Untersuchungsregion

Bodenseekreis

Der Bodenseekreis erstreckt sich nahezu entlang des gesamten baden-württembergischen Nordufers des Bodensees und gehört zum Regierungsbezirk Tübingen, Kreisstadt und Sitz des Landratsamts ist Friedrichshafen. Auf einer Fläche von 664,72 km² leben rund 215.000 Menschen in 23 Städten und Gemeinden. Mit 318 Einwohnern/km² ist der Kreis verhältnismäßig dicht besiedelt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Bevölkerung zudem stetig gewachsen. Wirtschaftlich dominieren Industrie und produzierendes Gewerbe. In zahlreichen Rankings und Landkreisvergleichen wurde bisher immer wieder bestätigt, dass der Bodenseekreis zu den Topregionen Deutschlands zählt was Wirtschaftskraft, Innovationstärke und Entwicklungschancen anbelangt. In der Landwirtschaft prägen Sonderkulturen wie Obst-, Wein- und Hopfenanbau das Bild. Dank des hohen Freizeitwertes und der landschaftlichen Schönheit ist auch der Fremdenverkehr für die Wirtschaftskraft der Region von großer Bedeutung. Das Landschaftsbild ist durch den Bodensee sowie das angrenzende Hügelland mit Obstkulturen, Weinbau, Wiesen und Wäldern geprägt.

Bodenseekreis

Im Jahr 2010 ist der Bodenseekreis dem Programm des European Energy Award (eea) beigetreten und wurde 2013 zertifiziert. Im Jahr 2017 wurde die Re-Zertifizierung in Gold beantragt, wobei am 6. Juli 2017 die Auditierung erfolgt ist. Eine verbesserte energetische Nutzung der Garten- und Bioabfälle ist ein wesentliches Handlungsfeld im eea-Prozess des Bodenseekreises. Darüber hinaus hat sich der Bodenseekreis im Jahr 2016 ein energiepolitisches Leitbild gegeben, in dessen Rahmen er u.a. durch effizienten Energieeinsatz und Förderung regenerativer Energien eine öffentliche Vorbildfunktion einnehmen und wirtschaftlich und umweltbewusst handeln will.

 

Der Bodenseekreis ist öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger gem. Kreislaufwirtschaftsgesetz für das Gebiet des Bodenseekreises. Als solcher ist er dazu verpflichtet, die in seinem Gebiet angefallenen und ihm überlassenen Abfälle aus privaten Haushalten zu verwerten oder zu beseitigen, wozu auch die ordnungsgemäße Entsorgung von Gartenabfällen gehört. Der Bodenseekreis sammelt bereits seit Ende der 1980er Jahre Gartenabfälle separat. Aktuell werden rund 18.000 Tonnen an Gartenabfällen erfasst und verwertet (2017). Diese umfassen krautige und schwach holzige Fraktionen aus Grünpflegearbeiten durch Privatpersonen und Unternehmen sowie Pflegemaßnahmen aus dem öffentlichen Bereich. Punktuell kommen weitere Fraktionen wie Laub und Wurzelstöcke hinzu.

Bild: Andreas Ziermann
Obstanbau im Bodenseekreis
Bild: Andreas Ziermann
Obstanbau im Bodenseekreis

Stadt Friedrichshafen

Die Stadt Friedrichshafen ist mit gut 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die größte Stadt am Nordufer des Bodensees und der Region Bodensee-Oberschwaben. Der Verwaltungssitz des Bodenseekreises nimmt zusammen mit seinen Ortsteilen Ailingen, Ettenkirch, Kluftern und Raderach eine Fläche von rund 7.000 Hektar ein. Die Gesamtfläche gliederte sich 2017 in rund 30 % Siedlungs- und Verkehrsfläche, 50 % Landwirtschaftsfläche sowie 20 % Waldfläche. Seit 1990 hat die Bevölkerung um  12 %, die Siedlungs- und Verkehrsfläche sogar um 20 % zugenommen, während der Anteil der Agrarflächen um 9 % abgenommen hat. Aufgrund einer ungebrochenen Entwicklungsdynamik und florierender Industriebetriebe sieht sich Friedrichshafen einer soliden Finanzausstattung gegenüber, zugleich ist die Stadt aber auch mit den damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert, wie etwa zunehmendem Flächenverbrauch und einer Zunahme des Verkehrsaufkommens in weiten Teilen des Stadtgebiets.

Stadt Friedrichshafen

Um diese Herausforderungen zu meistern, strebt die Stadt Friedrichshafen eine sozial-, ökonomisch- und ökologisch nachhaltige Entwicklung an. Zu diesem Zweck veröffentlicht die Stadt seit 2003 alle zwei bis drei Jahre einen Nachhaltigkeitsbericht und begleitet ihr Handeln mit Erfolgskontrollen. Auch in anderen Themenfeldern mit Nachhaltigkeitsbezug ist die Stadt im Süden Baden-Württembergs hervorragend aufgestellt. Unter anderem fördert sie den Ausbau erneuerbarer Energien und der E-Mobilität, ist Gründungsmitglied im Bündnis der Kommunen für biologische Vielfalt und bietet ein umfassendes Angebot zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Aufgrund dieser und anderer Aktivitäten wurde die Stadt Friedrichshafen 2012 und 2016 mit dem European Energy Award in Gold ausgezeichnet. Konkret ist es der Stadt gelungen, ihre CO2-Emissionen seit 1990 in den Bereichen Kommunale Liegenschaften um 46,5 % zu senken, bei den privaten Haushalten um 28,9 % und im Verkehr um 22,4 % (Stand 2015). Der Strombezug für die kommunalen Liegenschaften einschl. Straßenbeleuchtung besteht zu 100 % Ökostrom. Zudem bindet Friedrichshafen seine Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von Beteiligungsprozessen über Workshops und Online-Plattformen früh und intensiv in Entscheidungsprozesse mit ein. Damit ist die Stadt Friedrichshafen in Sachen kommunaler Nachhaltigkeit nicht nur in ihrer Region am Bodensee Vorbild. Insbesondere ihre Governance-Strukturen sind beispielhaft und zeichnen sich durch eine bodenständige und zugleich innovative, systematische und beständige Nachhaltigkeitspolitik aus.