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Call for Papers

Webinar Series on „Postcolonial Perspectives on Protest and Reform in the Global Political Economy“

+++ german below +++

Call for Contributions - Update

Invitation to submit papers for a Virtual Workshop of the Junior Research Group "Protest and Reform in Global Political Economy from the Perspective of Postcolonial Political Science". Full Call for Contributions is available below. 

The Webinar Series will deal with the topic related to "Postcolonial Perspectives on Protest and Reform in Global Political Economy" and will take place from 15 - 17 September 2020.

Contribution ideas can be submitted until June 15, 2020 on a maximum of one page in German or English.

Contact: protestreform@mailbox.org

 

Call for Contributions - Update

Es werden um Beiträge für einen virtuellen Workshop der Nachwuchsforscher*innengsgruppe „Protest und Reform in der Globalen Politischen Ökonomie aus Perspektive einer Postkolonialen Politikwissenschaft" gebeten. Der vollständige Call for Contributions befindet sich weiter unten.

Dieser wird zum Thema „Postkoloniale Perspektiven auf Protest und Reform in der Globalen Politischen Ökonomie“ sein, und vom 15. - 17 September 2020 stattfinden. 

Beitragsideen können bis zum 15. Juni 2020 auf maximal einer Seite in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden.

Kontakt: protestreform@mailbox.org

Full Call / Vollständiger Call

CfC_EN_Updated.pdf

Call in English

CfC_DE_mit_Update.pdf

Call in Deutsch


Beiträge für die Ausgabe 161 der Zeitschrift 'Peripherie'

Für die Ausgabe 161 (erscheint im Frühjahr 2021) der Zeitschrift Peripherie werden um Beiträge zum Thema "Globalisierungskritik postkolonial" gebeten. 

Call for Papers:

Seit über 20 Jahren machen weltweit Protestbewegungen auf die fatalen Auswirkungen einer neoliberalen Globalisierung aufmerksam. Oft als Globalisierungskritik bezeichnet, artikulieren sich diese Proteste insbesondere im Widerstand gegen die Institutionen der globalen politischen Ökonomie wie die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds und die Welthandelsorganisation.  Großereignisse  der  globalisierungskritischen  Bewegungen  wie  die  Gipfelproteste  in  Seattle (1999), in Prag (2000), in Genua (2001) oder das erste Weltsozialforum in Porto Alegre (2001) sind bis heute in der kollektiven Erinnerung vieler Aktivist*innen verankert.Die kritisierten Internationalen Organisationen haben unter anderem als Reaktion auf die Proteste eine Vielzahl an Reformen durchgeführt, die von einer Öffnung gegenüber NROen bis  zu  Rechenschaftsmechanismen  für  Betroffene  von  sogenannten  Entwicklungsprojekten  reichen.  Während  die  wissenschaftliche  Auseinandersetzung  diese  institutionellen  Reformen  zwar begleitet hat, sind kritische Arbeiten zum Zusammenhang zwischen globaler Protestbewe-gung und institutionellen Reformen rar gesät. Insbesondere postkoloniale Perspektiven fehlen weitgehend. Das überrascht umso mehr, als sich postkoloniale Studien bereits seit Beginn der 1990er Jahre – also parallel zur globalen Protestbewegung – ebenfalls einer Kritik der Nord-Süd-Verhältnisse verschrieben haben. Mit „Globalisierungskritik postkolonial“ suchen wir damit nach einer kritischen Ergänzung des politikwissenschaftlichen Forschungsstands zur globalen Protestbewegung und institutionellen Reformprozessen, z.B. durch einen Fokus auf koloniale Kontinuitäten und die Analyse mittels postkolonialer Konzepte wie „Othering“ und subalterne Repräsentation. Darüber hinaus möchten wir zur (selbst)kritischen Reflexion von Nord-Süd-Asymmetrien innerhalb der globalen Protestbewegung einladen.

Wir freuen uns über Beiträge zu folgenden Fragen:

-Was  haben  die  globalisierungskritischen  Proteste  bis  heute  erreicht?  Welche  ihrer  Ziele  haben  sie  bislang  verfehlt?  Welche  Akteure  und  sozialen  Gruppen  sind  wo  an  welchen  globalisierungskritischen Protesten beteiligt? Wie werden die Proteste lokal, national und international wahrgenommen?

-Wie „global“ oder wie „weiß“ waren und sind die Protestbewegungen? Welche Nord-Süd-Asymmetrien gibt es innerhalb der Bewegungen und wie werden sie verhandelt?

-Wessen Forderungen und Kritiken wurden in Reformen aufgenommen und welche nicht? Welchen Einfluss haben die umgesetzten Reformen auf gegenwärtigen Politiken?

-Welche Rolle spielen Prozesse der Kooptation, Aneignung und des „Silencing“ von und innerhalb der Bewegungen? Wie gehen Aktivist*innen und Bewegungen damit um?

