Konstruktionskatalog und Empfehlungen zur Verbesserung der Luftdichtheit im Holzbau

Zusammenfassung

Die Luftdichtheit der Gebäudehülle ist hinsichtlich des baulichen Wärmeschutzes von größter Bedeutung. Eine luftdichte Gebäudehülle ist ohne entsprechende Planung und ohne Mitwirkung der ausführenden Handwerker nicht erreichbar. Der Planer muss die Luftdichtheitsschicht definieren: Einerseits muss er konkret festlegen wo die Luftdichtheitsschicht in der Konstruktion verläuft und aus welchem Material sie gebildet wird, andererseits muss er bei der Planung Durchdringungen und Anschlüsse der Luftdichtheitsschicht berücksichtigen. Ziel ist es, die Luftdichtheitsschicht so wenig wie möglich zu durchdringen. Sollten Durchdringungen nicht vermeidbar sein, ist der Planer gehalten, sie so zu planen, dass dem ausführenden Handwerker genügend Platz zur Verfügung steht, um eine Abdichtung anbringen zu können. Jeder Anschluss und jede Durchdringung sollte mit Arbeitsanweisungen beschrieben werden, um der Improvisation am Bau vorzubeugen.

Der vorliegende Bericht soll zum einem dem Planer, als auch den ausführenden Handwerkern ein Hilfe bei der Ausbildung einer luftdichten Gebäudehülle sein. Aufgezeigt werden die Problembereiche

  • Durchdringende und auskragende Bauteile
  • Anschlüsse
  • Installation

Bei den einzelnen Stichpunkten werden typische Situationen und die üblichen Abdichttechniken und -materialien beschrieben und diskutiert. In einigen Fällen werden Ideen für neue Abdichttechniken vorgestellt. Über die Lebensdauer der einzelnen Materialien kann keine Aussage getroffen werden. Hier besteht Forschungsbedarf.

Verschiedene Abdichtmaterialien und -techniken werden im folgenden kurz erläutert

  • Dauerelastisches Material

Für den fachgerechten Einsatz von dauerelastischen Materialien in Fugen wird auf DIN 18540 verwiesen. Dauerelastisches Material hat den Vorteil, dass es gewisse Bauteilbewegungen aufnehmen kann.

  • Dichtungsbänder

Beim Einsatz von Dichtungsbändern ist auf die ausreichende Länge und Rückstellkraft der eingebrachten Dichtungsprofile zur Vermeidung von Fehlstellen zu achten.

  • Folien / Baupappen

Faltenbildung sollte vermieden werden. Eine mechanische Sicherung stabilisiert den Anschluss.

  • Montageschaum

Montageschaum lässt sich fugenlos einbringen, ist jedoch nach dem Aushärten nicht mehr elastisch und Formänderungen im Bauteil führen zu Rissbildungen.

  • Manschetten

Die Zubehörindustrie stellt mittlerweile eine begrenzte Auswahl an Manschetten für Rohrdurchführungen und den luftdichten Anschluss von Durchdringungen einzelner elektr. Leitungen her.

  • Klebebänder

Einseitige oder doppelseitige Klebebänder sowie Butylkautschuk-Bänder kommen üblicherweise bei eine Abdichtung von Folie an Folie zum Einsatz. Die Klebeband-Industrie vertritt die Meinung, dass eine mechanische Sicherung nicht notwendig sei.

  • Klebemasse

Der Anschluss von Baupappe an Baupappe oder an andere Materialien erfolgt i.d.R. mit Klebemasse. Auch für einen Folienanschluss an feste Untergründe kann Klebemasse verwendet werden. Wie die 'Klebeband'-Industrie vertritt die 'Klebemassen'-Industrie die Meinung, dass eine mechanische Sicherung nicht notwendig sei.

  • Klebe- und Spachtelputz

Die Stöße der Gipskartonplatten werden mit und ohne Bewehrungsstreifen verspachtelt. S olange keine Bewegungen im Bauteil entstehen, sind diese Bereiche als dicht einzustufen.

  • Beton, Gipsspachtel

Das Ausbetonieren mit Beton oder Verfugen mit Gipsspachtel bietet eine zuverlässige Abdichtung von Kaminen in Massivdecken.

  • Stellbretter

Stellbretter als Abschluss von auskragenden Bauteilen weisen im Anschlussbereich zur Umfassungsfläche Spaltleckagen auf, da die Kanten i.d.R. nicht plan mit den Umfassungsflächen abschließen. Stellbretter sind als luftdichter Abschluss ungeeignet.

