Untersuchung von preispolitischen Maßnahmen zur Reduktion der verkehrsbedingten CO2-Emissionen in Ballungsräumen

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dominik Bieland M.Sc.
 

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich verpflichtet, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 %, bis 2030 um 55 % und bis 2050 um 80 % bis 95 % gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu senken. Bis zum Jahr 2016 hat Deutschland die CO2-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr um ca. 27 % gesenkt. Der Verkehrssektor ist dabei der einzige Sektor in Deutschland, der seit dem Jahr 1990 keine CO2-Emissionen eingespart hat. Insgesamt verursacht der Verkehrssektor etwa 20 % der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland, wobei sich dies i. W. auf den motorisierten Individual- und Straßengüterverkehr sowie den Luftverkehr bezieht.

Aufgrund der Diskrepanz zwischen Klima- und Umweltschutzzielen und der tatsächlichen Entwicklung im Verkehrssektor wird im politischen Bereich immer häufiger die Notwendigkeit einer „Verkehrswende“ thematisiert, die – bei aller Unschärfe der politischen Diskussion – davon ausgeht, dass sowohl auf technischer Ebene, als auch auf der Ebene des Verhaltens große Änderungen erforderlich sind. Der Öffentliche Verkehr (ÖV) ist aufgrund der Möglichkeit, längere Reiseweiten mit relativ geringen CO2-Emissionen zurückzulegen, ein wesentlicher Baustein, um die definierten Klimaschutzziele zu erreichen. Es kann davon ausgegangen werden, dass ohne eine wesentliche Verlagerung von Pkw- und Lkw-Fahrten auf den ÖV als Rückgrat eines nachhaltigen Verkehrssystems die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können.

Vor diesem Hintergrund wurde geprüft, welchen Beitrag preispolitische Maßnahmen im Verkehr zur CO2-Einsparung in Ballungsräumen leisten können. Im Rahmen einer Literaturanalyse wurden die Wirkungen

  • von Preisreduzierungen im ÖPNV (inkl. Nulltarif),
  • der Einführung neuer Finanzierungsinstrumente (Basispreismodell, Bürgerticket),
  • der Einführung einer City-Maut bzw. Regio-Maut sowie
  • der Einführung und Anpassung von Parkraumbewirtschaftungskonzepten

betrachtet.

Darüber hinaus wurden in Abstimmung mit dem Auftraggeber preispolitische Maßnahmen identifiziert und deren CO2-Einsparung exemplarisch für die Metropolregion FrankfurtRheinMain abgeschätzt. Im Fokus standen dabei die Einführung

  • einer Jahreskarte zum Preis von 365,- € für die Metropolregion (Pauschalticket),
  • eines Bürgertickets sowie
  • eines Basispreismodells (50 % Preisnachlass auf Tarifprodukte im Gelegenheitsverkehr).

Die Abschätzung der Wirkungen auf Fahrgastnachfrage, Erlöse und zusätzliche Betriebskosten erfolgte szenarienbasiert mit Hilfe grober makroskopischer Modellansätze. Auf Grundlage der abgeschätzten zusätzlichen Fahrgastnachfrage wurde die verlagerte Fahrleistung vom Pkw-Verkehr zum ÖPNV und anschließend die eingesparten CO2-Emissionen berechnet.

 

Laufzeit: 06/2019 bis 09/2019

Auftraggeber: Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH (RMV)