Ka­tha­ri­na Ben­de­roth

Universität Kassel
Kasseler Internationales Graduiertenkolleg Gesellschaftswissenschaften (KIGG)
Mönchebergstraße 21a
24127 Kassel

E-Mail: katharina.benderoth[at]uni-kassel[dot]de
Telefon: +49 561 804-7126

 

Zur Per­son

Katharina hat von 2004 bis 2010 Politik- und Kunstwissenschaft an der Universität Kassel studiert sowie Global Affairs an der Rutgers University, Newark, New Jersey. Zwischen 2010 und 2016 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am International Center for Higher Education Research (INCHER-Kassel) der Universität Kassel und unterstützte dort besonders das Projektmanagement im Kooperationsprojekt Absolventenstudien. Weiterhin organisierte sie zwei internationale Tagungen des INCHER-Kassel in Berlin. Seit Herbst 2015 ist sie Mentee im Hessischen Mentoringprogramm SciMento. In diesem Programm werden Nachwuchswissenschaftlerinnen während der Promotion und als Post-Doc begleitet.

In ihrer Dissertation „Europäisierung und Interessenorganisationen – Eine Strategieanalyse der Wohlfahrtsverbände“ untersucht sie, inwiefern sich die Wohlfahrtsverbände aufgrund der Vorgaben des europäischen Mehrebenenegierens europäisiert haben und wie sie ihre Interessen auf der EU-Ebene vertreten. Das Projekt wird seit Juni 2016 durch ein Promotionsstipendium des Otto-Braun-Fonds der Universität Kassel gefördert.

Ab­stract Pro­mo­ti­ons­pro­jekt

Europäisierung und Interessenorganisation – Eine Strategieanalyse der Wohlfahrtsverbände

Seit der Jahrtausendwende haben die Europäische Kommission mit ihren Richtlinien, ihren Grün- und Weißbüchern, sowie der Europäische Gerichtshof mit seinen Urteilen die Entwicklung der nationalen Sozialgesetzgebung entscheidend beeinflusst. Der Wandel, welchem die nationalstaatlichen Systeme und deren Akteure unter den Bedingungen des zunehmenden Einflusses der Europäischen Union ausgesetzt sind, vollzieht sich sowohl auf nationalstaatlicher als auch auf der EU-Ebene. Die Politikwissenschaft bezeichnet dies als Europäisierung. Auch die soziale und politische Arbeit der deutschen Wohlfahrtsverbände wird zunehmend von den europäischen Entscheidungen und Urteilen beeinflusst.   
Basierend auf dem Subsidiaritätsprinzip nehmen die Wohlfahrtsverbände im deutschen Sozialstaatsmodell eine tragende Rolle im Bereich sozialer Dienstleistungen ein, welche sie in Zusammenarbeit mit öffentlichen Trägern zur Verwirklichung einer gerechten Sozialordnung ausüben. Die marktschaffenden Entscheidungen der Europäischen Union wandeln diesen Bereich und führen zu einer stärkeren privaten Konkurrenz in dem von den Wohlfahrtsverbänden dominierten Sektor. Entgegen der festen und anerkannten Einbindung der Wohlfahrtsverbände als Mitgestalter der deutschen Sozialpolitik (Korporatismus), charakterisiert sich der europäische Willensbildungsprozess durch seine eigene spezielle Regierungsform und Verhandlungslogik, dem Lobbyismus. In diesem nehmen die Wohlfahrtsverbände keine feste inkorporierende Stellung ein und stehen zudem in Konkurrenz zu einer Vielzahl nationaler und ökonomischer Interessen. Die Verlagerung der Verhandlungsarena politischer Entscheidungen auf die europäische Ebene, welche direkt oder indirekt die nationale Sozialpolitik beeinflussen, erfordert, so die grundlegende Annahme der Arbeit, entsprechende strategische Anpassungen auf Seiten der Wohlfahrtsverbände, um als Interessenvertreter ihrer Klientel, ihrer haupt- sowie ehrenamtlichen Mitarbeiter, handlungsfähig zu bleiben.    
Die Europäisierung der Interessenvertretungsfunktion der Wohlfahrtsverbände wurde bisher kaum empirisch analysiert. Auch können die bestehenden Europäisierungsmodelle weder die Komplexität noch die Herausforderungen der Wohlfahrtsverbände erklären, da diese einerseits Adressaten und andererseits Gestalter politischer Entscheidungen sind. Zudem vertreten sie heterogene Interessen. Die Wohlfahrtsverbände eignen sich daher besonders, um Europäisierungsstrategien spezieller organisierter Interessen zu untersuchen.    
Anhand der EU2020 Strategie werden die Anpassungen der deutschen Wohlfahrtsverbände seit der Jahrtausendwende dargestellt, mit einer Strategieanalyse untersucht und miteinander verglichen. Als Datengrundlage dienen Experteninterviews mit EU-Experten der Spitzenverbände sowie mit Mitarbeitern der Wohlfahrtsverbände auf nationaler Ebene. Weiterhin werden Interviews mit Kooperationspartnern und den politischen Adressaten der Wohlfahrtsverbände auf der EU-Ebene aber auch auf nationaler Ebene, die in EU-Angelegenheiten aktiv sind, geführt.     
Ziel der Arbeit ist neben der Bestandsaufnahme der Europastrategien der Wohlfahrtsverbände auch eine praxisnahe Handlungsempfehlung für die Europaarbeit der Spitzenverbände.

(Stand: Oktober 2016)