Promotionsvorhaben

Textmuster und Mustertexte im Grammatikunterricht

Schule. Macht. Sprache.

Für den Grammatikunterricht Deutsch scheint das ‚Ausschlachten künstlicher Beispiele‘ vorgesehen - so liest man in der Fachliteratur - denn eine inhaltsbezogene und kontextgebundene Analyse authentischer Belege ist in den einschlägigen Lehrwerken kaum bis gar nicht angelegt.

Ausgehend von dieser Beobachtung befasst sich das Dissertationsvorhaben mit Texten, die im regulären Deutschunterricht der Sekundarstufe I im Kompetenzbereich "Sprache und Sprachgebrauch untersuchen" eingesetzt werden. Die Ausgangsthese der Arbeit ist folgende: Texte, die dort zum Einsatz kommen, werden entweder rein zu diesem Zweck nach einer prototypischen Vorstellung konzipiert oder sie verfügen über eine außerschulische Textvorlage, die auf lexikalischer und syntaktischer Ebene an diese Vorstellung angepasst wird. Daraus könnte folgen, dass diese Texte, die als sprachliche Mustertexte für die Schülerinnen und Schüler fungieren, paradoxerweise über ein ganz anderes bzw. ganz andere grammatische Muster verfügen als Texte der außerschulischen Textwelt, die nicht für schulische Zwecke erarbeitet bzw. bearbeitet wurden (vgl. Henckel 2018).

An diesen Gedanken anknüpfend wird in dem angestrebten Promotionsvorhaben auf die Frage einzugehen sein, inwieweit die Texte der derzeitigen Lehr-Lern-Materialien des Deutschunterrichts stellvertretend für außerschulische gegenwartsdeutsche Strukturen stehen können und sich damit überhaupt als Materialbasis eignen. Ein Ziel des Dissertationsprojektes ist es auch, an konkreten Materialien nachzuvollziehen, wie Schule und Sprache wechselseitig aufeinander einwirken, d.h. welche institutionellen Parameter bzw. Rahmenbedingungen welchen Einfluss auf sprachliche Strukturen nehmen.

Ein weiteres Erkenntnisinteresse der Arbeit besteht darin, herauszuarbeiten, inwieweit sich grammatische Textmuster in Hinblick auf erstsprachliche und zweit- sowie fremdsprachliche Lehr-Lern-Kontexte ähneln oder unterscheiden. Es wird angenommen, dass nach dem anfänglichen ‚Geburtsfehler des Deutschunterrichts‘ und der jahrzehntelangen Ausdifferenzierung von Erst- und Fremdsprachendidaktik nun ein intensiver Abgleich beider Forschungsbereiche vor dem Hintergrund innerer und äußerer Mehrsprachigkeit sinnvolle Erkenntnisse und theorie- sowie praxisbezogene Impulse bringen kann.

Theoretisch fußt die Arbeit dabei auf unterschiedlichen sprachwissenschaftlichen und sprachdidaktischen Konzepten, darunter: Textmuster, Textprozeduren, Textkompetenz sowie Bildungs- und Schulsprache im Sinne konzeptioneller Schriftlichkeit und literater Strukturen.