-Welche  konzeptionellen  Möglichkeiten  und  Herausforderungen  ergeben  sich  aus  einer  postkolonialen Perspektive auf Globalisierungskritik?

Redaktionsschluss für Artikel ist der 10. August 2020.

Manuskripte, Rücksprachen zu möglichen Beiträgen und weitere Fragen richten Sie bitte an info@zeitschrift-peripherie.de. Weitere Hinweise für Autor*innen stehen auf unserer Website unter http://www.zeitschrift-peripherie.de zum Herunterladen bereit.


Stellenausschreibungen

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in am Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien

Im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien (Prof. Dr. Aram Ziai), ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die folgende Stelle zu besetzen:

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d)

Ihre Aufgaben:

  • Wissenschaftliche Mitarbeit in Forschung und Lehre im Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien, insbesondere auch im Masterstudiengang Global Political Economy and Development
  • Selbständige Bearbeitung eines Promotionsvorhabens im Bereich Globale Politische Ökonomie, Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien

Voraussetzungen

  • Mit sehr gutem Erfolg abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium der Politikwissenschaft oder einer verwandten sozialwissenschaftlichen Disziplin. Der geforderte Abschluss muss spätestens zum Einstellungstermin vorliegen.
  • Sehr gute Englischkenntnisse
  • Gute Kenntnisse der Bereiche Globale Politische Ökonomie, Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien
  • Gründliche und eigenständige Arbeitsweisen
  • Ein hohes Maß an Organisationsfähigkeit

Wünschenswert:

  • Publikationserfahrung
  • Lehrerfahrung
  • Erfahrung in Forschungsprojekten
  • Bereitschaft zur Mitarbeit in Projekten gesellschaftlichen Transfers des Fachgebiets.

Bewerbungsfrist: 06.05.2020.

Bewerbungen von Persons of Colour/Personen mit Rassismuserfahrung sind willkommen.

Die Stellenausschreibung im Bewerbungsportal der Universität Kassel finden Sie hier.


Ausschreibungen

PhD Scholarships at the Global Partnership Network (GPN)

In the framework of its Graduate School of Research for Global Partnership, the GPN invites students from ODA recipient countries to apply for a PhD scholarship at a GPN partner university. PhD projects should relate to one of the three GPN research clusters: Global partnerships 1) in the global economy (in the fields of agriculture, finance, and energy), 2) in development cooperation (access, accountability, deep participation), 3) in knowledge production (Eurocentrism and alternative knowledge). 

The GPN is committed to creating equal opportunities for doctoral candidates. It particularly encourages women and people from other marginalized groups to apply.

For further information, please visit this link.

Application Deadline: 7 May 2020


Veröffentlichungen & Beiträge

Antisemitismus, Rassismus und postkoloniale Studien. Drängende Fragen zur „Causa Mbembe“

In dem Text „Postkoloniale Theoretiker: Leerstelle Antisemitismus“ in der taz vom 25./26. April1 werfen Saba-Nur Cheema und Meron Mendel dem kamerunischen und in Südafrika lehrenden Historiker Achille Mbembe Antisemitismus vor und werfen den postkolonialen Studien Ignoranz gegenüber Antisemitismus und ein manichäisches Weltbild vor. Beide Thesen halte ich für problematisch.

Vorab, zur Klarstellung und zur Vermeidung von Frontenbildung: Wir alle sind durch unsere Sozialisation u.a. mit rassistischen und antisemitischen Argumentationsmustern in Berührung gekommen und reproduzieren sie, wenn wir uns nicht selbstkritisch mit ihnen auseinandersetzen. Antisemitismus ist auch heutzutage ein brandgefährliches gesellschaftliches Problem, das weithin unterschätzt wird, und in manchen Fällen ist Israelkritik tatsächlich ein Ventil für antijüdische Ressentiments. Doch genau wie in der Critical Whiteness schießen auch in der Antisemitismusforschung manche Leute übers Ziel hinaus und urteilen zu schnell, zu pauschal und zu scharf. So wie hier: Cheema und Mendel weisen darauf hin, dass Mbembe die israelische Palästinenserpolitik mit der Apartheidpolitik Südafrikas vergleicht bzw. gleichsetzt und das alttestamentarische Prinzip „Auge um Auge“ ursächlich mit „Zerstörungsideologien“ auf der Welt verknüpft. Es braucht schon eine recht weite, vielleicht zu weite Definition, um dies als hinreichend für Antisemitismus anzusehen, aber es ist nicht komplett aus der Luft gegriffen. Unredlich wird es allerdings, wenn die Autor_innen Mbembe unterstellen, für seine Art von Israelkritik sei „das Problem … die schiere Existenz des Judenstaats“. In dem von ihnen zitierten Artikel in der ZEIT schreibt Mbembe unmissverständlich: „das Existenzrecht Israels ist grundlegend für das Gleichgewicht der Welt“.2

