Conceptual and Empirical Tensions in Political Agroecology: Reflecting on Polycentric Governance and the EU Case
Präsentator*innen: Prof. Andreas Thiel, Prof. Praveen Jha
Die Präsentation untersuchte die konzeptionellen Grundlagen, politischen Annahmen und Governance-Spannungen der Politischen Agrarökologie sowie die Frage, wie diese Ansätze mit der Agrar- und Ernährungspolitik der Europäischen Union zusammenhängen. Sie basierte auf den Arbeiten von Ariane Goetz, Andreas Thiel, Theresa Meyer, Nora Schütze und anderen.
Die Präsentation erläuterte Agrarökologie als mehr als eine landwirtschaftliche Methode. Sie stellte Agrarökologie als Praxis, Wissenschaft und Bewegung dar. Als Praxis beruhen agrarökologische Anbaumethoden auf Biodiversität, lokalen Ressourcen, einem geringeren Einsatz externer Betriebsmittel sowie einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Land und Wasser. Als Wissenschaft untersucht die Agrarökologie das gesamte Ernährungssystem und bezieht ökologische, soziale, wirtschaftliche und politische Dimensionen ein. Als Bewegung zielt sie darauf ab, Ernährungssysteme zu verändern, indem lokale, resiliente, gerechte und nachhaltige Formen der Lebensmittelproduktion unterstützt werden.
Der Schwerpunkt der Präsentation lag auf dem Konzept der Politischen Agrarökologie. Dabei wird Agrarökologie nicht nur als technischer oder ökologischer Ansatz verstanden, sondern auch als politisches Projekt, das dominante Ernährungssysteme, Kapitalismus, industrielle Landwirtschaft, die Macht von Unternehmen und ungleichen globalen Handel hinterfragt. Die Präsentation stellte die Politische Agrarökologie in Zusammenhang mit Konzepten wie Ernährungssouveränität, Degrowth, Dekolonialität, sozialer Gerechtigkeit, radikaler Demokratie, bäuerlicher Autonomie und dem Schutz lokaler bzw. territorialer Ernährungssysteme.
Die Präsentation behandelte außerdem die polyzentrische Governance, die sich auf Systeme mit mehreren Entscheidungszentren und nicht nur einer zentralen Autorität bezieht. Es wurde untersucht, ob dieses Governance-Modell eine agrarökologische Transformation unterstützen kann, indem es die Zusammenarbeit zwischen Landwirt*'innen, Verbraucher*innen, der Zivilgesellschaft, dem Staat und anderen Akteur*innen fördert. Gleichzeitig wurden Spannungen innerhalb dieses Ansatzes aufgezeigt, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Staates, der Eigentumsrechte, der Märkte und der bäuerlichen Autonomie sowie der Frage, ob agrarökologische Governance innerhalb kapitalistischer Systeme funktionieren kann.