Al­ters­vor­sor­ge Ein­zel­han­del

(Nicht)In­an­spruch­nah­me des ta­rif­lich fi­xier­ten Al­ters­vor­sor­ge­bei­trags im Ein­zel­han­del. In­di­vi­du­el­le und struk­tu­rel­le Kon­stel­la­tio­nen

2001 wurde für den Einzelhandel eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzleistung zur Alterssicherung tariflich festgeschrieben. Bisher zeigt sich jedoch, dass dieses Angebot durch die Beschäftigten kaum angenommen wird. Einerseits erscheint das mit Blick auf die zweite Säule der Alterssicherung als ein strukturelles Problem. Andererseits ist es für die Beschäftigten im Einzelhandel besonders problematisch, da zusätzliche Rentenansprüche aus der betrieblichen und privaten Säule der Alterssicherung aufgrund der häufig niedrigen Löhne in dieser Branche besonders wichtig sind, um das sinkende Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung abzufedern und Altersarmut zu vermeiden.

Laufzeit:
01.04.2020 - 31.07.2021

Kooperation:
DRV
Netzwerk Alterssicherung

Projektleitung:
Prof. Dr. Wolfgang Schroeder

Mitarbeiter:
Lukas Heller
Dr. Samuel Greef

Die Gründe für die Nichtinanspruchnahme dieses Angebots von weiten Teilen der Beschäftigten im Einzelhandel stehen daher im Zentrum dieses Projektes. Ziel ist es, sowohl die individuellen verhaltensökonomischen Faktoren als auch die strukturellen Konstellationen des betrieblichen Umfeldes herauszuarbeiten, die dazu beitragen, dass das bestehende tarifliche Angebot betrieblicher Altersvorsorge im Einzelhandel nicht oder kaum in Anspruch genommen wird. Darüber hinaus sollen Instrumente, Maßnahmen und Anreize identifiziert werden, die als wirksame Steuerungsoptionen die Inanspruchnahme verbessern können.

Methodisch folgt die Untersuchung einem dreistufigen sequentiellen Design. Zunächst werden aus der Literatur zur betrieblichen Altersvorsorge erste Hypothesen im Hinblick auf mögliche Gründe, die zur Nichtinanspruchnahme führen, gewonnen. Auf dieser Basis werden qualitative Interviews mit ArbeitgebervertreterInnen, BetriebsrätInnen und MitarbeiterInnen geführt, um die aus der Literatur gewonnenen Hypothesen zu überprüfen und bisher unbekannte Gründe zu ergänzen. In einer zweiten Erhebungsphase werden weitere Interviews geführt, um die Muster für die (Nicht-)Inanspruchnahme zu typisieren. Für die gesamte Erhebung werden ca. 35 Interviews in 7 bis 10 Betrieben einkalkuliert. Zuletzt werden die Befunde in praxisorientierte Handlungsoptionen überführt, die dazu beitragen können, die Nutzerquoten zu erhöhen. Die Ergebnisse werden neben der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit mittels zwei Transferworkshops auch in die Praxis transferiert.