Uni Kassel

Universität Gesamthochschule Kassel

Pressemitteilung 73/98


23. Juli 1998

"Innovationen aus Bildung, Staat, Wirtschaft":

GhK präsentiert sich im Bundespräsidentenamt

 

Kassel. Die Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) nimmt als eine von wenigen deutschen Hochschulen an der Veranstaltung "Ein Tag für die Zukunft" im Bundespräsidentenamt Berlin teil. Die Veranstaltung findet am 23. Juli im Schloß Bellevue unter dem Motto "Schaufenster Bellevue – Innovationen aus Bildung, Staat und Wirtschaft" statt. Dabei bietet der Bundespräsident Roman Herzog ausgewählten Initiativen und Projekten Gelegenheit, sich in Ausstellungen und Gesprächen zu präsentieren. Die Präsentation ist mit den Teilen "Bildung", "Arbeit und Wirtschaft" und "Verwaltung" geplant.

Die GhK wurde eingeladen, zusammen mit insgesamt 21 Hochschulen innovative Projekte auszustellen. Sie wird mit ihrem Programm "Von der Uni zum Entrepreneur" in der Ausstellung vertreten sein. Hochschulpräsident Prof. Dr. Hans Brinckmann ist gebeten worden, an einer der zwei Podiumsgespräche zum Bereich "Hochschulen" teilzunehmen.

 

Von der Uni zum Entrepreneur

Im Ausstellungszelt "Bildung" wird sich die GhK mit der Thematik "Von der Uni zum Entrepreneur" vorstellen. Das Programm wird vom Bereich Wissenstransfer seit 1996 angeboten und vereint die Kompetenzen der darin beteiligten Kontaktstelle für wissenschaftliche Weiterbildung und der Technologie- und Innovationsberatung.
Unter den Unternehmensgründungen sind Hochschulabsolventen überproportional stark vertreten. Hochschulabsolventen, die ein Unternehmen gründen, gehen zwei unterschiedliche Wege. Ein oft beschrittener Weg ist der, zunächst in einem bestehenden Unternehmen Berufserfahrung und Branchenkenntnisse zu sammeln und dann in bestehenden Märkten zu gründen. Der derzeit stattfindende Strukturwandel bietet jedoch Gründern aus der Hochschule die Möglichkeit, ein Unternehmen unmittelbar nach der Hochschulzeit zu gründen und mit Produkten und Dienstleistungen in neu entstehenden Märkten Fuß zu fassen. Dies sind in der Regel Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen mit einem hohen Wissensanteil verbinden.

Der Gründer, der nach der Hochschulzeit zunächst in einem Unternehmen arbeitet, erwirbt Branchen- bzw. Marktkenntnisse während dieser Zeit und entwickelt darauf seine Gründungsidee.
In neu entstehenden Märkten der wissensintensiven Dienstleistungen und Produkte ist die Hochschule zugleich Wissensgeber, Ausbilder und Informationspool und daher für die Initiierung und Entstehung von wissensintensiven Existenzgründungen besonders geeignet. Neue Dienstleistungen und Produkte benötigen zu ihrer Entstehung nur wenig Kapital, dafür mehr persönlichen Einsatz, d.h. Gründer(innen) in diesem Bereich müssen über eine hohe Durchsetzungsfähigkeit bei der Umsetzung ihrer Ideen verfügen und vor allem über eine gute Idee. Diese Fähigkeit, mit neuen Produkten neue Märkte zu gestalten, wird den Entrepreneuren zugeschrieben. An diesen spezifischen Überlegungen und Bedingungen setzt das Unterstützungsprogramm "Von der Uni zum Entrepreneur" der GhK an.

Die Ideenfindung und Ideenverfeinerung wird als langwieriger iterativer Prozeß verstanden, der während der Hochschulzeit initiiert und unterstützt werden kann. Er ersetzt den traditionellen Erwerb von Branchenkenntnissen durch Berufstätigkeit in einem bestehenden Unternehmen und in bereits bestehenden Märkten. Diesen vergleichbaren Prozeß innerhalb der Hochschule studienbegleitend zu gestalten, ist Aufgabe und Zielsetzung des Entrepreneur-Programms. Es besteht aus einem Weiterbildungsprogramm, das strukturelles Wissen mit persönlichkeitsfördernden Angeboten verbindet. Die weiteren Bestandteile sind ein Infrastrukturangebot in den Räumen der Hochschule für die ersten Gehversuche sowie ein spezifischer Regionalfonds für wissensintensive Gründungen.
Für die Gründer stellt die Hochschule ihre Infrastruktur bereit, dazu gehören Geräte- und Raumnutzung, Zugänge zum Internet und Nutzung des Informationspools, wie z. B. das Patentinformationszentrum, das Wissen aller Fachbereiche – speziell Wirtschaftswissenschaften, Visuelle Kommunikation, Produkt-Design – sowie den Zugang zu den zentralen Holz- und Metallwerkstätten.
Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen erfordert bei den Gründern ein spezielles Wissen in den Bereichen Marketing und Produktgestaltung. Die Hochschule unterstützt die Gründer durch Messeteilnahmen und einem Coaching-Angebot. Flankiert wird dieser Marktzugang der jungen Unternehmen durch eine finanzielle Hilfe in Höhe von 30 000 Mark für ein Jahr. Die Hilfe ist an die Teilnahme an Weiterbildung und Betreuung durch geeignete Paten gebunden.
Ein Netz bereits aus der Hochschule gegründeter Unternehmen bietet Unterstützung in Marketingfragen und bei betriebswirtschaftlichen Problemen.
Zur Stimulierung und Förderung wissensintensiver Dienstleistungsunternehmen werden Promotoren aller Fachbereiche zusammenarbeiten, die einen Gründungsrat bilden mit Promotoren und Unternehmen aus dem Umfeld der GhK, der alle gründungsrelevanten Aktivitäten koordiniert.