Man könnte jetzt natürlich einwenden, Mbembe sei durch die Unterstützung der BDS-Kampagne überführt, da er 2015 ein Vorwort für ein Buch verfasst hat, dessen Erlös einer BDS-Gruppe gespendet wurde.3 Zwar bestreitet auch BDS nicht offen das Existenzrecht Israels, fordert aber das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge und BDS-Vertreter_innen haben zumindest das Ende Israels als jüdischer Staat und eine Einstaatenlösung gefordert. Die Indizienkette ist jedoch lang und Mbembes gegenteilige Aussage eindeutig. Warum die Autor_innen dies nicht zur Kenntnis nehmen, bleibt ihr Geheimnis. Ebenso, warum sie bei der Problematisierung des Apartheid-Vergleichs nicht berücksichtigen, dass in Südafrika israelkritische Positionen aus einer Tradition des Widerstands gegen einen Staat stammen, der das Atomwaffenprogramm des Apartheid-Regimes unterstützte. Stattdessen stellen sie seine Äußerungen in einen anderen, vermeintlich „kolonialen“ Kontext: „deutsche Israelfeinde, die sich zur Legitimation ihrer Abneigung Schützenhilfe aus Südafrika einfliegen lassen“. Agency auf seiten Schwarzer Menschen? Fehlanzeige.

Wenn jedoch das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels so eine wichtige Rolle einnimmt, drängt sich die Frage auf, was mit dem Existenzrecht eines palästinensischen Staates ist, der seit Jahrzehnten von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung eingefordert wird, aber in der Debatte eine scheinbar untergeordnete Rolle spielt. Dies wird bisweilen gerechtfertigt mit dem Verweis darauf, dass die Existenz des Staates Israel die Konsequenz aus der Shoah (und davor schon jahrhundertelanger Verfolgung in Europa) war und somit einen besonderen Stellenwert hat. Doch wären dann nicht die Europäer_innen und an erster Stelle die Deutschen verpflichtet gewesen, den jüdischen Menschen Land abzutreten und ihnen einen eigenen Staat zu ermöglichen? Warum wurde stattdessen das den Palästinenser_innen versprochene Land weggenommen? Natürlich gab es auf jüdischer Seite den berechtigten Wunsch nach einer Heimat in Jerusalem. Aber den gab es auch auf palästinensischer Seite. Warum sollten arabische Menschen für die Verbrechen der Europäer_innen (v.a. der Deutschen) Vertreibung erleiden? Wer hat das überhaupt entschieden? Palästina war britisches Mandatsgebiet. Die Entstehung eines jüdischen Staates hat also nicht nur mit dem Krieg arabischer Staaten gegen Israel einerseits und mit britischen außenpolitischen Interessen und der zionistischen Bewegung andererseits zu tun, sondern auch mit Kolonialismus. Davon ist allerdings in der Debatte selten die Rede. Aus postkolonialer Perspektive zeigt sich hier ein wiederkehrendes Muster in der europäischen Öffentlichkeit: ein blinder Fleck.

Es trifft zu, dass der Apartheid-Vergleich problematisch ist, weil arabischstämmige bzw. nichtjüdische Menschen in Israel weitaus mehr Bürgerrechte genießen als Schwarze im rassistischen Südafrika bis zum Anfang der 1990er (wenn auch keine völlige rechtliche Gleichstellung). Es trifft allerdings auch zu, dass die israelische Besatzungspolitik die Kritierien der UN-Apartheidkonvention durchaus erfüllt und völkerrechtswidrig und menschenverachtend ist (letzteres sind Anschläge der Hamas auf israelische Zivilist_innen übrigens auch). Und es trifft zu, dass tatsächlich auffällig ist, wie oft die israelische Besatzungspolitik in der Weltöffentlichkeit kritisiert wird, im Vergleich zur chinesischen Besatzungspolitik in Tibet, oder der marokkanischen in der Westsahara. Auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Aber wenn wir in der deutschen Medienlandschaft über zweierlei Maß reden, drängt sich auch die Frage auf: wenn der sehr dünne Antisemitismusbefund im vorliegenden Fall für eine „Causa Mbembe“ (taz) ausreicht, warum haben wir dann keine Causa Martenstein oder Posener oder Stein? Alle drei Journalisten haben in den letzten Jahren in  angesehenen deutschen Tageszeitungen den Kolonialismus und Imperialismus samt seiner auf Rassismus gegründeten Willkürherrschaft verharmlost und zu rehabilitieren versucht, mit sehr viel eindeutigeren Äußerungen.4 Kein Skandal, nirgends. Aus Perspektive der postkolonialen Studien bleibt zu hoffen, dass es ihn wenigstens gäbe, wenn einer der drei einen Frantz-Fanon-Preis bekommen sollte.

Genau diese postkolonialen Studien werden von Cheema und Mendel in dem Beitrag scharf kritisiert. Mbembe stehe emblematisch dafür, dass sie Israel dämonisierten und unfähig seien, Antisemitismus als Problem ernst zu nehmen. Denn sie verstünden ihn ganz überwiegend als „nur eine andere Form von Rassismus“. Dies wird von ihnen offenbar als eine Abwertung empfunden, die das „Einzigartige“ am Antisemitismus ignoriert. Nun ist es in der Tat so, dass die Konstruktion der Andersartigkeit von jüdischen Menschen anders geprägt ist als die von muslimischen oder afrikanischen Menschen: „die Juden“ seien habgierig und einflussreich. Aber wie soziologische Theorien über „middlemen minorities“ (ethnische Minderheiten, die primär im Handel und Gewerbe tätig sind bzw. sein mussten) aufzeigen, ist dies gar nicht so weit weg von der Art, wie chinesische Menschen in Südostasien und indische Menschen in Ostafrika diskriminiert werden: als reiche Parasiten. Sicher, es gibt auch die Vorstellung von Übermacht und Verschwörung im Antisemitismus. Aber finden sich nicht auch Ähnlichkeiten in der Vorstellung eines Pakts von Eliten und Muslimen zum Bevölkerungsaustausch in Deutschland?

Doch auch wenn sich Antisemitismus von allen anderen Formen des Othering unterschiede: warum können verschiedene Arten von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nicht alle gleichberechtigt mitsamt ihrer Spezifika analysiert werden, wie in der vergleichenden Völkermordforschung?5 Warum soll es eine Abwertung sein, Antisemitismus „nur“ als eine Form von Rassismus zu begreifen? Warum muss hier eine Sonderrolle reklamiert werden? Eine Sonderrolle, die auch in den Schlagwörtern „Singularität des Holocaust“ und „Zivilisationsbruch Auschwitz“ zum Ausdruck kommt. Aimé Césaire vertrat die These, dass die Shoah vom weißen Europa nur deswegen als so schockierend empfunden worden sei, weil die Nazis weiße Europäer_innen rassistischen Praktiken unterwarfen, die vorher nur auf nichtweiße Menschen in Afrika, Asien und Amerika angewandt worden sein.6 Sind einige Opfer „gleicher als andere“?

Wenn, wie Cheema und Mendel schreiben, einige postkoloniale Theoretiker_innen Verständnis für Selbstmordattentate gegen israelische Zivilist_innen äußern, ist dies kritikwürdig. Hieraus jedoch eine „einseitige Parteinahme gegen Israel“ der ganzen Disziplin abzuleiten, ist nicht plausibel, ebensowenig wie die pauschale Behauptung einer „Leerstelle“ im Bereich Antisemitismus oder eines „manichäischen Weltbilds“. In den Sammelbänden „Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart“ und „Postkoloniale Politikwissenschaft“ setzen sich jeweils gleich mehrere Artikel auch mit Antisemitismus auseinander.7 Und postkoloniale Theoretiker_innen wie Stuart Hall oder Homi Bhabha haben sehr deutlich auf die Rolle der Kolonisierten und Ambivalenzen im kolonialen Diskurs hingewiesen, fernab von den unterstellten simplen Zweiteilungen in Unterdrücker und Unterdrückte.8

Woher rührt also die einseitig negative Wahrnehmung der postkolonialen Studien, die ja auch von rechter Seite neuerdings als akademischer Hauptfeind ausgemacht werden?9 Antisemitismus konstruiert Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit als anders und legitimiert ihre Abwertung und Ausgrenzung, ähnlich wie andere Rassismen. Linke Wissenschaftler_innen beider Felder kämpfen insofern gegen bzw. für die gleiche Sache. Kritik an Verkürzungen und blinden Flecken der jeweils anderen Seite – vermeintlichen oder tatsächlichen – sollte dies nicht aus den Augen verlieren.

Aram Ziai lehrt im Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel. Er dankt Bilgin Ayata, Daniel Bendix und Franziska Müller für hilfreiche Kommentare.



"Gerechtigkeit aus Sicht des Südens" - Ein Podcast mit Franziska Dübgen

Ein 36-Minütiger Podcast auf Deutschlandfunk Kultur zum Thema "Gerechtigkeit aus Sicht des Südens".

In ihrem Beitrag kritisiert Franziska Dübgen das Ausblenden von Ursachen der Armut in Ländern des Globalen Südens, welche im Zusammenhang mit den Folgen des europäischen Kolonialismus stehen. Gleichzeitig geht Sie auf alternative Konzeptionen von Gerechtigkeit und Gesellschaft ein, die die westliche Sichtweise produktiv herausfordern.

jetzt anhören


„Härten aber kein Völkermord. Deutscher Kolonialismus aus der Perspektive der AfD“ (Aram Ziai)

Erschienen am 20. Februar 2020 in der Frankfurter Rundschau.

