For­schung

For­schungs­schwer­punk­te:

    • Heldenepik des Hoch- und Spätmittelalters
       
    • Minne- und Aventiureromane
       
    • Mediale Vermittlungs- und Repräsentationsformen
       
    • Mittelalterrezeption in Literatur, Comic, Film und Theater
       
    • Genderforschung und historische Intersektionalitätsforschung
       
    • Relationalitäten von Tier, Mensch und Gesellschaft
       
    • Literarisches Lernen und mittelalterliche Medienverbünde
       
    • Kulturhistorisches und theoriekritisches Lernen im Deutschunterricht

        Ku­mu­la­ti­ves Ha­bi­li­ta­ti­ons­pro­jekt:

        HUMANIMALES Erzählen: Tier-Mensch-Relationalität aus kulturhistorischer Perspektive

         

        (Interdisziplinärer LOEWE-Schwerpunkt „Tier – Mensch – Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung“ 2014-2017 / die Habilitationsleistung wurde am 02.11.21 eingereicht, das Verfahren wurde 08.12.21 eröffnet)

         

        In einer systematisierenden Einleitung und in 13 Aufsätzen werden literarisch entworfene Tier-Mensch-Beziehungen unter Einbezug der neuen Ansätze der Human-Animal Studies aus einer diachronen und intermedialen Perspektive untersucht. Ein Großteil der vorliegenden Studien der kumulativen Habilitationsleistung gehen aus der mehrjährigen Forschungstätigkeit im interdisziplinären LOEWE-Forschungsschwerpunkt „Tier – Mensch – Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung“ (2014-2017) hervor. Durch eine theoriebezogene und diachrone ‚Spurensuche‘ konnte gezeigt werden, wie eine Tier-Mensch-Relationalität – konkret die mehrdeutige Ko-Konstitution von tierlichen und menschlichen Figuren in ihrer literarischen und medialen Verfasstheit – im Erzählen innerhalb und zwischen verschiedenen Zeiten, Gattungen, Medien und Kontexten einen diskursiven Möglichkeitsraum eröffnet. Hierbei stellt sich die Frage, wie ein HUMANIMALES Erzählen, d.h. eine der Darstellung bereits innewohnende Verschränkung von Menschen und Tieren, von Kultur und Natur, von Zivilisiertheit und Wildheit in textlichen und bildlichen Repräsentationen als mehrdeutig entworfen und gedeutet wird. Die Verschmelzung von zwei Wörtern und die Großschreibung des Begriffs eröffnen bewusst mehrere Lesarten, die auf diese Mehrdeutigkeit hin angelegt ist.

        Sie besteht in den ausgewählten Vergleichsgegenständen von Mittelalter und Moderne aber nicht nur per se als eine spezifische Eigenschaft literarischer und medialer Texte, sondern sie ist in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen wesentlich abhängig von historisch wandelbaren und häufig auch widerstreitenden Perspektiven auf Tier-Mensch-Relationalität. Diese Kontrastierung unterschiedlicher Beziehungstypen regt zur Reflexion der Handlungsspielräume im Erzählen und in der kulturellen Andersheit des Erzählten an. Das Verfahren, die Thematisierung und Bewertung der relationalen Aushandlungsmodi über die historische Distanz hinweg diachron zu vergleichen, ist dabei grundsätzlich durch ein Spannungsverhältnis von Alterität und Similarität geprägt. Denn mit welchen Tieren welche Zuschreibungen und Beziehungsformen verbunden werden oder an welche tierbezogenen Gefühle in welchem Kontext und mit welcher Absicht appelliert wird, unterliegt einem kulturhistorischen Wandel. Gleichwohl stellen sich aber auch spontane Erfahrungen der Ähnlichkeit von Erzähltem und gegenwärtiger Lebenswelt ein. Die Frage nach dem jeweiligen Status der Tiere im Beziehungsgefüge strukturiert dabei auch die Positionierung der jeweiligen narrativen Instanzen im Verhältnis zu der von ihnen erzählten Geschichte mit.


