Modellierung der Verkehrsnachfrage von Tagesgästen, Kurzurlaubern und Urlaubern in Großstädten

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dipl.-Ing. Jonas Harz

 

Der so genannte nicht-alltägliche Freizeitverkehr ist ein wesentlicher Verursacher der durch den Straßenverkehr verursachten Feinstaub- und NOx-Emissionen. Er setzt sich aus der An- und Abreise sowie den Wegen am Reiseziel von Tagesgästen und (Kurz-)Urlaubern zusammen. In der Stadt Kassel wird z. B. im Jahresmittel etwa jeder siebte Weg durch Besucher zurückgelegt, dies entspricht etwa 14 % des gesamten Verkehrsaufkommens der Stadt. In touristisch geprägten Städten kann dieser Anteil noch höher liegen.

Gleichzeitig wird dem nicht-alltäglichen Freizeitverkehr zukünftig ein weiteres, im Vergleich zu anderen Verkehrszwecken überproportionales Wachstum prognostiziert, sodass seine Bedeutung hinsichtlich des Klima- und Umweltschutzes weiter zunimmt. Dennoch wird der nicht-alltägliche Freizeitverkehr bislang in der Verkehrsplanung, Mobilitäts- und Tourismusforschung weitgehend vernachlässigt. Die in der Verkehrsplanung etablierten Befragungen zum Mobilitätsverhalten legen in der Regel den Fokus auf die Alltagsmobilität. Dementsprechend wird der nicht-alltägliche Freizeitverkehr bislang auch bei modellgestützten Verkehrsprognosen vernachlässigt.

Das Gesamtziel dieser Forschungsarbeit ist die Entwicklung eines universell einsetzbaren, modellgestützten Planungsinstrumentes, das durch eine auf Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge basierte Abbildung des nicht-alltäglichen Freizeitverkehrs die Qualität von modellgestützten Verkehrsprognosen erhöhen soll. Somit können erstmals Maßnahmen, die gezielt den nicht-alltäglichen Freizeitverkehr betreffen, modellgestützt untersucht und somit deren Wirkungen auf Umwelt, Raum und Verkehr abgeschätzt werden. Aus dem o. g. Gesamtziel des Vorhabens lassen sich folgende Einzelziele ableiten:

  • Entwicklung eines makroskopischen Modells zur Abbildung des nicht-alltäglichen Freizeitverkehrs, bestehend aus theoretischen Modellansätzen (Algorithmen) und einem darauf abgestimmten Erhebungskonzept,
  • Entwicklung eines Personengruppenansatzes, der einerseits Verhaltenshomogenität und andererseits die Prognosefähigkeit berücksichtigt,
  • exemplarische Anwendung des Modells für zwei Personengruppen,
  • Ableitung von Erkenntnissen zum nicht-alltäglichen Freizeitverkehr in Großstädten auf Basis von Literaturrecherche, vorhandenen Daten und eigenen Befragungen.

Die Ergebnisse des Projektes tragen grundlegend dazu bei, den nicht-alltäglichen Freizeitverkehr im Rahmen der strategischen Verkehrsplanung stärker und gezielter beeinflussen zu können. Da das Modell maßnahmensensitiv reagieren soll, können verschiedene Maßnahmen bzw. Maßnahmenbündel simuliert und die Auswirkungen nach deren Umsetzung mit einer höheren Genauigkeit abgeschätzt werden. Darüber hinaus bieten die Ergebnisse kommunalen und touristischen Entscheidungsträgern und Verwaltungen wichtige Erkenntnisse zum nicht-alltäglichen Freizeitverkehr.

 

Laufzeit: 09/2019 bis 08/2022

 

Zuwendungsgeber:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)