P34: Darstellung sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht

Trägerschaft/Förderung
"Qualitätsoffensive Lehrerbildung" von Bund und Ländern; gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Projektlaufzeit
Phase 1
: 01.10.2015-31.12.2018
Phase 2: 01.01.2019-31.12.2023

Projektleitung
Biblische Theologie/Altes Testament: Prof. Dr. Ilse Müllner
Religionspädagogik: Prof. Dr. Annegret Reese-Schnitker

Mitarbeiter*innen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Nele Spiering-Schomborg
Wissenschaftliche Hilfskraft: Sarah Caroline Jäger

Projektbeschreibung
Fragen zur Darstellung sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht bilden den Mittelpunkt des Teilprojekts. Ein wichtiges Ziel liegt darin, professionell gerahmtes Sprechen über sexualisierte Gewalt im Religionsunterricht zu ermöglichen und hierdurch einen Beitrag zur Enttabuisierung und sodann zur Primärprävention zu leisten. Die Arbeit an biblischen Texten, die (sexuelle) Gewaltsituationen in einer kontrastiven Vielfalt thematisieren, ist dabei maßgebend. Als Lehr- und Lernmedien brauchen die Erzählungen allerdings ein geeignetes Setting: Noch immer muss in Bezug auf sexualisierte Gewalt so z.B. eine vielseitige Kultur des Sprechens gefördert werden, die u.a. prüfend auf das gesellschaftliche Ineinander von Gewaltstrukturen blickt und Unterdrückungsformen wie Sexismus als verletzungsmächtig bloßstellt. Im Feld religiöser Bildung besteht deutlicher Nachholbedarf angesichts solcher Primärprävention von sexualisierter Gewalt. Durch die Entwicklung und Erprobung von Lehr-Lernkonzepten leisten wir dazu einen Beitrag. In der ersten Projektphase (2015-2018) ist dies im engeren Kontext der Hochschule geschehen, d.h. Lehramtsstudierende sind über den Austausch mit biblischen Erzählungen sowie mithilfe interdisziplinärer Zugänge an das Thema herangeführt und für die zentralen Kategorien (sexuelle) Gewalt, Macht und Geschlecht sensibilisiert worden. Die hochschuldidaktische Lernumgebung trägt den Namen H.A.G.A.R – das steht für Hinsehen, Anhören, Glauben, Anteilnehmen, Reagieren. H.A.G.A.R ist gleichermaßen Untersuchungsgegenstand und Output der PRONET-Projekte der ersten und nun auch zweiten Phase (2019-2023). Die Lernumgebung wird dazu für den Religionsunterricht an weiterführenden Schulen angepasst und evaluiert. Ferner wird eine „Materialisierung“ der bestehenden Lernumgebung angestrebt. Neben der Schule steht hiernach die Entwicklung neuer Lernorte im Fokus: eine Forschungswerkstatt und ein Online-Portal. Sie sollen das Spektrum von Lerngelegenheiten erweitern und für verschiedene Zielgruppen öffnen - als Angebots-, Austausch und Innovationsplattformen.

Publikationen
Ilse Müllner/Annegret Reese-Schnitker/Nele Spiering-Schomborg, Sprachfähig werden. Thematisierung sexualisierter Gewalt im Religionsunterricht. In: Katechetische Blätter 2019 (4), S. 305-311.

Nele Spiering-Schomborg, Unterrichtspraktische Anregungen zum Umgang mit "Texts of Terror". In: Katechetische Blätter 2019 (4), 312-318.

Ilse Müllner/Annegret Reese-Schnitker/Nele Spiering-Schomborg, Schweigen überwinden. Lehren und Lernen in der Spur alttestamentlicher Darstellungen zu sexualisierter Gewalt. In: Monique Meier/Kathrin Ziepprecht/Jürgen Mayer (Hg.), Lehrerausbildung in vernetzten Lernumgebungen. Münster: Waxmann 2018, S. 163-178.

Nele Spiering-Schomborg, Sexualisierte Gewalt und Bibeldidaktik. In: Alexandra Retkowski/Angelika Treibel/Elisabeth Tuider (Hg.), Handbuch Sexualisierte Gewalt und pädagogische Kontexte. Theorie, Forschung, Praxis. Weinheim und München: Beltz Juventa 2018, S. 679-688.

Nele Spiering-Schomborg, Sido betet. Hip Hop trifft Psalmendidaktik. In: Österreichisches Religionspädagogisches Forum. Graz und Wien 2017, 25 (2), S. 27-31. Verfügbar unter: http://unipub.uni-graz.at/oerf/periodical/titleinfo/2302878

Studienprofil „Darstellung sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht“

Liebe Studierende,

Tabuisierung ist ein zentrales Kennzeichen im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Das Schweigen hat ein System – es ist komplex und umgreift unterschiedlichste Lebens- und (Aus)Handlungsbereiche. Es gibt Stützpfeiler, die ihm Halt geben. Schweigen befördert die Verstetigung von sexualisierter Gewalt gerade auch in sozialen Nahverhältnissen und innerhalb von Institutionen wie z.B. der Schule, dem Sportverein oder der Kirche. Aber: Über Gewalt zu sprechen, ist nicht einfach. Kompetenzen, die für eine nachhaltige, kontinuierliche Auseinandersetzung erforderlich sind, müssen oft erst erlernt werden.

