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10.09.2026 | Aktuelles | Forschung

Konflikte um aktuelle große Stadterweiterungsvorhaben - Beitrag zur Entwicklung suburbaner Landschaften in ‚Urban Planning‘ erschienen

Warum gewinnen große Stadterweiterungen auf der grünen Wiese als Planungsinstrument in wachsenden deutschen Städten wieder an Bedeutung – obwohl Netto-Null-Flächenverbrauch und „kompakte Stadtentwicklung" seit Jahren als politische Ziele gelten? Wie verändern sich Verständnisse von suburbanen Freiräumen und ihrer Planung, um den daraus entstehenden Zielkonflikt zwischen steigenden Immobilienpreisen und dem Erhalt von Grünflächen zu bearbeiten? Und wie lässt sich angesichts zahlreicher Proteste erklären, dass gerade solche Planung besonders breite Zustimmung findet, die diesen Zielkonflikt weniger auflöst als überdeckt? Dazu hat Svenja Bochinski gemeinsam mit Markus Leibenath und Nadja Diemunsch einen Artikel verfasst, der nun in der Zeitschrift Urban Planning erschienen ist.

Bild: HardDisk, 2022 · CC BY-SA 4.0

Der Beitrag ist im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts "Stadtregionale Landschaftspolitik 'in the making'" entstanden und kann im Open-Access-Verfahren kostenlos heruntergeladen werden:

https://doi.org/10.17645/up.12005 

Abstract

Die wachsende Bevölkerung vieler europäischer Metropolen hat den Druck auf die Wohnungsversorgung verstärkt und die politische Unterstützung für groß angelegte Stadterweiterungen neu belebt. Dadurch haben sich Konflikte zwischen Wohnungsbau und der Erhaltung von Grünflächen, insbesondere in vorstädtischen Landschaften, verschärft. Dieser Artikel analysiert, wie solche Konflikte in Hamburg und München – zwei deutschen Großstädten mit einer stark angespannten Wohnungsversorgung – politisch ausgehandelt und rhetorisch stabilisiert werden. Auf der Grundlage poststrukturalistischer Diskurstheorien untersucht die Studie politische Diskurse zum Wohnungsbau und zur Grünflächenpolitik, wobei ein besonderes Augenmerk darauf gelegt wird, wie Spannungen zwischen diesen Bereichen ausgehandelt werden. Die Analyse stützt sich auf politische Dokumente, Planungsunterlagen, Medienberichte und halbstrukturierte Interviews. Die Ergebnisse identifizieren drei konkurrierende Diskurse, die in beiden Städten weitgehend auf ähnliche Weise artikuliert werden: „Erhalt aller Grünflächen“, „Deregulierung für eine Wohnungsbauoffensive“ und „Der Bau soll weitergehen, nur nicht überall“. Während die ersten beiden Diskurse in sich schlüssige, aber polarisierte Positionen vertreten und marginal bleiben, hat sich der dritte Diskurs als hegemonial durchgesetzt. Er behauptet, Wohnungsbau und Grünflächenerhalt zu vereinen, tut dies jedoch, indem er inhärente Widersprüche durch eine Reihe wiederkehrender diskursiver Strategien verschleiert. Der Artikel argumentiert, dass dieser hegemoniale Diskurs einen erheblichen politischen Wandel ermöglicht: weg von der Priorisierung innerstädtischer Entwicklung und hin zur Legitimierung großer vorstädtischer Erschließungsprojekte, während etablierte Nachhaltigkeitsziele formal beibehalten werden. Indem die Studie aufzeigt, wie wachstumsorientierte Rationalitäten diskursiv stabilisiert werden, deckt sie die Fragilität der gegenwärtigen Politik zur vorstädtischen Erschließung von Grünflächen auf.