Der Ma­schi­nen­bau heu­te: For­schung im Zei­chen der Nach­hal­tig­keit

Wann wurde die Gesamthochschule Kassel zur Universität Kassel? Wie heterogen ist die Studierendenschaft am Fachbereich Maschinenbau? Und wie tragen unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Lösung aktueller ökologisch-gesellschaftlicher Probleme bei? Diese Fragen beantworten wir im vierten Teil unserer Kurzserie zur Geschichte des Maschinenbaus in Kassel.

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Die Gesamthochschule Kassel wurde als Reformhochschule gegründet. Dabei bestand ein Kernanliegen darin, auch Menschen ohne Abitur ein Hochschulstudium zu ermöglichen und breiteren Teilen der Bevölkerung den Zugang zu einer wissenschaftlichen Bildung zu eröffnen. Da aber Gesamthochschulen in der öffentlichen Wahrnehmung und im Wechsel des Zeitgeistes weniger Ansehen und Reputation genossen als etablierte Universitäten, wurde die „Gesamthochschule Kassel“ 1993 in „Universität Gesamthochschule Kassel“ und 2003 schließlich in „Universität Kassel“ umbenannt. Mit dieser Namensänderung ging eine deutliche Aufwertung des Wissenschaftsstandortes Kassel einher. Doch trotz der Umbenennung lebt das Erbe der Reformhochschule in der Universität Kassel weiter, die noch heute Menschen mit unterschiedlichsten Bildungsbiografien für ein Studium offensteht. Der Fachbereich Maschinenbau bildet hier keine Ausnahme und so verfügen heute nur etwas mehr als die Hälfte unserer Studierenden über ein klassisches Abitur. Demgegenüber haben sich ca. 40% unserer Studierenden über ihre Fachhochschulreife, ihre ausländischen Abschlüsse oder ihre berufliche Vorbildung („Studieren ohne Abitur“) für ein Studium des Maschinenbaus oder der Mechatronik qualifiziert.

Der Fachbereich Maschinenbau hat sich den Leitprinzipien der Integration, Diversität und Internationalität verpflichtet. Gleichzeitig wird auch dem Thema Nachhaltigkeit seit mehreren Jahrzehnten eine herausragende Bedeutung beigemessen. So hat bereits in den 1990er Jahren Prof. Werner Kleinkauf die Notwendigkeit zur nachhaltigen Ausrichtung der Ingenieurswissenschaften angemahnt:

Eine generelle Besinnung des Ingenieurs auf althergebrachte Tugenden, Technik zu gestalten und nicht ‚nur‘ Weiterentwicklungen und Verbesserungen anzubringen, wird zur Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben allerdings unerläßlich sein. [...] Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, daß gesicherter Erkenntniszuwachs, wie er beispielsweise in jüngster Zeit in den Sektoren Umwelt und Klima gewonnen wurde, auch in adäquate Technik umgesetzt werden kann. Bei der Lösung von aufgestauten Problemen mitzuwirken und für nachfolgende Generationen Perspektiven zu eröffnen, ist erforderlich und erschließt neue Tätigkeitsfelder. Ausbildung und Forschung an Universitäten im Ingenieurbereich eignen sich in hervorragender Weise, hier neue, zukunftsorientierte Maßstäbe zu entwickeln.“ (Kleinkauf 1996, S. 188–189)

Der Kasseler Maschinenbau sieht sich in diesem Sinne auch weiterhin einer zukunftsorientierten Forschung verpflichtet. Dies spiegelt sich auch in dem im Jahr 2021 neu überarbeiteten Forschungsprofil mit seinen vier aktuellen Forschungsschwerpunkten wider:

  1. Biologisierung der Technik
  2. Dekarbonisierung und Ressourceneffizienz
  3. Digitale Transformation von Produkten und Prozessen
  4. Zuverlässigkeit von Prozessen, Strukturen und Funktionen

Mit ihrer Forschung gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fachbereich Maschinenbau neue Wege und tragen damit zur Ressourcenschonung und umweltgerechten Transformation von Wirtschaft, Technik und Gesellschaft bei.

Text Daniel Koch

Quelle

Kleinkauf, Werner (1996): Gestalten oder nachvollziehen? Aspekte zur Entwicklung der Ingenieurwissenschaften an der GhK. In: Annette Ulbricht-Hopf (Hg.): ProfilBildung. Texte zu 25 Jahren Universität Gesamthochschule Kassel. 1. Aufl. Zürich: vdf Hochsch.-Verl. an der ETH (Kasseler Semesterbücher Reihe Studia cassellana), S. 179–190.