Was die AfD unter kolonialen „Härten“versteht

Ein Antrag der Bundestagsfraktion biegt sich die Geschichte so zurecht, dass der Genozid in Deutsch-Südwestafrika nicht mehr vorkommt

Von Aram Ziai

 

Die AfD-Fraktion im Bundestag hat im Dezember 2019 einen Antrag eingereicht mit dem Titel „Die deutsche Kolonialzeit kulturpolitisch differenziert aufarbeiten“. Die in ihm geforderte Aufarbeitung soll v.a. „die gewinnbringenden Errungenschaften“ der deutschen Kolonialzeit herausstellen. Des weiteren soll der Bundestag zwar anerkennen, dass es im Rahmen des Kolonialkriegs in Deutsch-Südwestafrika 1904-1908 gegen die Herero und Nama zwar „unverhältnismäßige Härten und Grausamkeiten“ gegeben habe, von einem „Völkermord“ könne jedoch „keine Rede sein“. Dies weckt zunächst einmal literarische Assoziationen zu Erich Frieds Gedicht „Aufhellung dunkler Punkte“, in dem der Autor – als Reaktion auf die Freisprüche der Täter von My Lai in Vietnam, des Blutigen Sonntags in Nordirland und der Erschießung von Georg von Rauch – sich ausmalt, was das Resultat gewesen wäre, hätte man „nach 1945 die Klärung/ der Vorkommnisse bei der Judenumsiedlung in Auschwitz/ der SS überlassen“: „Vereinzelte Härten/ hätten sich zwar da und dort gefunden/ doch im Ganzen nur Pflichterfüllung/ und nirgends ein Blutbad“.

Doch Literatur beiseite, was sagt die Geschichtswissenschaft dazu? Die HistorikerInnen, einschließlich der vom AfD-Antrag irreführenderweise als Kronzeuginnen präsentierten Christiane Bürger und Susanne Kuß, sind sich einig, dass der Vernichtungsbefehl des Generalleutnants Lothar von Trotha („Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen“) und die ihn umsetzende Kriegsführung den Tatbestand des Genozids erfüllen. D.h. sie waren darauf gerichtet, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“. Trotha schrieb an den Generalstabschef: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss“. Eine recht eindeutige Beweislage, sollte man meinen. Nicht so für die AfD: diese betrachtet, gestützt auf einen Spiegel-Journalisten, der einen deutschstämmigen Hobby-Historiker aus Namibia interviewt hat, sowie auf eine in Namibia ansässige deutsche Archivarin, die von übertriebenen Opferzahlen und wenig effektiver Verfolgung der Herero durch die deutschen Truppen ausgeht, den „Vorwurf“ des Genozids als Produkt marxistisch-leninistischer DDR-Historiographie, das von westdeutschen Linken unkritisch übernommen worden sei. Ansonsten konstruiert der Antrag aus der Kontroverse über die Kontinuitäten zwischen dem kolonialen Genozid und dem Holocaust, dass es unter WissenschaftlerInnen eine Kontroverse über die Frage des Genozids gäbe. Dies trifft nicht zu.

Die angeblichen „gewinnbringenden Seiten“ des deutschen Kolonialismus werden im Antrag wie folgt untermauert: er habe dazu beigetragen Afrika „aus archaischen Strukturen zu lösen“; eine „signifikante Verbesserung der Lebensbedingungen“ bewirkt und die Infrastruktur wie Eisenbahnverbindungen gezielt ausgebaut; und schließlich habe er geholfen, „die Geschichte und Identität afrikanischer Völker zu bewahren“. Mit der Herauslösung aus „archaischen Strukturen“ zitiert die AfD den Afrikabeauftragten des BMZ Günter Nooke (CDU), aber auch gleichzeitig das Klischee eines rückständigen und gewaltvollen vorkolonialen Zustands aller afrikanischen Gesellschaften, die durch den Kolonialismus angeblich „zivilisiert“ und „entwickelt“ worden seien – den Legitimationsmythos europäischer Gewaltherrschaft in anderen Kontinenten schlechthin. Beweisen soll diese Herauslösung ein Zitat von einem Historiker, das behauptet, der europäische Kolonialismus habe in Afrika „gewaltsame Versklavungsprozesse“, „blutigste Gewalt“ und „Völkermorde“ beendet. Der Autor Egon Flaig ist allerdings keinesfalls ausgewiesener Experte für den europäischen Kolonialismus, nicht einmal für neuzeitliche Geschichte, sondern hat zu altgriechischer Kulturgeschichte und römischen Kaisern geforscht – dafür steht er der AfD nahe und wettert gegen den Islam. Eine wissenschaftliche Rezension des Buches, aus dem das Zitat stammt, kritisiert, es gebe ungeachtet historischer Fakten schlicht „die ideologische Rechtfertigung der europäischen Eroberungskriege durch die europäischen Kolonialmächte“ wieder und bezeichnet es als „elementaren Anforderungen an wissenschaftliche Texte nicht genügend“.

Wie sah es nun in den deutschen Kolonien aus im Hinblick auf die angebliche Herauslösung aus archaischen Strukturen? Die offizielle Abschaffung der Sklaverei ging einher mit der Einführung anderer Formen der Zwangsarbeit durch die deutsche Kolonialherrschaft. In Deutsch-Kamerun z.B. ließ der stellvertretende Gouverneur Heinrich Leist aus der Sklaverei freigekaufte Afrikaner für sich arbeiten. Als sie Lohn einforderten, ließ er ihre Frauen auspeitschen.

