Promotionen

Laufende Promotionen

Anna-Theresa Kölczer

(ehem. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im LOEWE-Schwerpunkt "Tier-Mensch-Gesellschaft")

Die Welt im Tier. Zur Konstruktion von Tier-Mensch-Beziehungen im mittelhochdeutschen „Physiologus“ und in Konrads von Megenberg „Buch der Natur“

Das Mittelalter wies einerseits eine historisch spezifische Relationierung von Tier, Mensch und Gesellschaft im Vergleich zur Neuzeit auf, produzierte aber andererseits bereits Einordnungen und Abgrenzungen, die die modernen Deutungsmuster prägen. Der „Physiologus“ gehört hierbei auch in seiner deutschen Bearbeitung zu den zentralen Texten. Er präsentiert den ‚Naturkundigen‘ als seinen Gewährsmann und eröffnet aus einer griechisch-spätantiken Tradition heraus eine christlich-allegorische Deutung des Verhältnisses von Tier, Mensch und Gesellschaft. Darin lassen sich Konzepte und Probleme der Erfassung und Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses fokussieren. Motivgeschichtlich zeigt sich, dass dieses vielfach redigierte Textkorpus je nach Textgestaltung eigene narrative, argumentative, moralisierende und illustrative Muster ausbildet. Ziel ist, die Konzepte und Probleme der Erfassung und Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses in zwei differenten Textgattungen zu untersuchen. Das Mitte des 14. Jhs. entstandene illustrierte „Buch der Natur“ von Konrad von Megenberg dient als Referenztext und Gegenmodell, weil es bis in die Frühe Neuzeit hinein eines der einflussreichsten Naturbücher des deutschsprachigen Mittelalters war. Es bot ein Kompendium des Wissens über die ‚natürlichen Dinge‘ und ist ein Schlüsseltext zwischen traditionsbewussten, allegorischen Naturbetrachtungen und einer zunehmend ‚naturwissenschaftlichen‘ Anschauung der Welt.

Erstmals soll eine systematische Aufarbeitung literarhistorischer Tierentwürfe vorgenommen werden, bei der nicht nur einzelne Wissensbestände anderer Disziplinen herangezogen werden, sondern bezüglich der theologischen Diskurse und des Verhältnisses von textlichen Narrativen der Tier-Mensch-Relationierung zu den bildlichen der illustrierten Handschriften ein wirklicher Austausch praktiziert wird. Ziel des Projektes ist es zu zeigen, wie das Tier in Diskursen zum Medium von Erkenntnis, Vergegenwärtigung, Strukturierung und Deutung der Welt wird und so bis in neuzeitliche Formen literarischer Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses hineinwirkt.


Johanna Kahlmeyer

(ehem. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der germanistischen Mediävistik der Universität Kassel)

Lieb, zorn, forcht. Zur Darstellung von Emotionen in Georg Wickrams Metamorphosen und seiner antiken und mittelalterlichen Vorlage

Georg Wickram ist bislang vornehmlich als einer der ersten Autoren deutscher Prosaromane in den Blick der Forschung geraten. Seine Auftragsarbeiten - darunter auch sein umfangreichstes Werk, die Metamorphosenbearbeitung - bleiben weitgehend unberücksichtigt. Das Dissertationsvorhaben widmet sich diesem Desiderat und verfolgt als zentrales Anliegen einen Vergleich des Werkes mit seinen Vorlagen. 

Die Metamorphosenbearbeitung wurde von Ivo Schöffer in Auftrag gegeben und 1545 von Georg Wickram fertig gestellt. Als direkte Vorlage dient die Metamorphosenbearbeitung von Albrecht Halberstadt (um 1200), der wiederum die Metamorphosen Ovids übertragen hat. Das genaue Verhältnis der drei Autoren zueinander gilt es zu untersuchen.

Am Beispiel der Darstellung von Emotionen soll zum einen ergründet werden, wie Wickram seine Quellen transformiert, und zum anderen systematisch erforscht werden, über welche Techniken der literarischen Gestaltung Wickram z.B. in Hinblick auf Figurengestaltung verfügt. Darüber hinaus sollen paratextuelle Mittel der Textgestaltung wie Glossierung, Holzschnitte und der begleitende Kommentar des Gerhard Lorichius in den Blick genommen werden. Es steht zu vermuten, dass sich die Arbeit an den Metamorphosen auch auf die späteren Werke Wickrams auswirkt, in denen ein antikes Figureninventar eine Randposition einnimmt.