        Dis­ser­ta­ti­on:

        HeldenGeschlechtNarrationen: Gender, Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in Nibelungen-Adaptionen (2008-2011, Publikation 2/2014)

        Die Dissertation wendet sich als diachrone und medienkomparative Genderanalyse der Rezeption des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes im 19., 20. und 21. Jahrhundert zu und fragt unter Einbezug der Intersektionalitätsdebatte der Soziologie in einer Mehrebenenanalyse nach gender- und medienspezifischen Her- und Darstellungsprozessen. Hierbei werden die drei Haupthandschriften des Nibelungenliedes, die Klage, Friedrich Hebbels Trauerspiel, Fritz Langs Stummfilmadaption und Moritz Rinkes fernsehtheatrale Bearbeitung einander vergleichend gegenübergestellt, mit dem Ziel das Verhältnis von gender und Narration näher zu bestimmen. Diese Ausrichtung ist als das innovative Potential der Arbeit anzusehen, denn bisher fehlen weitgehend komparative Untersuchungen, die sich diachron betrachteten Genderkonstruktionen unter Einbezug von medien- und kulturspezifischen sowie narratologischen Gesichtspunkten zuwenden.


        For­schungs­pro­jek­te und For­schungs­ver­bün­de

        • DFG-Antrag auf eine eigene Stelle: „Heroische Heterogenität: Reflexive Diversität, Intersektionalität und kulturhistorische Kompetenz in der literarischen Bildung“ (03/21 zur Begutachtung eingereicht)

          Das fachlich-didaktisch ausgerichtete Projekt nimmt diversitätsbewusste Konzepte im literarischen Lernen in den Blick und verfolgt den Ansatz einer intersektionalen und kulturhistorischen Kompetenzorientierung im (hoch-)schulpraktischen Kontexten. Es basiert auf Konzepten, die in universitären Lehr- und Lernprojekten entwickelt und erprobt wurden. Wie jedoch ein Unterrichts- und Lernkonzept in Hochschule und Schule gestaltet werden kann, das soziale Etikettierungen nicht einfach fortschreibt, sondern stattdessen vom literarischen Gegenstandsbereich ausgehend ein individualisiertes, kulturhistorisch orientiertes Lernen fokussiert, das die Potentiale der Verschiedenheit auslotet und diskriminierungskritische Ansätze einbezieht, dies erweist sich noch weitgehend als ein Forschungsdesiderat. Das geplante Projekt setzt genau hier an und steht für die Verknüpfung von diversitätsbewussten Zugängen mit literarästhetischen Kompetenzen, die anhand historischer Medienverbünde untersucht und im literarischen Lernen ausprobiert werden sollen.
        • Entwicklung eines fachlich-didaktischen Projekts „Tier-Wissen im Transfer: Von der Handschrift ins World Wide Web“ (seit 1/2021)
          Im Fokus des Projektes stehen kulturhistorische und tiertheoretische Perspektiven auf spätmittelalterliche, frühneuzeitliche und gegenwärtige Formationen, mit Tieren zu lernen. Es handelt sich um ein fachwissenschaftliches und didaktisch ausgerichtetes Projekt, das ich über zwei Semester hinweg anhand einer kooperativen Online-Enzyklopädie erprobe. Ausgehend von spätmittelalterlichen Tierkunden wie Konrads von Megenberg„Buch der Natur“ wird die Materialität und Medialität der Kleinform „Tierartikel“ in Handschriften und Drucken als vielschichtiges Lehr- und Lernarrangement beleuchtet und mithilfe eines dynamischen Text- und Bild-Erschlie­ßungsverfahren rekonstruiert und das verhandelte Tier-Wissen mit Studierenden in einer digitalen Kompilation kommentiert und interpretiert.
        • Mitarbeit am Forschungsdesign des interdisziplinären Verbundes „Geschlecht – Ungleichheit – Intersektionalität. Forschungspraxis im interdisziplinären Dialog“ (2013-2014)

          Aus diesem Verbund ist ein interdisziplinärer Sammelband hervorgegangen: Bereswill, M./ Degenring, F./ Stange, S. (Hg.): Intersektionalität und Forschungspraxis – Wechselseitige Herausforderungen (Forum Frauen- und Geschlechterforschung Band 43), Münster: Westfälisches Dampfboot 2015.
        • ZFF-Forschungsschwerpunkt „Normalität und Ordnung – Transdisziplinäre Perspektive auf Geschlecht“ (2013-2014)
        • Studiengruppe „Historische Intersektionalitätsforschung“ des Forschungszentrums für historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt (2011-2014)
        • Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung“ Frankfurt/Kassel (2008)

          In dem interdisziplinär zusammengesetzten Graduiertenkolleg wurden die historisch gewordenen und gegenwärtig vorherrschenden Konzeptionen von Öffentlichkeit und Privatheit sowie die damit verbundene Dimension der Erfahrung analysiert. Diese Themen sind besonders interessant und aufschlussreich für die Analyse von Geschlechterverhältnissen. Die spannungsreiche Verbindung von bisher noch weitgehend unverbundenen Themenfeldern produziert neue Einsichten in historische und aktuelle Erscheinungen und Entwicklungen.