene der Gesellschaft; die entsprechende Forschungslinie fokussiert das Thema: humane Institutionen und inklusives Gemeinwesen. Untersucht werden mit den bereits genannten Arbeitsgegenständen zusammenhängende Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklung, ferner übergreifende Transformationsprozesse im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen sowie Fragestellungen, die sich auf Teilhabe im Rechts- und Wohlfahrtsstaat beziehen. Es geht u.a. darum, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen z.B. in Hinsicht auf Stresserleben, Bildungserfahrungen oder  soziale Differenzierung deuten lassen und inwiefern sie in- oder exkludierend wirken. Ferner wird analysiert, wie sich für gesellschaftliche Integrationsprozesse wesentliche Teilsysteme (Bildung, Soziale Hilfe, Gesundheitsversorgung etc.) verändern bzw. verändern lassen, auch unter dem Gesichtspunkt, welche Rolle sozialrechtliche sowie wohlfahrtsstaatliche Einflüsse dabei spielen bzw. spielen sollten.

Aus den genannten Arbeitsgebieten ergibt sich clusterübergreifend die o.g. Forschungsperspektive auf lernende Gesellschaft und soziale Inklusion. Diese Orientierung entspricht dem Selbstverständnis der ganzen Hochschule als „Ideen-Universität“. Sie steht in der Tradition einer ebenso kritischen wie aufklärungsorientierten Wissenschaft und nimmt dabei Impulse wesentlicher internationaler Institutionen auf (UNO, EU, etc.). In einem übergeordneten Sinne bezieht sie sich auf die Beobachtung bzw. das Postulat einer „lernenden“ Gesellschaft, die von humanwissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren kann. Mithin orientiert sich der Fachbereich in seinen Forschungsaktivitäten an zentralen Fragen der Gegenwart – wobei Ansätze, die dem Mainstream (noch) nicht entsprechen, im Arbeitszusammenhang der Fachgebiete und Institute einen gebührenden Platz erhalten.