Forschungsvorhaben

Jugendkunstschulen – Eine Studie zu den Wirkungen von Angeboten in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit (kurz JuArt)

Das Forschungsvorhaben „JuArt: Bildungsprozesse in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit. Studie zu den Wirkungen von Angeboten und Maßnahmen der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Projekten“ ist ein kooperatives Projekt der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg. Das Projekt wird im Rahmen der von der Mercator-Stiftung Essen ins Leben gerufenen Förderlinie „Wirkungen kultureller Bildung“ über den Forschungsfond „Kulturelle Bildung“ vom „Rat für Kulturelle Bildung e.V.“, Essen, gefördert. Untersucht werden mittels einer quantitativen und qualitativen, deutschlandweiten Studie, Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren in Kursen und Ferienprojekten von Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Projekten.

Die Jugendkunstschulen wurden für das Forschungsvorhaben deshalb in den Fokus gerückt, da diese in ihren deutschlandweiten Einrichtungen strukturell weitgehend vergleichbare Projekte und Kurse für Kinder und Jugendliche anbieten – und diese Angebote mit einer gewissen Intensität, Regelmäßigkeit und Dauer „bildungswirksam“ werden können.

Von der Vielfalt an kulturell-ästhetischen Angeboten innerhalb der Jugendkunstschulen liegt der Fokus von JuArt auf den Sparten Theater, bildende Kunst (z. B. Malen, Töpfern), Tanz bzw. Bewegung (z.B. Zirkus), Musik (z. B. Band-Projekte) und Medien (z. B. Fotos, Videos).

Das Forschungsprojekt nimmt in den Blick, inwiefern die Angebote z. B. die Erweiterung der eigenen kulturell-ästhetischen Selbstwahrnehmung unterstützen, Soziales und personales Lernen auslösen sowie zur Verstetigung respektive Fortsetzung kultureller Aktivitäten und Interessen beitragen. Methodisch arbeitet das Projekt längsschnittlich mit einem triangulativen Ansatz aus quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden, wobei die Perspektive der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt steht.

Das Projekt hat somit zum Ziel, die bislang nur wenig gesicherten Erkenntnisse über die Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen in dem Bereich der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit zu erweitern, das Wissen über Strukturen der Jugendkunstschulen zugänglicher zu machen und gleichzeitig zur Weiterentwicklung der Angebote der Jugendkulturarbeit beizutragen.

Jugendkunstschulen

Eine Jugendkunstschule offeriert ein kulturelles Bildungsangebot in Form von Kursen, Projekten, Workshops und offenen Werkstätten in einem non-formalen Setting. Zumeist sind Jugendkunstschulen generationenübergreifend angesiedelt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf Kindern und Jugendlichen. Das Angebotsspektrum erstreckt sich über verschiedene künstlerisch-kulturelle Sparten und findet zudem vermehrt in Kooperation mit Jugend,- Bildungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen statt. In Deutschland gehören derzeit etwa 400 Jugendkunstschulen dem Bundesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen e.V., verteilt über alle 16 Bundesländern, mit etwa 600.000 Teilnehmenden, an.

Forschungsdesign

Im Forschungsprojekt JuArt findet eine Methodentriangulation aus quantitativen Methoden in Form einer längsschnittlich angelegten Fragebogenerhebung und qualitativen Methoden in Form von Gruppendisskussionen statt.

Qualitative Teilstudie

Im Rahmen der qualitativen Teilstudie werden die sozialen und biografischen Dimensionen der Teilnahme der Kinder- und Jugendlichen stärker in den Blick genommen. Die Gruppendiskussionen fanden in 12 ausgewählten Realgruppen statt. Als Realgruppen werden Gruppen bezeichnet, die nicht für den Zweck der Erhebung zusammengesetzt werden, sondern als feste Alltagsgruppen bestehen, in diesem Fall handelt es sich um die Kurs- und Ferienprojektteilnehmer der Jugendkunstschulen. Der Schwerpunkt des Forschungsinteresses liegt auf der Identifikation von individuellen und kollektiven Bildungserfahrungen, latenten Gruppenorientierungen sowie individuellen biografischen und sozialen Erfahrungen. Zudem geht es darum, den Einfluss des sozialen Kontexts der Gruppe auf die Bildungserfahrung und deren Nachhaltigkeit zu analysieren.

Quantitative Teilstudie

Die quantitative Teilstudie untersucht die Selbsteinschätzung der Kinder und Jugendlichen in Bezug auf die spartenspezifischen sowie spartenübergreifenden Fähigkeiten und deren Veränderungen mittels Fragebogen. Im Fokus des Forschungsinteresses stehen, ob und inwiefern sich die ästhetische Selbstwahrnehmung und die soziale Teilhabe verändern und ob eine Fortsetzung der kulturellen Teilhabe, aufgrund des ästhetischen Engagements, angeregt wird.

Stichprobenwahl und Forschungsverlauf

Das Projekt konzentriert sich auf 10-16-Jährige, die an Kursen oder Ferienprojekten an einer Jugendkunstschule teilnehmen. Im Laufe der Datenerhebung wurden insgesamt etwa 900 Teilnehmende an 37 Jugendkunstschulen befragt. Die 38 Jugendkunstschulen wurden aus 29 Jugendkunstschulen und 8 Ferienprojekten zusammengesetzt. Insgesamt erfolgte eine Vorauswahl von sechs Regionen innerhalb von Deutschland, die in der neben stehenden Grafik verdeutlicht werden.

Die Ziehung für den quantitativen Teil erfolgt zufällig (aus dem Pool einer forschungspragmatischen Vorselektion). Die Auswahl für die Gruppendiskussionen anhand des theoretical sampling.

Die Fragebogenerhebung erfolgte zu drei verschiedenen Messzeitpunkten.

Bei der ersten und der zweiten Erhebungswelle fanden die Befragungen vor Ort jeweils zu Beginn und am Ende der Kurse bzw. der Ferienprojekte statt. Die dritte Messung (Follow-up) wurde als Online-Befragung ungefähr 3-4 Monate nach Beendigung der Kurse bzw. Ferienprojekte umgesetzt, um die Nachhaltigkeit der Bildungsangebote zu erfassen. Die Dritte Befragung der Ferienkursteilnehmer ist bereits abgeschlossen, die der Kursteilnehmer läuft in nächster Zeit an.

Die Gruppendiskussionen wurden jeweils zum Zeitpunkt der zweiten Erhebungswelle in den Ferienprojekten bzw. Kursen durchgeführt.