BIKA

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v.l.n.r.: Anna Petzoldt, Prof. Dr. Claudia Finkbeiner, Prof. Dr. Bernd Tesch (Foto: Samantha Pfanzer)
v.l.n.r.: Anna Petzoldt, Prof. Dr. Claudia Finkbeiner, Prof. Dr. Bernd Tesch (Foto: Samantha Pfanzer)

Studierendenkonferenz zu Language Awareness und Bilingualem Lehren und Lernen



Im Rahmen des PRONET Teilprojekts "Mehrsprachigkeitspotentiale im bilingualen Sachfachunterricht" der drei Didaktiken für Englisch (Prof. Dr. Claudia Finkbeiner), Geschichte (Prof. Dr. Christine Pflüger) sowie Französisch und Spanisch (Prof. Dr. Bernd Tesch) veranstalteten Prof. Dr. Claudia Finkbeiner und Prof. Dr. Bernd Tesch zusammen mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Petzoldt im Sommersemester 2017 zwei interdisziplinäre Seminare zum bilingualen Lehren und Lernen. Für diese Lehrveranstaltungen hatten die Studierenden Unterrichtsmaterialien vorbereitet, die in Form einer neuartigen Studierendenkonferenz erprobt und evaluiert wurden.

Um die Überschneidungsbereiche der fremdsprachigen Fachdidaktiken für die Entwicklung eines neuen Unterrichtskonzepts für Mehrsprachigkeitspotentiale im bilingualen Sachfachunterricht fruchtbar und sichtbar zu machen, wurden dieses Semester die beiden Projektseminare „CLIL Texts & Tasks: A Language Awareness Approach“ sowie „Französisch- und Spanisch bilingual unter der Lupe - Innovation und Forschung in der Fremdsprachendidaktik“ verzahnt veranstaltet. In Form einer Studierendenkonferenz mit mehreren alternierenden Gruppen wurden die vorbereiteten Unterrichtsmaterialien in englischer, französischer und spanischer Sprache für die Sekundarstufen l und ll diskutiert und auf die Konzepte der Language Awareness, Multiperspektivität (im Sinne des Human GPS Ansatzes) und Kontroversität hin untersucht.

Die Materialien sollten die sogenannte „Stunde Null“, wie das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa verschiedentlich bezeichnet wird, ins Zentrum stellen und die unterschiedliche Wahrnehmung dieses Ereignisses in verschiedenen Ländern herausarbeiten und ggf. mit der Wahrnehmung in Deutschland vergleichen. Dies sollte besonders anhand sprachlicher Schlüsselbegriffe aus den jeweiligen Sprachen in ausgewählten Quellen deutlich gemacht werden. Die Lehramtsstudierenden hatten das Ziel, Schülerinnen und Schülern durch die Sprache und die genutzten Quellen einen Perspektivwechsel in die jeweils andere Kultur und andere historische Wahrnehmungen zu ermöglichen, um sie so für unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen zu sensibilisieren.

In beiden Sitzungen wurden die Gruppen über die Seminargrenzen und Sprachen hinweg gemischt und die Unterrichtsmaterialen wurden jeweils von einer oder zwei Personen aus der jeweilig anderen Gruppe überprüft und evaluiert. Dazu verwendeten die Studierenden einen Bewertungsbogen für den bilingualen Unterricht, in dem „Curriculare Validität“, „Sprachbewusstheit“ oder Multiperspektivität“ wichtige Kriterien abbildeten. Schließlich wurde im Plenum über die Ergebnisse und die Herausforderungen, die sich den Studierenden bei der Bearbeitung und Bewertung der Unterrichtsmaterialien ergaben, diskutiert.

So erforderte es einen erhöhten Einsatz, für die Altersstufen angemessene Quellen zu finden. Darüber hinaus lernten die Studierenden, dass Übersetzungen oder umfangreiche Vokabellisten die Entwicklung von Sprachbewusstheit und Mehrsprachigkeit verhindern können. Hier wäre ein Text Mapping hilfreich. Im Gegensatz zu Wortschatzlisten sollten die Lernenden nur die wichtigen, ihnen unbekannten Vokabeln unterstreichen und über diese würde dann in der Klasse diskutiert. Außerdem müsse das Ziel des Perspektivwechsels bereits in den Aufgabenstellungen deutlich gemacht werden. (Fach-) Konzepte sollten den Schülerinnen und Schülern bewusst werden. Ein wichtiger Punkt sei zudem die Balance zwischen Inhalt und Sprache. Weder das eine noch das andere sollte überwiegen, denn bilingualer Unterricht sei weder reiner Sprachunterricht noch reiner Sachunterricht. Er benötige ein eigenes Curriculum.

Die Studierenden, die an diesem neuen Format der Studierendenkonferenz teilnahmen, betrachteten es als sehr interessant, neue Konzepte im bilingualen Unterricht kennenzulernen und zu entwickeln. Durch die Teilnahme von Kommilitoninnen und Kommilitonen aus der Romanistik und der Anglistik, die jeweils zusätzlich unterschiedliche Sachfächer studierten, führte die interdisziplinär angelegte Studierendenkonferenz zu einem regen Austausch. Dem Problem eines fehlenden Zugangs zu der einen oder anderen Sprache wurde authentisch über Peer Kooperation und Peer Feedback begegnet. So wurde Deutsch als übergreifende lingua franca eingesetzt.

