08.03.2026 | Ausstellung

Ausstellung | Katt Both - Bauhaus-Architektin aus Kassel

Dass Frauen beim Planen und Bauen eine innovative Rolle einnehmen, das war schon immer so. Dennoch bleiben Architektinnen bis heute meist hinter ihren Werken unsichtbar. Katt Both ist Exempel dafür. Sie ist vergessen, auch in Kassel. Dabei war Katt Both maßgeblich an der Entwicklung wesentlicher Projekte des „Neuen Bauens“ der 1920er- und 30er-Jahre beteiligt, etwa des Marie-von-Boschan-Aschrott-Altersheims und der Rothenbergsiedlung in Kassel. Eine Ausstellung in der Ausstellungshalle der Kunsthochschule Kassel vom 11. Februar bis 8. März bringt Licht in die Geschichte und zeigt anhand originaler Fotos, Pläne und Dokumente unter anderem die unglaublich produktive Phase von Katt Both bis 1933. 

Die Ausstellung wird veranstaltet vom Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre der Uni Kassel. Auslöser und Grundstock ist der jüngst wiederentdeckte Nachlass der Architektin, Designerin und Fotografin, die 1905 in Waldkappel geboren wurde und 1985 in Kassel starb. Ein Beiprogramm setzt den zeitaktuellen Diskurs zu den Ausstellungsthemen fort.

Die Emanzipation einer jungen talentierten Frau, von der Kunstgewerbeschule Kassel kommend, über die Burg Giebichenstein in Halle zum Bauhaus, ihre fotografischen Experimente und Selbstinszenierungen als Neue Frau, dazu ihre ersten beruflichen Stationen bei Fred Forbat, den Gebrüdern Luckhardt und Alfons Anker in Berlin und im Büro Otto Haesler, eigene Projekte sowie ihr Engagement für soziale, gebrauchsorientierte und neue gemeinschaftliche Wohnformen sind alle dem Glauben an eine neue und demokratische Gesellschaft verpflichtet. Aschrott-Altersheim und Rothenbergsiedlung in Kassel sind heute Ikonen der Moderne und wurden 1932 in der legendären Ausstellung „Modern Architecture“ im MoMA Museum of Modern Art in New York gezeigt. Der Kasseler Oberbürgermeister Hans Herbert Stadler reiste damals extra zur Eröffnung.

Wem die Bilder der Neuen Frau der 1920er-Jahre noch kein Begriff sind, der kann sich in der Ausstellung aus der großen Zahl von Fotografien einen einmaligen Einblick in die Zeit verschaffen. Sie werden ergänzt und kommentiert durch aktuelle fotografische und filmische Arbeiten von Christina Gradtke und Leonard Volkmer aus der Medienklasse der Kunsthochschule und durch internationale Positionen, wie zum Beispiel durch gerade erst entdeckte frühe Fotoarbeiten der österreichischen Künstlerin Brigitte Kowanz oder den Film MANDA, den Isa Rosenberger in Zusammenarbeit mit Celia Millan 2023 zum Stäbetanz von Oskar Schlemmer erstellt hat.

Die Auseinandersetzung mit dem sozialen Wohnungsbau und den Lösungen in der Rationalisierung, nach 100 Jahren wieder aktuell, wirft einen Blick auf die Parallelitäten der Moderne und der Situation heute. Die Ausstellung thematisiert die Leerstellen und entdeckten Brüche in Katt Boths Biografie. Wie alle Architektinnen und Architekten musste Katt Both sich 1938 in die Reichskulturkammer eintragen lassen, um ihren Beruf in Deutschland ausüben zu können. 1942 wurde Katt Both Mitglied der Nationalsozialistischen Partei und erhielt eine Anstellung beim Deutschen Frauenwerk. Sie wollte von da aus den sozialen Wohnungsbau der Nachkriegszeit mitgestalten, wechselte aber nach fünf Monaten in das Büro des Bauhaus-Architekten Ernst Neufert.

Die Ausstellung wird eröffnet am 10. Februar 2026 um 18 Uhr, es sprechen der Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und die Präsidentin der Uni Kassel, Prof. Dr. Ute Clement. Abschluss und Finissage ist der 8. März, der Weltfrauentag.Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei. 

Hintergrund: 

Die diskursive Ausstellung wurde von den Studierenden des Fachgebiets Entwerfen und Gebäudelehre von Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs der Uni Kassel mit der Kunsthistorikerin Dr. Ute Maasberg entwickelt, konzipiert und umgesetzt. Beiträge von Studierenden der Klasse für Intermediale Fotografie im künstlerischen Feld, Prof. Peggy Buth der Kunsthochschule Kassel und dem Fachgebiet Landschaftsästhetik im Entwurf von Prof. Fanny Brandauer der Uni Kassel wie auch internationale Kunstpositionen, ausgewählt von der freien Kuratorin Sabine Kienzer, kontextualisieren das Leben und Werk von Katt Both in die heutige Zeit.

Die Veranstaltung wird gefördert von: Pfeiffer-Stiftung für Architektur, Kasseler Sparkasse, Stadt Kassel, Uni Kassel, GWG Kassel, Amt für Chancengleichheit der Stadt Kassel

Flyer zum Download

 

Weitere Veranstaltungen zur Ausstellung Katt Both

  • Dienstag, 10.02., 18 Uhr – Eröffnung mit einführenden Worten von Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und Präsidentin Dr. Ute Clement. Grußworte von Rektor Dr. Martin Schmidl, zur Ausstellung sprechen Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Dr. Ute Maasberg
  • Donnerstag, 12.02., 11 Uhr – Final Review: Projekt Katt Both. Bauhaus-Architektin aus Kassel. Die Ausstellung mit Prof. Dr. Felix Vogel und weiteren Gästen. Moderation: Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs
  • Freitag, 20.02., 17 Uhr – WE ARE MILLENIUM STARS. The Letters by Helena Syrkus. Die Lesung. Maja Wirkus und Eric Pries. Einführung: Dr. Ute Maasberg
  • Freitag, 27.02., 17 Uhr – Anja Guttenberger: bauhaus.foto: Aus Experiment wird Profession. Einführung: Dr. Ute Maasberg
  • Freitag, 6.03., 17 Uhr – Von der Rückkehr und vom Neuanfang. Tabula rasa oder Kontinuität der Moderne? Diskussion: Dr. Jens Uwe Fischer, Dr. Anke Blümm, Dr. Ute Maasberg. Moderation: Prof. Dr. Felix Vogel
  • Sonntag, 8.03., 16 Uhr – Neue Aspekte: Frauen in Architektur und KunstPodiumsdiskussion: Isa Rosenberger und Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs. Moderation: Sabine Kienzer, Intro: Filmvorführung MANDA von Isa Rosenberger | AT/DE 2023 | 22 min | OmeU