Ve­gan

Pro­jek­tend­be­richt

Pro­jekt­lauf­zeit

Juni 2014 - Februar 2015

An­sprech­part­ne­rin an der Uni­ver­si­tät Kas­sel

Dipl.-Ing. agr. Claudia Busch

Pro­jekt­lei­tung

Rentenbank Edmund Rehwinkel-Stiftung "Trägt das Image der Landwirtschaft zur steigenden Zahl von Veganern bei?"

Die große öffentliche Aufmerksamkeit, die der Veganismus in jüngster Zeit in den Medien erfährt, kann als Hinweis auf seinen Einfluss auf gesellschaftliche Trends und Wertorientierungen gesehen werden. Da mehr als die Hälfte der Verkaufserlöse der deutschen Landwirtschaft auf tierische Produkte entfällt, stellt die Ausbreitung des Veganismus eine Herausforderung für die deutsche Landwirtschaft dar. Um hier adäquat reagieren zu können, ist ein vertieftes Wissen über Wertorientierungen und Einstellungen von Veganern nötig.
Über eine persönlich-mündliche computergestützte Befragung von 337 Veganern in sieben veganen Supermärkten in fünf deutschen Bundesländern wurden neben soziodemografischen Merkmalen der Verbraucher deren Motive für eine vegane Ernährung und Einflüsse zum Zeitpunkt der Ernährungs-umstellung erfasst. Über verschiedene Statements wurden Images von Landwirten und landwirtschaftlicher Tierhaltung erhoben sowie die Bedeutung von Nachhaltigkeits- oder Gesundheitseffekten veganer Ernährung erfasst. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Frage gerichtet, über welche Quellen sich die Probanden im Hinblick auf vegane sowie landwirtschaftliche Themen informierten, um daraus auf die Imagegenerierung schließen zu können.
Aus den Ergebnissen der Studie ist ersichtlich, dass tierethische Fragen bei der Entscheidung für eine vegane Ernährung eine große Rolle spielen. Dabei wird nicht nur die Art landwirtschaftlicher Tierhaltung kritisiert, sondern von vielen auch das generelle Recht des Menschen in Frage gestellt, Tiere zu nutzen. Gesundheitliche Motive spielen in der Entscheidung für eine vegane Ernährung eine geringere Rolle; allerdings gelten vegane Produkte im Vergleich zu tierischen als gesünder. Als Informationsgrundlage zu landwirtschaftlichen Themen dienen den Veganern – überwiegend jung und hoch gebildet – vielfach Neue Medien. Aber auch diejenigen, die selbst auf dem Land aufwuchsen oder einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Familie haben, zeigen eine sehr kritische Haltung gegenüber Landwirtschaft. Landwirte selbst haben bei Veganern ein deutlich negatives Image. Ihnen wird unterstellt, ihre Tiere nur als ökonomisches Produkt wahrzunehmen. Auch gilt die deutsche Landwirtschaft als ein wesentlicher Mitverursacher von Hunger und Klimabelastung. Positive ökologische Effekte – beispielsweise die Förderung von Biodiversität durch Weidehaltung – werden ihr nicht zugesprochen.
Die Skandale betonende Darstellung von Landwirtschaft in den Medien trägt sicherlich zu deren Image bei Veganern bei. Gleichzeitig müssen sich Landwirte bewusst sein, dass jedes Negativbeispiel in ihrer Branche auf den Einzelnen zurückfällt. Die Ablehnung tierischer Produkte wird steigen, so lange immer wieder tierquälerische Haltungsmethoden aufgedeckt werden. In ihrem eigenen Interesse kann Landwirten daher nur geraten werden, für die Eliminierung solcher Auswüchse in ihrer Branche zu sorgen und die Artgerechtigkeit von Tierhaltung deutlich zu verstärken.