  • Trittschalldämmplatten

Der Einsatz von Trittschalldämmplaten als luftdichter Abschluss von auskragenden Bauteilen hat sich im Versuch bewährt. Der weiche Polystyrol-Partikelschaum schmiegt sich mit hoher Dichtwirkung an die Umfassungsflächen an und kann auch spätere Formänderungen aufnehmen.

  • Untermörtelung

Mit einer fachgerechten Untermörtelung, insbesondere mit Quellmörtel, kann eine ausreichende Abdichtung des Schwellenbereiches der Außenwand erzielt werden.

  • Grossformatige Schaumstoffprofile

Grossformatige Schaumstoffprofile können ebenfalls zur Schwellenabdichtung von Außenwänden auf Massivdecken herangezogen.

  • Kleinformatige Schaumstoffprofile

Kleinformatige Schaumstoffprofile eignen sich für den Ausgleich von kleineren Unebenheiten, z.B. Schwellenabdichtung von Außenwänden auf Holzbalkendecken.

  • Dichtanstrich

Wird der Ausgleich zwischen der Schwelle und der Bodenplatte mittels Untermörtelung oder Ausschäumen mit Montageschaum hergestellt, kann mit einem sogenannten Dichtanstrich hohlraumfrei und fugenlos eine Abdichtung erfolgen.

  • Hohlwand-Installationsdosen

Der Einsatz der Hohlwand-Installationsdosen ist nur sinnvoll, wenn die Luftdichtheitsschicht von einem Plattenmaterial gebildet wird und das Frontteil der Installationsdose in das Plattenmaterial pass genau eingebaut und abgedichtete werden kann. Wird die Luftdichtheitsschicht von einer Folie oder einer Baupappe gebildet, dann muss die Folie/Pappe an jeder Dose mit Klebeband abgedichtet werden.

  • Installationsebene

Eine Installationsebene auf der Raumseite der Außenwand bildet eine von der Außenwand unabhängige Ebene, in der die gesamte Installation verlegt werden kann, ohne die Luftdichtheitsschicht zu durchdringen und ggf. zu beschädigen. Bei der Planung und Ausführung einer Installationsebene ist zu beachten, dass auch hier eine luftdichte Konstruktion erforderlich ist. Die Luftdichtheitsschicht wird nur an eine andere Stelle in der Konstruktion angeordnet.

  • Installationsschacht

Ein Installationsschacht wird i.d.R. dann verwendet, wenn an einer Stelle im Gebäude sämtliche Installationen gebündelt geführt werden sollen. In den jeweiligen Etagen erfolgt die Abzweigung für die einzelnen Räume. Diese Schächte reichen vom Keller bis in die oberste Geschossdecke und verbinden somit den i.d.R. unbeheizten Keller mit dem unbeheitzen Spitzboden. Die beste Möglichkeit diesen Luftverbund zu unterbinden ist diesen Schacht in der Kellerdecke und in der obersten Geschossdecke abzudichten. Nur wenn alle Durchdringungen der Decken verschlossen sind, brauchen die Verteilungsöffnungen zu den einzelnen Etagen nicht luftdicht verschlossen zu werden.

  • Installationselemente

Bei Fertighausfirmen, die einen sehr hohen Fertigungsanteil im Werk haben, bietet es sich an, Installationselemente herzustellen. In diese Elemente werden die entsprechenden Anschlüsse eingebracht und können auf ihren korrekten Anschluss und ihre Dichtheit im Werk untersucht werden. Evtl. Nachbesserungen sind möglich. Anschließend werden die Elemente in die vorgefertigten Wände im Werk oder ggf. auf der Baustelle eingebaut.

Die im Rahmen des Projektes durchgeführten Messungen zeigen, dass die Durchströmung von sämtlichen Bauteilen immer noch ein großes Problem darstellt. Stehen Wände und Decken in einem Luftverbund, sind überall im Gebäude Leckagen zu lokalisieren. Eine Entkoppelung der Bauteile, insbesondere der Geschossdecken von angrenzenden Bauteilen, ist anzustreben.

Mittelgeber

Die Arbeit wurde gefördert durch die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung e.V. mit Mitteln des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (Az: Z6-80 01 99-17).

Detaillierte Infos

Abschlussbericht