Profil des Fachgebiets

Die Frühe Neuzeit – die Zeitspanne vom ausgehenden 15. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert – gilt als Epoche der Transformation vom Mittelalter hin zur Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Revolution der Druckmedien, der Beginn der konfessionell-religiösen Pluralität, die Entstehung des modernen Staates, die Expansion Europas in die übrige Welt bzw. die Globalisierung, die sogenannte Erfindung der modernen Wissenschaften und die Säkularisierung der Weltdeutungen werden das Gesicht der modernen Welt bestimmen und lassen die Frühe Neuzeit als „Musterbuch der Moderne“ erscheinen. Charakteristischer Weise verliefen diese Entwicklungen jedoch nicht linear und eindimensional, sondern überraschend widersprüchlich und komplex.

Die Frühe Neuzeit ist uns in vielerlei Hinsicht sogar sehr fremd. Der Geburtsstand, das „Herkommen“, Ehre und Religion spielten im Denken und Handeln der Menschen eine entscheidende Rolle, Kleidungs- und Lebensgewohnheiten waren streng reglementiert, die Welt war von magischen Vorstellungen durchdrungen, Astrologie und Alchemie galten als anerkannte Wissenschaften, der „Schwarze Tod“, Hexenverfolgungen und Endzeitvisionen waren ständig gegenwärtig.
Dieses Nebeneinander von Ungleichzeitigem, von Vertrautem und Fremdem in der eigenen Kultur macht den besonderen Reiz der Frühen Neuzeit aus. Nicht zuletzt ist es der Blick auf das Andere, auf die Alternativen in der Geschichte, speziell im Entstehungsprozess der Moderne, durch den die Beschäftigung mit der Frühen Neuzeit ihre besondere Aktualität gewinnt.
Das Lehrangebot an der Universität Kassel spiegelt diese Forschungsperspektiven, in dem es den Studierenden der Lehramts-, Bachelor- und Masterstudiengänge neben einem thematisch breiten Grundlagen- und Überblickswissen der deutschen und europäischen Geschichte die faszinierende Vielfalt und die Ambivalenzen der Epoche in Kultur, Gesellschaft und Politik vermittelt.