Erstmals sektorübergreifende Modellierung: ITOM-Framework für Stahl, Petrochemie und Zement
Stahl, Petrochemie und Zement zählen zu den größten industriellen CO₂-Emittenten weltweit. Ihre Dekarbonisierung ist eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende, sie kann nicht isoliert betrachtet werden. Denn die drei Sektoren konkurrieren um dieselben knappen Ressourcen: Biomasse, Abfallströme und geologische CO₂-Speicherkapazitäten.
Genau hier setzt die neue Studie von Agora Industry an, an der das Fachgebiet Sustainable Technology Design der Universität Kassel maßgeblich beteiligt war. Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut wurde das ITOM-Modell-Framework erstmals parallel für alle drei Sektoren eingesetzt — und damit systematisch untersucht, wie Wechselwirkungen zwischen den Industrien die Transformationspfade beeinflussen.
Die Modellierungsarbeiten für Stahl und Petrochemie liefern konkrete technologische Erkenntnisse:
- Direktreduktionsanlagen (DRI) sind ein zentraler Baustein der Stahlwende — jedoch nur mit ambitionierter Klimapolitik, um eine langfristige Erdgas-Abhängigkeit zu vermeiden.
- Elektrolichtbogenöfen (EAF) werden die europäische Stahlproduktion zunehmend prägen und erfordern neue Ansätze in Produktionsplanung und Supply Chain Management.
- Die Elektrifizierung der Wärmeversorgung in der Petrochemie bietet trotz stärkerer regionaler Energiemarktintegration erhebliche strategische Vorteile.
- Eine Post-Petro-Chemie erfordert neben der Abkehr von fossilen Rohstoffen eine deutliche Steigerung der Kohlenstoffeffizienz — etwa durch chemisches Recycling und Carbon Looping.
- Bei konservativen Annahmen zur CO₂-Speicherkapazität entstehen erhebliche Nutzungskonflikte zwischen den Sektoren; aus Kostensicht sollte die Zementindustrie prioritären Zugang zu CCS erhalten.
Die vollständige Studie ist auf der Website von Agora Industry verfügbar: https://www.agora-industry.org/publications/a-strategic-path-for-eu-industry
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Team SusTec: