Von den Organisationseinheiten zur Fachbereichsstruktur


Die 1970er Jahre – aus Organisationseinheiten werden Fachbereiche
Die neu gegründete GhK wurde 1971 in Organisationseinheiten (OE) gegliedert. Sie wurden zum Teil aus den Vorläufereinrichtungen, also der ehemaligen Hochschule für bildende Künste, Fachhochschulen sowie pädagogischen und sozialpädagogischen Ausbildungsstätten überführt. So entstand aus der Ingenieurschule für Landbau in Witzenhausen die OE Landwirtschaft, aus der Deutschen Ingenieurschule für ausländische Landwirtschaft in Witzenhausen die OE Internationale Agrarwirtschaft, aus der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule in Kassel die OE Wirtschaft, aus den  Staatlichen Ingenieurschulen für Maschinenwesen sowie Bauwesen die OE Maschinenbau, die OE Elektrotechnik und die OE Bauingenieurwesen, aus der ehemaligen Hochschule für bildende Künste die OE Grafic Design, die OE Industrial Design und die OE Kunstwissenschaft, aus der Kirchlichen Höheren Fachschule sowie der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik der Stadt Kassel die OE Sozialarbeit  etc.. Nach einen intensiven Diskussions- und Gestaltungsprozess um Studieninhalte und Organisationsformen wurden die Organisationseinheiten (OE) in den folgenden Jahren mehrfach umbenannt und umorganisiert, bis sie 1979 in überwiegend neuer Struktur in 21 Fachbereiche (FB) gegliedert wurden. Der Lehrbetrieb beginnt am 26. Oktober 1971 mit 2983 Studentinnen und Studenten.

Im WS 71/72 werden im ersten Vorlesungsverzeichnis die sogenannten "vorläufigen" Organisationseinheiten benannt als OE Gestaltlehre, OE Malerei/Plastik, OE Graphic/Design, OE Architektur/Landschaftsplanung, OE Industrial Design, OE Kunstwissenschaft, OE Pädagogik, OE Sozial- und Kulturwissenschaften, OE Sozialarbeit, OE Wirtschaft, OE Mathematik, OE Naturwissenschaften und Datenverarbeitung, OE Bauingenieurwesen, OE Maschinenbau, OE Elektrotechnik, OE Landbau und OE Ausländische Landwirtschaft. Andere Organisationseinheiten werden vorrangig für die Lehramtsausbildung neu gebildet. Dazu zählen die neu eingerichtete vorläufige OE I Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, die vorläufige OE II Sprache und Literatur sowie die vorläufige OE III Naturwissenschaften und Mathematik.

Im Vorlesungsverzeichnis des SS 1972 sind bereits die endgültigen Organisationseinheiten der Gründungsphase aufgeführt. Sie haben Bestand bis Mitte der 70er Jahre. Dies sind:

OE 01 Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften
OE 02 Sprache und Literatur
OE 03 Mathematik und Naturwissenschaften
OE 04 Gestaltlehre
OE 05 Malerei/Plastik
OE 06 Architektur/Landschaftsarchitektur
OE 07 Graphic Design
OE 08 Industrial Design
OE 09 Kunstwissenschaft
OE 10 Technisches Zentrum
OE 11 Architektur
OE 12 Bauingenieurwesen
OE 13 Maschinenbau
OE 14 Elektrotechnik
OE 15 Wirtschaft
OE 16 Sozialpädagogik
OE 17 Sozialarbeit
OE 18 Pädagogik
OE 19 Landwirtschaft
OE 20 Internationale Agrarwirtschaft
OE 21 Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung
OE 22 Sozial- und Kulturwissenschaften

1973 werden die Diplomstudiengänge für Mathematik und Physik eingerichtet; erste Aufbau-, Ergänzungs- und Kontaktstudiengänge werden angeboten. 1974 wird der erste "Integrierte Diplom-Studiengang" nach dem "Kasseler Modell" gestufter Studiengänge im Sozialwesen eingerichtet. 1975 beginnen die sog. integrierten (gestuften) Studiengänge in den Organisationseinheiten Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Architektur und Landschaftsplanung (ab 1976/77 auch der Stadtplanung). Im Laufe der kontinuierlichen Reorganisation der Hochschulstruktur wurden die Organisationseinheiten in Fachbereiche umgewandelt. 1979 beginnt der integrierte Studiengang Agrarwissenschaft in Witzenhausen. 1980 erfolgt die Überführung des letzten Fachhochschulstudiengangs Elektrotechnik in einen integrierten Diplomstudiengang.

Im SS 74 wird von der OE Architektur/Landschaftsplanung (ehemaliger Kunsthochschulbereich) und der OE Architektur (ehemaliger Fachhochschulbereich) die Integrierte Abschlussphase (IAP) eingeführt und im WS 1974/75 die zusammengefasste OE Architektur gebildet.