BIKA Gesamtsitzung am 25.01.2017

Übergabe der BIKA Zertifikate an Frau Tatjana Schrör und Frau Christine Glück (von links: Prof. Dr. Claudia Finkbeiner, Tatjana Schrör, Christine Glück, Prof. Dr. Christine Pflüger; Foto: Anna Petzoldt)
Übergabe der Teilnahmebestätigungen an Herrn Timo Gerke und Herrn Lars Förster (von links: Stephan Oppelt, Prof. Dr. Christine Pflüger, Timo Gerke, Lars Förster, Prof. Dr. Claudia Finkbeiner; Foto: Anna Petzoldt)

 Die sehr gut besuchte, achte Sitzung der BIKA – Bilingual Kassel AG, die am 25.01.2017 stattfand, war spannender und ertragreicher denn je.  Zunächst erhielten Tatjana Schrör, Studierende an der Universität Kassel, und Christine Glück, Referendarin an der Albert-Schweitzer-Schule Kassel, ihre BIKA Zertifikate für die erfolgreiche Absolvierung der bilingualen Module. Das Alleinstellungsmerkmal des BIKA Zertifikats wurde unterstrichen





Im Anschluss daran folgte ein interessanter Vortrag von Herrn Dr. Michael Maset, Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule Kassel, der gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Frage erörterte, wie ein fachspezifisches Unterrichtsmodell für den bilingualen Geschichtsunterricht aussehen könnte.

Den zweiten Teil der Sitzung begannen Prof. Dr. Christine Pflüger und Prof Dr. Claudia Finkbeiner mit der Präsentation erster Ergebnisse des PRONET Projekts P9 „Mehrsprachigkeitspotentiale im bilingualen Sachfachunterricht“, das gemeinsam mit Prof. Dr. Bernd Tesch durchgeführt wird. Herr Timo Gerke, Lehrer an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Kassel, und Herr Lars Förster, Lehrer an der Modellschule Obersberg Bad Hersfeld, erhielten eine Teilnahmebestätigung für ihre Mitwirkung an dem o.g. Projekt. Am Ende des Wintersemesters 2016/17 hatten Herr Gerke und Herr Förster sowie deren Schülerinnen und Schüler ihrer bilingualen Geschichtskurse das Projekt unterstützt, indem sie sich zur von Frau Anna Petzoldt durchgeführten Teilnahme an der Hintergrunderhebung und zu Audioaufnahmen bereit erklärten. Die Übergabe erfolgte durch Prof Dr. Claudia Finkbeiner und Prof. Dr. Christine Pflüger.

Im Letzten Teil der Sitzung fand eine anregende Debatte statt zu verschiedenen Herausforderungen bilingualen Lehrens und Lernens.
Text: Anna Petzoldt

Bilinguales Lehren und Lernen – Ein kompetenzorientiertes Professionalisierungsmodell für Lehramtsstudierende der Sprachen (Englisch / Französisch) und des Fachs Geschichte

 

Information

Das Lehrinnovations-Projekt knüpft an die Didaktik des BLL (Bilinguales Lehren und Lernen) oder CLIL (content and language integrated learning) an und ermöglicht Studierenden der Universität Kassel im Rahmen der Lehramtsstudiengänge ein bilinguales Profil zu erwerben. Dabei werden Basiskompetenzen erworben und weiterentwickelt, die es später erlauben, den Anforderungen des bilingualen Lehrens nachzukommen. Das bilinguale Lehren und Lernen im Fach Geschichte stellt seit Einführung der neuen Kerncurricula 2011 in Hessen einen integralen Bestandteil des Geschichtsunterrichts dar.

Das Lehrprojekt wird in Kooperation zwischen der Didaktik der Geschichte (Fachbereich 05) und dem den Geistes- und Kulturwissenschaften (Fachbereich 02) durchgeführt. Kooperationspartner sind Prof. Dr. Christine Pflüger (Didaktik der Geschichte), Prof. Dr. Claudia Finkbeiner (Anglistik/Amerikanistik/Fremdsprachen Lehr- und Lernforschung), sowie das Institut für Romanistik (Französisch). Die entsprechenden Seminare werden jedes Semester von den beiden Arbeitsgebieten angeboten. Sie bieten den Studierenden die Möglichkeit ein Zertifikat zu erwerben, welches ihnen Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich des bilingualen Lehrens und Lernens bestätigt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit das SPS II im Fach Geschichte an einer Schule mit bilingualem Profil zu absolvieren.

Im Rahmen des Lehrinnovationsprojekts wird das bestehende BIKA-Zertifikat durch die Integration der Didaktik der Geschichte erweitert.

Das Angebot richtet sich an Lehramtsstudierende (L2 oder L3) der Gesellschaftswissenschaften und der Fremdsprachen Französisch oder Englisch.

Informationen zu BIKA

 



Kontakt

Kontakt:

 

Prof. Dr. Claudia Finkbeiner

Fachgebiet Fremdsprachenlehr- und -lernforschung &

Interkulturelle Kommunikation

Universität Kassel

+49 561 804-3353

cfink@uni-kassel.de

 

Prof. Dr. Bernd Tesch

Fremdsprachenlehr- und -lernforschung: 

Didaktik des Französischen und Spanischen

Universität Kassel

+49 561 804-3360

tesch@uni-kassel.de

 

Prof. Dr. Christine Pflüger

Geschichtsdidaktik

Universität Kassel

+49 561 804-3116

christine.pflueger@uni-kassel.de