Die von der AfD behauptete Verbesserung von Lebensverhältnissen wird als Folge der Reform der Kolonialpolitik unter Staatssekretär Dernburg reklamiert, jedoch in keiner Weise belegt. Auch hier widerspricht die historische Forschung. Zwar schaffte Dernburg die Hüttensteuer ab und schränkte die Prügelstrafe ein, doch Mischehen blieben verboten, Landraub und Arbeitszwang bestanden weiterhin und die deutsche Kolonialpolitik blieb auf die maximale Ausbeutung der einheimischen Arbeitskräfte ausgerichtet. Eine historische Dissertation zu Dernburgs Reformen kommt entgegen der Propaganda zu dem eindeutigen Schluss: „In der ‚Ära Dernburg‘ ist es definitiv nicht zu einer grundlegenden Verbesserung der Lebenssituation der Afrikaner in den deutschen Kolonien gekommen. Im Gegenteil, die Dernburgsche Reformpolitik hat vielmehr den Verelendungsprozess der indigenen Bevölkerung beschleunigt.“ Zum Ausbau der Infrastruktur in Form der Eisenbahn ist zu sagen, dass sie durch Zwangsarbeit der AfrikanerInnen selbst erfolgte und sie dem Zweck der effektiveren Ressourcenausbeutung der Kolonien diente sowie dem Transport von Truppen an die Front oder von Kriegsgefangenen in die Konzentrationslager – z.B. im Rahmen des Völkermords in Deutsch-Südwestafrika. Wie dies zu den „gewinnbringenden Seiten“ für die Kolonisierten zu zählen ist, bleibt unklar.

Den Beitrag des deutschen Kolonialismus zur Bewahrung der Geschichte und Identität afrikanischer Völker sehen die VerfasserInnen des Antrags in der „jahrzehntelangen anthropologischen Museumsarbeit“. Dementsprechend seien „Forderungen nach Restitution von Kulturgütern aus kolonialem Kontext „(… ) in aller Form zurückzuweisen“. Mit anderen Worten: „Wir Deutschen haben Eure Identität und Geschichte bewahrt, liebe AfrikanerInnen, in dem wir uns im Rahmen der Kolonialherrschaft Eurer Kulturgüter bemächtigt haben.“ Die implizite Annahme, dass afrikanische Menschen nicht zur Bewahrung ihrer eigenen Identität und Geschichte fähig gewesen wären, die den Raub hier nicht nur legitimiert, sondern adelt, offenbart zutiefst koloniale Annahmen von Höher- und Minderwertigkeit.

Der Antrag der AfD wendet sich explizit gegen die „undifferenzierte und unhaltbare Klassifizierung der gesamten Kolonialzeit als ‚verbrecherisch‘“ und kritisiert, dass die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte in einem Atemzug mit der von „NS-Terrorherrschaft“ und „SED-Diktatur“ genannt wird. Maßgeblich verantwortlich seien hierfür die „kulturmarxistisch inspirierten“ und „ideologiegetriebenen“ post- und dekolonialen Studien. Diesen – die gegenwärtigen Nachwirkungen des Kolonialismus untersuchenden und auf ihre Überwindung abzielenden interdisziplinären Forschungsrichtungen – würde es „nicht mehr um realhistorische Fakten“ gehen, sie würden das Prinzip der Meinungsfreiheit „unterminieren“, ihre Methoden seien eine Form von „intellektuellem Terror“ und ihnen gegenüber müssten die „elementaren Kriterien der Wissenschaftlichkeit angemahnt“ werden.

Eine differenzierte Betrachtung des deutschen Kolonialismus auf der Grundlage realhistorischer Fakten ist uneingeschränkt begrüßenswert. Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass der Antrag der AfD trotz 74 Fußnoten diesem Anspruch und v.a. den elementaren Kriterien der Wissenschaftlichkeit nicht gerecht wird. Keines seiner Argumente ist stichhaltig. Er ist geleitet vom politischen Willen, positive Seiten des deutschen Kolonialismus hervorzuheben – mit allen Mitteln, auch unter Verbiegung und Missachtung historischer Fakten. Aber selbst wenn solche Seiten zu finden wären: würden sie die Massaker und Grausamkeiten aufwiegen? Würden sie ein undemokratisches politisches System rechtfertigen, das Menschen nach Hautfarbe und Abstammung in Höher- und Minderwertige einteilt? Oder es im 21. Jahrhundert als positiven Bezugspunkt und als „nicht verbrecherisch“ erscheinen lassen? Wer kann so etwas wollen?