Gerne möchten wir Sie auf das neue Studienprofil „Darstellung sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht“ hinweisen, das Ihnen einen systematischen Aufbau von Kompetenzen angesichts des Themenkomplexes sexualisierte Gewalt anbietet.

Ziel des Studienprofils ist eine kompetenzorientierte Ausbildung von Religionslehrer*innen zur Thematisierung von sexualisierter Gewalt im Religionsunterricht. Dabei wählen wir eine Herangehensweise, die das Arbeiten mit biblischen Texten zu diesem Thema als Lernchance begreift. Die reflektierte Auseinandersetzung fördert das eigenverantwortliche Handeln in Schule und Unterricht und darüber hinaus in weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Das beinhaltet innerhalb der Theologie und ihren Disziplinen (vor allem Bibelwissenschaft und Religionspädagogik):

-        die Vermittlung fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse bzgl. sexualisierter Gewalt unter den Bedingungen von Schule und Unterricht im Lehramtsstudium bzw. im BA-Studium mit dem Nebenfach kath./ev. Religion;

-        die Einübung professionellen Sprechens über sexualisierte Gewalt im Religionsunterricht;

-        die Befähigung zu einem verantwortungsvollen sowie kreativ-korrelativen Umgang mit biblischen Texten, die (sexuelle) Gewaltsituationen schildern;

-        die Möglichkeit einer reflektiert-innovativen Praxisorientierung durch Verschränkung der unterschiedlichen Ausbildungsphasen (z. B. Fortbildung für Lehrkräfte);

-        die Förderung eines professionsorientierten Kompetenzprofils von Religionslehrer*innen als Basisqualifikation für Schule und Unterricht.

Was ist ein Studienprofil?

Ein Studienprofil bietet Studierenden die Möglichkeit, innerhalb des Regelstudiums auf freiwilliger und selbstverantwortlicher Basis einen Schwerpunkt in einem bestimmten Themenbereich zu setzen. Es dient der persönlichen Profilbildung und kann gegebenenfalls einen Einstellungsvorteil bei Bewerbungen an Schulen bedeuten. Die Veranstaltungen des geplanten Studienprofils sind für L2-, L3- und L4-Studierende im Rahmen des Regelstudiums zu absolvieren. Die Veranstaltungen sind inhaltlich und zeitlich nicht aufeinander aufgebaut. Sie können parallel oder nacheinander besucht werden. Einen zusätzlichen Aufwand stellt lediglich die Abschlussleistung in Form eines Portfolios dar, das sich auf alle drei besuchten Veranstaltungen bezieht.

Adressat*innen des Studienprofils

Das Studienprofil kann von Studierenden, die in einem Lehramtsstudiengang kath./ev. Religion (L2-L4) oder im BA-Nebenfach kath./ev. Religion immatrikuliert sind, im Rahmen ihres Studiums absolviert werden.

Aufbau des Studienprofils

Das Studienprofil beinhaltet drei Veranstaltungen: zwei verpflichtende Basisveranstaltungen (bibelwissenschaftlich/religionspädagogisch) sowie eine Wahlpflichtveranstaltung (Bibelwissenschaft, Systematik, Kirchengeschichte oder auch aus einem nicht-theologischen Fach der Universität). Innerhalb der Pflichtveranstaltung „Texts of Terror - Bibeldidaktische und religionspädagogische Überlegungen zum alttestamentlichen Erzählen von sexualisierter Gewalt“ werden religionspädagogische, bibelwissenschaftliche und bibeldidaktische Perspektiven in einen interdisziplinären und vor allem gender- und gewaltsensiblen Zusammenhang gestellt. Die Lehrveranstaltungen, die für das Studienprofil anrechenbar sind, werden auf der Homepage des Instituts bzw. im Vorlesungsverzeichnis eigens ausgewiesen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studienprofils erhalten die Studierenden eine Bescheinigung („Zertifikat“).

Eine rückwirkende Anerkennung von Veranstaltungen ist im Einzelfall möglich. Bitte sprechen Sie uns diesbezüglich an.

Das Studienprofil wird im Rahmen des PRONET2-Teilprojekts P34 „Darstellung sexualisierter Gewalt in Bibel und Religionsunterricht“ entwickelt, begleitend beforscht und weiterentwickelt. Absolvierte Leistungen bleiben in jedem Fall gültig.

Falls Sie Interesse an dem Studienprofil haben oder weitere Informationen wünschen, kontaktieren Sie gerne unsere Ansprechpartnerin für das Studienprofil, Dr. Nele Spiering-Schomborg (nele.spiering@uni-kassel.de).

Wir freuen uns über Ihr Interesse.

Beste Grüße

Ilse Müllner, Annegret Reese-Schnitker & Nele Spiering-Schomborg