Im WS 1975/76 wird aus der OE Gesellschafts- und Erziehungswissenschaft die OE Erziehungswissenschaft und Musik, die OE Architektur wird zu Architektur/Landschaftsarchitektur. Neu hinzu kommen: OE Berufspädagogik und Polytechnische Wissenschaften, OE Politisch-historische Wissenschaften, OE Soziologie, Politische Ökonomie, Geografie, Didaktik der Gesellschaftslehre und Religionspädagogik.

Im WS 1976/77 wird aus der OE Architektur/Landschaftsarchitektur die Erweiterung OE Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung.

1978 tritt auch der integrierte Diplom-Studiengang in Wirtschaftswissenschaften anstelle des bisherigen Fachhochschulstudiengangs.

1978 entstehen mit Zustimmung des Gründungsbeirats 21 Fachbereiche (FB). Unter anderem erwachsen aus der OE Sprache und Literatur zwei selbständige Fachbereiche: Anglistik/Romanistik (FB 08) sowie Germanistik (FB 09). Die künstlerischen OEen, 04 Gestaltlehre, 05 Malerei/Plastik, 07 Graphic Design, 08 Industrial Design sowie 09 Kunstwissenschaft vereinen sich nun im FB 10 Kunst sowie im FB 11 Gestaltung. Neu sind ebenfalls der FB 03 Psychologie, Sport, Musik sowie der FB 01 Erziehungswissenschaft, Humanwissenschaften.
Das Technische Zentrum bildete eine zusätzliche interdisziplinäre Einheit, die Werkstätten und Labore vor allem für Studierende künstlerischer und gestalterischer Studiengänge vereint hat. Die Organisationseinheiten waren in ihren Fachgebieten, wie auch die heutigen Fachbereiche, für Forschung und Entwicklung sowie Lehre und Studium verantwortlich. Von Beginn an wurde der interdisziplinären Arbeit großer Wert zugemessen und in den Aufgaben festgeschrieben.

Erstmals im SS 1979 werden im Vorlesungsverzeichnis die Fachbereiche 1-21 und die Sonstigen Einrichtungen (SE) vorgestellt:

Aus der OE Erziehungswissenschaft und Musik wird der FB 1 Erziehungswissenschaft/ Humanwissenschaften.

Aus der OE Berufspädagogik, Polytechnische Wissenschaften wird der
FB 2 Berufspädagogik, Polytechnik, Arbeitswissenschaft.

Aus der OE Psychologie, Sportwissenschaft wird der FB 3 Psychologie, Sport, Musik.

Die OE Sozialwesen wird zum FB 4 Sozialwesen.

Aus der OE Soziologie, Politische Ökonomie, Geografie, Didaktik der Gesellschaftslehre, Religionswissenschaft und der OE Politisch-historische Wissenschaften entstehen der FB 5 Kulturwissenschaften und der FB 6 Angewandte Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft.

Aus der OE Wirtschaft wird der FB 7 Wirtschaftswissenschaften.

Aus der OE Sprache und Literatur entstehen der FB 8 Anglistik/Romanistik und der FB 9 Germanistik.

Aus den OE Kunst, OE Graphic Design und OE Industrial Design entstehen der FB 10 Kunst sowie der FB 11 Gestaltung.

Aus der OE Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung entstehen der FB 12 Architektur und der FB 13 Stadtplanung, Landschaftsplanung.

Die OE Bauingenieurwesen, die OE Maschinenbau und die OE Elektrotechnik werden zu den gleichnamigen (in Reihenfolge) FB 14, FB 15 und FB 16.

Aus der OE Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung werden der FB 17 Mathematik, der FB 18 Physik und der FB 19 Biologie, Chemie.

Die OE Landwirtschaft und OE Internationale Agrarwirtschaft werden zu den gleichnamigen FB 20 und FB 21.

Es entstehen für die fachbereichsübergreifende Organisation die beiden Studienbereiche Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (SB I) und das Erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliches Kernstudium (SB II).

(Quelle: Vorlesungsverzeichnisse ab WS 71/72)


Die 1980er Jahre - Zeit der Stabilität der Fachbereiche
Nur in den folgenden frühen 1980er Jahren bleibt die Konstituierung und Benennung der Fachbereiche noch in Bewegung:

Im SS 1980 organisieren sich der FB 10 Kunst und der FB 11 Gestaltung um in die FB 10/1 Kunst, FB 10/2 Visuelle Kommunikation und FB 10/3 Produkt-Design.

Im SS 1981 benennt sich der FB 3 um in Psychologie, Sportwissenschaft, Musik. Der FB 5 Kulturwissenschaft nennt sich nun FB 5 Gesellschaftswissenschaften. Die FB 10/1,2 und 3 werden zu FB 22 Kunst, FB 23 Visuelle Kommunikation und FB 24 Produkt-Design.