Dass der Antrag rassistisch begründete Herrschaft Weißer über Andere zu rehabilitieren versucht, wirft ein erschreckendes Licht auf das Weltbild seiner UrheberInnen. Aber auch ein erhellendes. Wenn wir die Aufarbeitung der deutschen Geschichte der AfD überlassen, finden sich dort zwar Härten, aber nirgends ein Völkermord – allenfalls ein als „Vogelschiss“ verharmloster Holocaust. Und keinerlei Kritik an der Herrenmenschenideologie, die Grundlage des Kolonialismus wie auch des Nationalsozialismus ist. Treten wir dieser Sichtweise entgegen.


 

Aram Ziai ist Professor für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel

 

Literatur

Gewald, Jan-Bart 2004: „Kolonisierung, Völkermord und Wiederkehr. Die Herero von Namibia 1890-1923“, in: Zimmerer, Jürgen/Zeller, Joachim (Hg.) 2004: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen. Berlin: Ch. Links Verlag, 105-120.

Speitkamp, Winfried 2005: Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart: Reclam.

Utermark, Sören 2011: „Schwarzer Untertan versus schwarzer Bruder“. Bernhard Dernburgs Reformen in den Kolonien Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun. Diss., Univ. Kassel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften. https://kobra.uni-kassel.de/bitstream/handle/123456789/2012082441677/DissertationSoerenUtermark.pdf?sequence=5&isAllowed=y

van Laak, Dirk 2005: „Deutschland in Afrika. Der Kolonialismus und seine Nachwirkungen“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 4/2005, 3-11.

Zeller, Joachim 2004: „‘Ombepera i koza – Die Kälte tötet mich‘. Zur Geschichte des Konzentrationslagers in Swakopmund (1904-1908)“, in: Zimmerer/Zeller (Hg.) 2004, 64-79.

Zimmerer, Jürgen 2004a: „Krieg, KZ und Völkermord in Südwestafrika. Der erste deutsche Genozid“, in: Zimmerer/Zeller (Hg.) 2004, 45-63.

Zimmerer, Jürgen 2004b: „Der koloniale Musterstaat? Rassentrennung, Arbeitszwang und totale Kontrolle in Deutsch-Südwestafrika“, in: Zimmerer/Zeller (Hg.) 2004, 26-44.


Neoliberale Mythen. SPIEGEL-Kolumne verwechselt Freiheit mit Freihandel

von Aram Ziai

In dem Artikel „WTO: Trump ist nur der Vollstrecker der Antiglobalisierungsbewegung“ (Aufgerufen am 9.2.2020) zeichnet der Autor und SPIEGEL-Kolumnist Henrik Müller – Professor für Wirtschaftsjournalismus an der TU Dortmund, vorher Vizechefredakteur des Manager Magazins – ein verzerrtes Bild sowohl von der Welthandelsorganisation (WTO) als auch von den globalisierungskritischen Protesten gegen sie. Seine These ist, dass der „Niedergang der liberalen Weltordnung“, personifiziert in Donald Trump, mit der Globalisierungskritik der späten Neunziger und der „erste[n] große[n] Antiglobalisierungsdemo“ zum WTO-Gipfel in Seattle 1999 begann. Seither sei der Multilateralismus allgemein und die WTO, die laut Müller „die Wirtschaftsgroßmächte einbremsen und eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung begründen sollte, indem sie allgemeinen Regeln zur Geltung verhälfe“, zugrunde gerichtet worden. Diese These ist aus mehreren Gründen problematisch und sogar falsch.

Zunächst wandte sich die globalisierungskritische Protestbewegung der 1990er nie gegen Globalisierung oder Multilateralismus oder Liberalismus per se, sondern gegen eine neoliberale Globalisierung der Weltwirtschaft im Interesse multinationaler Unternehmen. Die fehlende Differenzierung zwischen politischem Liberalismus (individuelle Freiheitsrechte) und wirtschaftlichem Liberalismus (Freihandel) ist eine gezielte Verschleierung. Sie lässt die Gegner*innen einer Globalisierung der Weltwirtschaft – die im globalen Wettbewerb Arbeitsrechte und Umweltschutz zu Standortnachteilen erklärt – als Gegner*innen der Freiheit schlechthin erscheinen. Dass die Protestbewegung bereits 1998 mit einem globalen Aktionstag in über 30 Städten auf fünf Kontinenten gegen die Ministerkonferenz in Genf demonstriert hat (und auch schon 1988 gegen den Gipfel von Weltbank und IWF in Berlin 80.000 Menschen auf die Straße gingen), sei nur am Rande erwähnt.

