Messergebnisse zur Luftdichtheit von Gebäuden und theoretische Ermittlung der in der Praxis erreichbaren Messgenauigkeit

Zusammenfassung

Infiltration erzeugt unnötigen Wärmeverlust und Energieverbrauch, führt zu überhöhter Schadstoffproduktion und sollte vermieden werden. Eine luftdichte Gebäudehülle ist also von großer praktischer Bedeutung. Eine Überprüfung der Luftdichtheit der Gebäudehülle erfolgt meist anhand einer statischen Differenzdruckmethode. Derartige Luftdichtheitsmessungen ('Blower Door-Messungen') führen zu einem integralen Wert für die Luftdurchlässigkeit eines Gebäudes. Liegt das Ergebnis einer solchen Messung nicht im erwarteten oder erwünschten Bereich, müssen Verbesserungen der zugrundeliegenden Konstruktion bzw. Ausführung vorgenommen werden. Hierbei ist sorgfältig darauf zu achten, dass korrektive Maßnahmen an der Ursache der zu großen Luftdurchlässigkeit, und nicht wie leider oft zu beobachten nur an den Symptomen angreifen. Luftdichtheitsmessungen an 133 Gebäuden unterschiedlicher Bauart, Messungen von Gebäudebereichen sowie Messungen an Bauteilen werden detailliert analysiert.

Die erreichbare Messgenauigkeit von statischen Differenzdruckmethoden zur Bestimmung der Luftdichtheit von Gebäuden hängt von vielen Parametern ab. Auch von nicht beeinflussbaren Größen wie den meteorologischen Randbedingungen bei der Messung. Es gab bislang kaum Angaben darüber, welche Fehler durch Veränderung der Druckverhältnisse infolge großer Windgeschwindigkeit bzw. Temperaturdifferenz bei der Messung zu erwarten oder anzusetzen sind. Um hier eine Aussage treffen zu können, werden rechnerische Simulationen von Luftdichtheitsmessungen an einem einfachen Modellgebäude durchgeführt. Verschiedene Messstrategien werden hinsichtlich des ermittelten rechnerischen Messfehlers verglichen. Der Vergleich mit weiteren Einflussgrößen, die bei der Blower Door-Methode wesentlich sind, zeigt, dass die Größenordnung des Windeinflusses bei einer vor Ort ermittelten Windgeschwindigkeit bis 3 m/s vergleichbar ist mit dem Fehler bei der Bestimmung von Druckdifferenzen anhand üblicher Messgeräte. Für Windgeschwindigkeiten bis 4,7 m/s liegt der Einfluss in der Größenordnung der Kalibrationsgenauigkeit heute üblicher Volumenstrombestimmungen bzw. der Unsicherheit in den Bezugsgrößen. Bei vor Ort ermittelten Windgeschwindigkeiten bis 6 m/s schließlich ist der Windeinfluss auf die Gesamtunsicherheit der größte Einzelfaktor, vergleichbar mit der Unsicherheit in den Bezugsgrößen in Summe mit der Kalibrationsgenauigkeit heute üblicher Volumenstrombestimmungen. Für ungünstige Situationen hinsichtlich der Leckageverteilung und der Windrichtung kann die durch Windanströmung verursachte Unsicherheit jedoch auch deutlich größer werden.

Detaillierte Infos

Dissertation von K. J. Geißler