Tea Time - Silencing Colonialism: German Cultural Heritages and Memory Politics- Recent Developments and Controversies
Referent: Hubertus Büschel
In dieser „Teatime“-Veranstaltung werden aktuelle und andauernde Entwicklungen in der deutschen „Erinnerungskultur“ und Erinnerungspolitik erörtert, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschweigen, Leugnen und Vernachlässigen des deutschen Kolonialismus und der von Deutschen und ihren Kollaborateuren begangenen Kolonialverbrechen, darunter der Völkermord an den Herero und Nama.
Im Mittelpunkt dieser Diskussion steht die besorgniserregende politische Ausrichtung des derzeitigen Staatsministers für Kultur, Wolfram Weimer, der den deutschen Kolonialismus aus dem neuen staatlich geleiteten Konzept für Gedenkstätten ausgeschlossen hat. Dies hat zur Einstellung der Finanzierung und Unterstützung von Programmen geführt, die sich mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands befassen. Während seine Vorgängerin Claudia Roth bestrebt war, die Kolonialgeschichte als „dritte Säule“ der deutschen Erinnerungskultur zu etablieren, konzentriert sich Weimers Ansatz ausschließlich auf das nationalsozialistische Terrorregime und die SED-Diktatur.
Politiker deutscher Parteien wie der Grünen und der Linken sowie mehrere zivilgesellschaftliche Initiativen haben diese Politik als „Rückschritt“ und als Versuch kritisiert, die Verantwortung Deutschlands für Kolonialverbrechen zu relativieren. Sie fordern weiterhin, dass koloniale Gewalt, Rassismus und Völkermord als integraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur und der politischen Verantwortung anerkannt werden.
Dieser Vortrag wird die Hintergründe und Etappen dieser jüngsten Entwicklung nachzeichnen und gleichzeitig die lange Tradition innerhalb der deutschen Geschichtsschreibung und Erinnerungspolitik aufzeigen, koloniale Verbrechen und Völkermorde zu verschweigen, zu leugnen oder herunterzuspielen. Der Vortrag zielt darauf ab, eine kritische Diskussion unter den Teilnehmenden darüber anzuregen, wie solchen Tendenzen entgegengewirkt werden kann. Zudem regt er zum Nachdenken über die Auswirkungen dieser erneuten Welle der kolonialen Schönfärberei in Deutschland auf Entwicklungszusammenarbeit, Gleichberechtigung, Dekolonialisierung und globale Partnerschaft an.
Es handelt sich um eine interne Veranstaltung des GPN, aber wenn Sie Interesse daran haben, wenden Sie sich bitte an Omphulusa Nengwekhulu – omphulusa.nengwekhulu[at]ru[dot]ac[dot]za