Lehr-Lern-La­bor

Konzept

Die Konzeption, Einrichtung und wissenschaftliche Begleitung eines Lehr-Lern-Labors Sportpädagogik am Institut für Sport und Sportwissenschaft erfolgt im Rahmen von PRONET2 (Professionalisierung durch Vernetzung – Qualitätsoffensive Lehrerbildung). Das Teilprojekt des IfSS sieht vor, dass anlässlich der Studien im Labor unterrichtsrelevante Themen an universitären und schulischen Lernorten pädagogisch aufbereitet, didaktisch erprobt und individuell reflektiert werden. Damit verbunden ist die Zielsetzung, dass Lehramtsstudierende durch eine authentische und komplexitätsreduzierte Lernumgebung in der Entwicklung ihrer pädagogischen Professionalität gefördert werden. Im Vordergrund stehen aktive, selbstgesteuerte Lernprozesse in denen die Teilnehmenden Unterrichtspraxis – real und/oder in Form von (Video-)Fallarbeit – aus einer forschenden Haltung heraus analysieren und reflektieren sollen.

Abbildung 1 veranschaulicht den Arbeitsprozess und die theoretischen Bezugspunkte des Lehr-Lern-Labors. Einen zentralen Bezugspunkt bilden die Komponenten professioneller Handlungskompetenz von Lehrkräften, die Terhart (1991) bereits Anfang der 1990er Jahre grundlegend in die Dimensionen des Wissens, Wollens und Handelns einteilte. Zur weiteren Konkretisierung werden bezogen auf die universitäre Lehrer*innenbildung die Bereiche des pädagogischen Wissens (u.a. Baumert & Kunter, 2006) unterschieden und mit Blick auf die Schule die Qualitätsdimensionen guten (Sport-)Unterrichts (u.a. Herrmann, Seiler & Niederkofler, 2016) berücksichtigt.

Abbildung 1: Lehr-Lern-Labor Sportpädagogik – Bezugspunkte und Arbeitsprozesse

 

Anwendung

Die Veranstaltungen im Rahmen des Labors zeichnen sich durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis aus. So können theoriegeleitete Diskurse unter Bezug auf praktische Fälle stattfinden. In diesem Kontext kann der professionelle Blick auf das Handeln von Lehrkräften in besonderer Weise geschult werden, etwa durch Video-Fallarbeit oder Unterrichtshospitation. Mit der Zielvorstellung Professionalität durch Reflexivität ist auch das Anliegen verbunden, die eigene Lehrerpersönlichkeit weiterzuentwickeln. Auf diesem Wege können angehende Lehrkräfte auf den beruflichen Alltag vorbereitet werden und im Umgang mit unterrichtlichen Situationen Sicherheit gewinnen.

Die portfoliogestützten Veranstaltungskonzepte, welche die nachhaltige Förderung der Reflexionsfähigkeit von Sportstudierenden zum Ziel haben, nutzen u.a. eigens produzierte Videosequenzen aus dem Sportunterricht, die in einer separaten Rubrik im Videoportal ´Unterricht unter der Lupe´ implementiert sind. Die mit Untertiteln versehenen Videofälle sind thematisch geordnet und mit Begleitmaterialien (methodisch-didaktischer Kommentare) versehen. Eine Erweiterung des Fallarchivs ist vorgesehen.

Zu den bislang behandelten Themenstellungen in der sportpädagogischen Laborarbeit (ein- und zweisemestrige Veranstaltungen) gehören die Heterogenität und Differenzierung, der bewegte Fachunterricht, der inklusive Sportunterricht sowie die Unterrichtsqualität unter dem Fokus der kognitiven Aktivierung. Weitere Themenschwerpunkte und Veranstaltungsformate sollen folgen.

Abbildung 2 zeigt exemplarisch das Konzept eines zweisemestrigen Projektseminars. Im Sinne des Forschenden Lernens vertiefen die Sportstudierenden in Arbeitsgruppen zunächst Fragestellungen zur Unterrichtsqualität, Heterogenität und Differenzierung sowie Unterrichtsforschung. Ausgehend von diesem theoretisch-konzeptionellen Wissen folgen themenbezogene Hospitationsphasen mit Reflexionsaufgaben. Im zweiten Semester beobachten und analysieren die Arbeitsgruppen eine heterogene Lerngruppe, um darauf aufbauend begründet Unterrichtsstunden mit differenzierenden Maßnahmen zu planen und durchzuführen. Die Beobachtung dieser Sportstunden werden abschließend ausgewertet und reflektiert.

Abbildung 2: Projektseminar

Publikationen

Beiträge

Albert, A., Scheid, V. & Hillebrand, T. (2021, i.V.). Reflexion im Sportstudium – Forschendes Lernen im Lehr-Lern-Labor Sportpädagogik. In J. Klusmeyer & D. Bosse (Hrsg.), Konzepte reflexiver Praxisstudien in der Lehrer*innenbildung (Sammelband Handlungsfeld I). Springer VS.

Thissen, A., Scheid, V. & Albert, A. (2019). Unterrichtsreflexion und Videofallarbeit – Eine Studie zur Reflexionsfähigkeit von Sportstudierenden im Schulpraktikum. sportunterricht, 68(5), 207-213.

Thissen, A. (2019). Reflexionsfähigkeit in der Lehrerbildung – eine empirische Untersuchung im Rahmen der Schulpraktika im Fach Sport. Dissertation, Universität Kassel (August 2019).

Thissen, A., Albert, A. & Scheid, V. (2019). Förderung von Reflexionsfähigkeit durch (Video-)Fallarbeit im Fach Sport. In M. Hartmann, M., R. Laging & C. Schein-ert (Hrsg.), Professionalisierung in der Sportlehrer*innenbildung. Konzepte und Forschungen im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ (Reihe Bewegungspädagogik, Bd. 13) (S. 165-175). Schneider.

 

Poster und Vorträge

Hillebrand, T., Scheid, V., & Albert, A. (2021). Professionalisierung im Lehr-Lern-Labor Sportpädagogik. Präsentation Jahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik, Hildesheim 2021

Albert, A., Thissen, A., Scheid, V., Breithaupt, T. & Isermann, K. (2019). Forschendes Lernen im Lehr-Lern-Labor Sport. Universität Kassel
(Präsentation 24. dvs-Hochschultag, Berlin 2019).

Scheid, V., Albert, A., Thissen, A. & Breithaupt, T. (2019). Lehr-Lern-Labor Sport – entdeckendes und forschendes Lernen in der Sportlehrer*innenbildung. Universität Kassel (Präsentation Jahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik, Heidelberg 2019).

Albert, A., Scheid, V. & Thisssen, A. (2018). Videofallarbeit in der Ausbildung von Sportlehrkräften – Zum Einsatz des Fallarchivs „Unterricht unter der Lupe“ in der Reflexion von Qualitätsmerkmalen im Sportunterricht. Universität Kassel
(Präsentation Jahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik, Chemnitz 2018).