Neue Suburbanität

Forschungsverbund Neue Suburbanität

Der Verbund untersucht die gesellschaftlichen Hintergründe sowie die politischen und stadtentwicklungsplanerischen Praxisansätze einer sich aktuell erneut beschleunigenden Suburbanisierung. Nach einer Phase der Reurbanisierung seit Beginn des neuen Jahrtausends sehen sich viele Städte zusehends am Ende ihrer Möglichkeiten, die wachsende Wohnflächennachfrage auf Innenentwicklungsflächen zu befriedigen und planen – teilweise mit besonderem Anspruch – wieder an den Rändern. Eine Reihe von Entwicklungen der letzten Jahrzehnte legen es jedoch nahe, dass die „neue Suburbanität“ einen völlig anderen Charakter haben wird als früher. Dazu gehören die inzwischen verbreiteten urbanen Lebensstile, veränderte Haushaltsstrukturen und stark von der Tertiärisierung geprägte Arbeitsmärkte. Hinzu kommen die Infragestellung klassischer, von Einfamilienhausquartieren und stigmatisierten Großsiedlungen geprägter „Schlafstädte“, eine Ausdifferenzierung der Wohnungstypologien und Trägerformen an den Wohnungsmärkten sowie die vielfältigen Erfahrungen mit der Um- und Wiedernutzung innerstädtischer Brachen. Die sich hierbei herausbildenden Milieus, Lebensstile, planerischen Leitbilder, Quartierstypologien, Governancearrangements und Umsetzungsstrategien sind bislang im Hinblick auf ihre Wirkungen für die Stadtproduktion kaum erforscht. Vor diesem Hintergrund fragen wir nach den geltenden Qualitätsansprüchen neuer Stadterweiterungsprojekte. Inwiefern unterscheidet sich die neue Phase vor dem Hintergrund von Erfahrungen mit Ansätzen des Flächensparens und der Innenentwicklung sowie der gewandelten Lebensstile von früheren Phasen? In suburbanen Quartieren – so lautet die zu überprüfende Hypothese - wird heute anders gewohnt und gelebt, und sie werden anders hergestellt als bisher. Ziel des Verbundes ist es, neue Suburbanisierungsprojekte bereits im Zuge ihrer Entstehung zu analysieren und zu charakterisieren. Über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren soll eine Langzeitstudie zu wesentlichen Schauplätzen und Phänomenen der neuen Suburbanisierung sowie zu den sie tragenden soziokulturellen, ökonomischen, politischen und planerischen Hintergründen und Triebkräften entstehen.

 

Der Verbund integriert in fünf Forschungszugängen soziokulturelle, ökonomische, ökologische, politische und baulich-räumliche Fragen. Er erschließt die gesamte Breite der Entstehung und Veränderung neuer suburbaner Stadtquartiere sowohl im Hinblick auf eine Analyse stadtgeographischer und sozialwissenschaftlicher Entwicklungstendenzen als auch auf eine Systematisierung und Bewertung der sich herausbildenden planerischen und stadtentwicklungspolitischen Ansätze. Er setzt sich aus sechs Fachleuten des Fachbereichs 6 sowie drei weiteren Kolleg/innen zusammen, die ergänzende raumwissenschaftlich relevante Kompetenzen einbringen. Der interdisziplinären Zusammensetzung des Fachbereichs entsprechend bringen die Beteiligten einen Hintergrund aus Städtebau, Stadtplanung, Landschafts- und Freiraumplanung, Soziologie, Governance-Forschung, der Immobilienwirtschaft und Projektentwicklung und der Geographie mit.

Projektlaufzeit: August 2018 bis August 2021
Förderung: Universität Kassel
Bearbeiter/innen: Prof. Dr. Uwe Altrock, apl. Prof. Dr. habil. Harald Kegler, Dr. Henriette Bertram, Dr. des. Arvid Krüger

Kooperationspartner

FG Stadt- und Regionalplanung (Prof. Dr. Frank Roost, David Leibrich)

FG Stadt- und Regionalsoziologie (Prof. Dr. Carsten Keller, Maik Kiesler)

FG Freiraumplanung (Prof. Dr.-Ing. Stefanie Hennecke, Johanna Bohnenkamp)

FG Landschaftsbau, -management und Vegetationsentwicklung (Prof. Dr.-Ing. Stefan Körner, Dr.-Ing. Florian Bellin-Harder)

Prof. Dr. Henning Nuissl (HU Berlin, Angewandte Geographie und Raumplanung)

Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger (HCU Hamburg, Projektentwicklung und Projektmanagement in der Stadtplanung)

Prof. Dr.-Ing. Angela Million, (TU Berlin, Städtebau und Siedlungswesen)