Vor allem aber sollte die WTO nie „die Rechte der Stärkeren begrenzen“, wie Müller behauptet. Im Gegenteil: sie war eine Manifestation der Kräfteverhältnisse im Welthandel und setzte die Rechte der Stärkeren durch. Sichtbar ist dies daran, dass sie im Unterschied zum Vorgänger, dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) auch den Bereiche der Dienstleistungen umfasste, der den Banken, Versicherungen und Unternehmen des Nordens besonders am Herzen lag. Die WTO ist dabei der „Nicht-Diskriminierung“ verpflichtet, d.h. sie verpflichtet zur Gleichbehandlung von lokalen und ausländischen Akteuren – auch wenn letztere ungleich kapitalkräftiger und wettbewerbsfähiger sind und die einheimische Konkurrenz vom Markt drängen. Es wird zweitens auch sichtbar in dem für den Süden wichtigen Bereich der Agrarsubventionen, in dem die WTO zwar Liberalisierungen in Aussicht stellte, de facto aber durch Ausnahmeregelungen („green box“ und „blue box“) den Industriestaaten des Nordens weiterhin erlaubte, ihre Landwirte und Agrarkonzerne mit umfangreichen Zahlungen vor der Konkurrenz aus dem Süden zu schützen bzw. ihnen sogar Dumpingexporte ermöglichte. Durch Dumpingexporte aus der EU sank der Marktanteil einheimischer Geflügelbäuer*innen in Ghana zwischen 1992 und 2001 von 95% auf 11%. Hunderttausende verloren ihre Existenz durch die angeblich segensreiche Wirkung der Marktöffnung. Auch im Bereich des geistigen Eigentums fand die globale Durchsetzung von Patentrechten v.a. im Interesse nordamerikanischer und europäischer Pharmaunternehmen statt. Die verheerenden Auswirkungen zeigten sich beispielsweise darin, dass sich durch das Verbot günstiger Generika die Preise für HIV-Medikamente in Südafrika vervielfachten. Erst durch die lang anhaltenden Proteste der Treatment Action Campaign konnte der WTO (in der Doha Declaration 2001) abgetrotzt werden, dass bei Ausrufung eines Gesundheitsnotstands der Import von Generika doch erlaubt wurde.

Die Beispiele für die negativen Konsequenzen der WTO-Regeln könnte noch weiter geführt werden. Die Kritik am Freihandel ist hierbei in keiner Weise eine Unterstützung von Trumps Handelspolitik: weder das eine noch das andere Konzept hat arbeitsrechtliche oder ökologische Ziele, von einer grundlegenden Umorientierung der Weltwirtschaft ganz zu schweigen. Dass auch im Jahre 2020 noch das neoliberale Märchen von den Segnungen des Freihandels erzählt wird, ist tragisch, aber leicht erklärbar: die von Müller mitverfasste Studie, auf die er sich beruft, wurde von der Bertelsmann-Stiftung finanziert.

 

Aram Ziai ist Professor für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel und Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Protest und Reform in der globalen politischen Ökonomie aus postkolonialer Perspektive“ der Hans-Böckler-Stiftung.


"Entkolonialisierung" - ARTE-Doku in drei Teilen

Eine ARTE-Doku erzählt in drei Teilen die Geschichte der Dekolonisierung.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Kämpfe der Unterdrückten gegen die europäischen Mächte.

Alle Teile der Reihe sind Online verfügbar

>>> jetzt ansehen


"Concerning Violence" jetzt online verfügbar auf Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung

Der Film "Concerning Violence" ist ein Rückblick auf die afrikanischen Befreiungsbewegungen und deren gewaltvoller Konfrontation mit den Kolonialmächten. Der Filmemacher nutzt dabei Archivmaterial, welches schwedische Fernsehjournalisten und Dokumentarfilmer in den Jahren von 1966 bis 1984 in Afrika aufgenommen haben. Die Bilder werden kombiniert mit Texten des Dekolonialismus-Vordenkers Frantz Fanon aus dessen Buch "Die Verdammten dieser Erde".

 

Zum Film


"Post-Development: Entwicklungspolitik abwickeln oder anpassen?" - Beitrag von Aram Ziai im International Development Blog des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik

Unter dem Namen „Post-Development“ werden Entwicklungstheorie und –politik grundlegend in Frage gestellt, weil sie eurozentrisch, entpolitisierend und autoritär seien. Was könnte die Entwicklungspolitik aus dieser Kritik lernen, wenn sie sich nicht selbst abschaffen will?

Vor nunmehr einem Vierteljahrhundert erschien unter dem Titel „Wie im Westen so auf Erden“ ein Sammelband, der die Grundlagen der Entwicklungstheorie erschüttern würde. Die AutorInnen wollten die Idee der „Entwicklung“ nicht verbessern, indem sie ihre mangelhafte Umsetzung kritisierten, sondern das ganze Paradigma in Frage zu stellen. Sie riefen sogar das Ende der „Entwicklungsära“ aus und etablierten die sogenannte Post-Development Schule in der Entwicklungstheorie. Aus welchen Gründen?

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„Willkommen in Zhengistan, ÄthiopierInnen!“ Postkoloniale Perspektiven auf Entwicklungspolitik: Antrittsvorlesung zur Heisenberg-Professur Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel von Aram Ziai

Am 18. April 2017 trat Aram Ziai die Heisenberg-Professur "Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien" an der Universität Kassel mit seiner Antrittsvorlesung zum Thema "Postkoloniale Perspektiven auf Entwicklungspolitik" an.

 

Die Antrittsrede zum Nachlesen finden Sie hier.

zum Artikel in der Frankfurter Rundschau