Das Weiterbildungsprogramm "Von der Uni zum Entrepreneur" wurde von 1996 bis 1998 vom Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt. Von 1998 bis zum Jahr 2000 werden in einem ADAPT-Projekt "Wissensintensive unternehmensorientierte Dienstleistungen finden – Gründungsprozesse aus der Hochschule initiieren und unterstützen" Ideenfindungs- und –verfeinerungsprozesse für Existenzgründungen aus allen Fachbereichen der Universität erarbeitet. Kooperationen bestehen zu Institutionen in den Niederlanden, Frankreich, Italien und Großbritannien. Regional arbeitet das Programm mit der IHK und Handwerkskammer Kassel, dem Rationalisierungkuratorium der deutschen Wirtschaft (RKW) und Banken und Unternehmen zusammen.

 

Podium zu Vernetzung von Hochschulen
"Vernetzung von Hochschulen" heißt der Titel der Gesprächsrunde am 23. Juli, 14.30 Uhr. An dem Podiumsgespräch "Vernetzung von Hochschulen nimmt der Kasseler Universitätspräsident gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), Prof. Dr. Alfred Hierold, Rektor der Universität Bamberg, Prof. Dr. Rolf Emmermann, Wissenschaftlicher Vorstand des Geoforschungszentrums Potsdam und Prof. Dr.-Ing. Peter Dietrich, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz teil.


"Vernetzung der Hochschulen" soll thematisieren, wie Hochschulen ihre jeweilige besondere Kompetenz in die Bildungslandschaft einbringen und angesichts von Finanzknappheit neue Wege zu Wettbewerb und Zusammenarbeit, zu Profilbildung, zu Offenheit und Flexibilität beschreiten können.

GhK-Präsident Brinckmann wird in diesem Zusammenhang Vernetzungen der Kasseler Uni mit Hochschulen im Ausland, Forschungskooperation mit außeruniversitären Einrichtungen sowie vernetzte Studiengänge mit der Region und ausländischen Unis vorstellen.
Beispielsweise pflegt die GhK überproportional viele sogenannte SOKRATES/ERASMUS-Partnerschaften mit Hochschulen zwischen Lappland und Portugal. In diesen rund 100 Partnerschaften werden der Austausch der Studierenden und von Wissenschaftlern unterstützt. Dazu kommen spezielle Studiengänge, die in Kooperation mit anderen Universitäten angeboten werden – etwa das deutsch-französische Doppeldiplom für Wirtschaftswissenschaften, der Internationale Ergänzungsstudiengang Medienwissenschaften/MA in European Studies mit einem integrierten Ausbildungskonzept der GhK mit Frankreich, England, Spanien, Italien, Österreich und Schweden; oder ein Master-Studiengang "Electrical Communication Engineering" mit Hochschulen in Entwicklungsländern, der Aufbaustudiengang "Deutsch als Fremdsprache", gemeinsam mit Universitäten in Island, Österreich und Griechenland sowie ein internationaler Studiengang im Fach Elektrotechnik für deutsche und englische Ingenieurstudenten der Unis Kassel und Reading.

Beispiele für außeruniversitäre Forschungskooperationen der Kasseler Uni sind etwa das Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) in Kassel und Hanau, das Zentrum für Integrierten Umweltschutz (ZIU), Kassel, die Beteiligung am Technologie- und Förderzentrum (FIDT) Kassel, das Institut für Literaturgeschichte Arolsen, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin oder das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Karlsruhe.

Auch bei ihren weiterbildenden Studiengängen ist die GhK eng verzahnt mit Kooperationspartnern, etwa mit der Versicherungswirtschaft oder der Fachhochschule für Verwaltung, Kassel.

back  mail

Kritik, Anregung, Verantwortlich und mehr ... Öffentlichkeitsarbeit
(letzte Änderung am 09.11.98)