Praxisversuche mit Züchtern und Landwirten zur Anwendung von Komposten gegenüber Rhizoctonia solani in Kartoffeln (2006-2012)

Die Wurzeltöter-Krankheit an Kartoffeln wird durch den Erreger Rhizoctonia solani verursacht und ist ein ständiges Problem im Kartoffelanbau. Er verursacht ein Bündel von Schadsymtomen, die zu massiven Qualitäts- und Ertragseinbussen führen können. Während in konventionellen Systemen chemische Mittel zur Verfügung stehen, fehlen im ökologischen Anbau erfolgreiche Kontrollverfahren nahezu vollständig. Der Erreger besitzt zum Überleben zwei Strategien: er kann im Boden und auf der Knolle durch Dauerstadien lange Zeiträume überstehen. Im ökologischen Anbau hat sich in den letzten Jahren das Problem verschärft, da Pflanzgut aus dem ökologischen Anbau verpflichtend für die Betriebe ist.

Seit 2006 werden sehr erfolgreich Arbeiten zur Kontrolle des Erreger mittels einer Reihenapplikation von Komposten direkt zum Legen der Kartoffeln am FÖL durchgeführt. Insbesondere konnten mit Komposten aus Mischungen von Bioabfall und Grüngut sowie aus reinem Grüngut signifikante Befallsverminderungen zwischen 30-50% in allen Symptomen der Krankheit (Sklerotienbesatz, Dry Core, Deformierte Knollen) erzielt werden. Dies führte zu deutlich erhöhten Anteilen von marktfähiger Ware. In 2008 konnte an mehreren Standorten erfolgreich die Daten der Vorjahre reproduziert werden, in 2009 wurden auch durch andere Versuchsansteller die Daten bestätigt. Mit Praxiskomposten aus kommerziellen Anlagen wurden in 2010 und 2011 überprüft, ob die Strategie weiterhin reproduzierbar ist. Im Jahr 2012 steht die Prüfung von Komposten aus Praxisanlage mit unterschiedlichen Rottealter und Kohlenstoffgehalten an 3 verschiedenen Standorten auf der Staatsdomäne Frankenhausen im Mittelpunkt des Interesse; die Messungen beziehen sich auf die –Wirkungen der Komposte zu unterschiedliche Zeitpunkte während der Vegetation auf die Ertragsfaktoren Knollenzahl und –ansatz sowie die unterschiedlichen Symptome. Diese Untersuchungen schließen damit an die Vorjahre an, nachdem sich ergeben hat, dass Modellkomposte besser wirken als Praxiskomposte aber auch aufgrund von stärkere standortabhängigen Streuungen die Ergebnisse im Vergleich zu 2006 bis 2009 schwächer waren. Neben der Quantifizierung aller Symptome während der Vegetation als auch aller Symptome an den Ernteknollen steht der Ertrag im Mittelpunkt der Versuche.

Als weiterer Schwerpunkt wurde seit 2008 an der Entwicklung einer technischen Lösung für die Reihenapplikation der Komposte in Zusammenarbeit mit der Fa. Grimme (Damme) gearbeitet. Inzwischen wurde ein Prototyp fertiggestellt, der im Jahr 2011 erfolgreich im Einsatz war. Die Maschine hat einen Kompostbunker und Aggregate zur Reihenapplikation des Kompostes. Derzeit wird an einer Modifikation des Bunkers gearbeitet, da noch Schwächen zur Vermeidung von Brückenbildungen bestehen.

Derzeitige Fragestellungen sind darüberhinaus die Identifikation von Wirkungsmechanismen der Komposte sowie die Charakterisierung von erfolgreichen Materalien, um bessere Herstellungshinweise für die Kompostanlage geben zu können.


Beteiligte am FÖL

  • Christian Bruns
  • Tina Behrens
  • Elmar Schulte-Geldermann (bis Ende 2008)

Förderung

    • Landwirtschaftskammer Niedersachsen
    • Fa. Ökokontor und Fa. Europlant (Kartoffelzüchter)
    • Fa. Grimme, Damme

Kooperationen

  • Oliver Hensel, FG Agrartechnik
  • Maria R. Finckh, FG Ökologischer Pflanzenschutz

Laufzeit

2006 - 2012

Publikationen

    • Bohne, B., O. Hensel & C. Bruns (2011). Reihenapplikation von Komposten im Kartoffelbau. Kartoffelbau, 4/2011, 42-45.
    • Bruns, C., J. Heß, Maria R. Finckh, O. Hensel & E. Schulte Geldermann. (2010). Kompost gegen den Pilz. Brandenburger Bauern Zeitung, 04/2010
    • Bruns, C., J. Heß, Maria R. Finckh, O. Hensel & E. Schulte Geldermann (2009). Komposteinsatz gegen Rhizoctonia solani im Ökologischen Kartoffelbau. Kartoffelbau, 3/2009, 84-88.
    • Schulte-Geldermann, E., Schüler, C., Hensel, O., Heß, J., Finckh, M.R. & Bruns. C. (2008): Control of Rhizoctonia solani in potatoes with a new application technique of suppressive composts in organic potato production In: J.G. Fuchs, T. Kupper, L. Tamm & K. Schenk (Eds.). Compost and digestate: sustainability, benefits, impacts for the environment and for plant production. Proceedings of the international congress CODIS 2008. February 27-29, 2008, Solothurn, Switzerland. FiBL, FiBL Report, 1st Edition, 2008, 325 Seiten, ISBN 978-3-03736-016-3.
    • Schulte-Geldermann, E., Hensel, O., Finckh, M. R., & Bruns, C. (2008). Einsatz von Komposten als Reihenapplikation zur Reduzierung von Rhizoctonia solani an Kartoffeln - Ergebnisse aus Feldversuchen 2006/2007. 56. Deutsche Pflanzenschutztagung in Kiel, 22.-25.Sept. 2008 Mitt. Julius Kühn-Institut, 417, 250.
    • E. Schulte Geldermann, C. Schüler, O. Hensel, J. Heß, Maria R. Finckh & C. Bruns (2007). Einsatz von Komposten als Reihenapplikation zur Reduzierung von Rhizoctonia solani an Kartoffeln – Ergebnisse aus Feldversuchen 2006/2007. In: Kühne et al. (Hrsg.) Pflanzenschutz im ökologischen Landbau – Probleme und Lösungsansätze – 12. Fachgespräch. Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und innovativer Verfahren im Ökologischen Landbau neue Wirkstoffe und Applikationstechnik. Berichte aus der BBA, Heft 141. Braunschweig 2007.