Unter dieser Struktur arbeiten die Fachbereiche in den 80er Jahren nun konstant weiter.

(Quelle: Vorlesungsverzeichnisse 1971-1989)


Die 1990er Jahre – Partielle Veränderungen
Im SS 1993 erhält der FB 17 Mathematik die Erweiterung FB 17 Mathematik/Informatik.

Im WS 1993/94 entsteht der Fachbereich Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung aus den bisherigen Fachbereichen Landwirtschaft und Internationale Agrarwirtschaft. Hintergrund ist die Entscheidung, das Profil des agrarwissenschaftlichen Fachbereichs vollständig auf ökologisch orientierte Forschung und Lehre auszurichten. Die Ausrichtung des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen ist einzigartig in Europa. Es entsteht der FB 11 Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung.


Ab 2000 –Konzentration der Fachbereiche und der Bologna-Prozess
Im Zuge des Bologna-Prozesses beginnt ab 2007 die Umstellung der bisherigen Studiengänge auf modulare und akkreditierte Studiengänge. Die im Kasseler Modell entwickelten gestuften Studiengänge mit einem Diplom I und Diplom II-Abschluss sind Erfahrungshintergrund für die nun eingeführten Bachelor- und Masterstudiengängen.

Im Jahr 2000 werden die Fachbereiche 22 Kunst (Freie Kunst, Kunstwissenschaft, Kunsterziehung), 23 Visuelle Kommunikation und 24 Produkt-Design zum FB 20 unter der Bezeichnung Kunsthochschule Kassel als teilautonomer Fachbereich zusammengefasst.

Im SS 2002 erhält der FB 16 Elektrotechnik die Erweiterung FB 16 Elektrotechnik/ Informatik.

Im WS 2002/2003 wird aus dem FB 11 Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung der FB 11 Ökologische Agrarwissenschaften, der damit bislang europaweit der einzige Studiengang mit ausschließlich ökologischer Agrarforschung ist.

Zum Sommersemester 2003 entsteht durch die Zusammenlegung aus den bisherigen Fachbereichen Architektur (FB 12) und Stadtplanung, Landschaftsplanung (FB 13) der Fachbereich FB 06 ASL – Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung.

Unter dem Dach des Fachbereichs Naturwissenschaften (FB 18) werden die bisherigen Fachbereiche Physik (FB 18) und Biologie, Chemie (FB 19) vereint.

2004 nimmt der neue Studiengang Wirtschaftsrecht den Lehrbetrieb auf. Er ist der erste universitäre rechtswissenschaftliche Bachelor- und Master-Studiengang in Hessen. Der Studiengang ist im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften  angesiedelt.

Im WS 2005/2006 findet die Zusammenlegung der FB 8 Anglistik/Romanistik und FB 9 Germanistik zum FB 02 Sprach- und Literaturwissenschaft statt.


Ab 2010 – große Funktionseinheiten mit Institutsgründungen
Der begonnene Prozess der Umstrukturierung der Fachbereiche zu großen Funktionseinheiten wird weiter vorangetrieben. Umfangreiche Institutsgründungen ergänzen den Konzentrationsprozess. Die Fachbereichslandschaft der Universität Kassel zeigt sich heute wie folgt:

Aus den ehemaligen FB 01  Erziehungswissenschaft/Humanwissenschaften, FB 04 Sozialwesen und FB 03 (außer der Sportwissenschaft, die in den FB 05 geht) entsteht der FB 01 Humanwissenschaften, mit den Instituten für Erziehungswissenschaft (mit der Unterabteilung Psychoanalyse), Musik, Psychologie, Sozialwesen.

Der ehemalige FB 02 Sprach- und Literaturwissenschaft und Teile der ehemaligen Bereiche des FB 01 gehen über in den FB 02 Geistes- und Kulturwissenschaften mit den Instituten für Philosophie, Evangelische Theologie, Katholische Theologie, Anglistik/Amerikanistik, Germanistik, dem Institut Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und dem Institut für Romanistik.

Im FB 05 Gesellschaftswissenschaften vereinen sich die Fachgruppen Geographie, Geschichte, Politikwissenschaften, Soziologie, und das Institut für Sport und Sportwissenschaft.

Unter dem Dach des FB 06 Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung – ASL vereinen sich 32 Fachgebiete in den drei Studienbereichen die drei Fachgebiete Architektur, Stadt- und Regionalplanung und Landschaftsarchitektur/Landschaftsplanung.

Weiterhin formiert sich der FB 07 Wirtschaftswissenschaften zusammen mit den Instituten für Berufsbildung, für Betriebswirtschaftslehre, für Volkswirtschaftslehre und für Wirtschaftsrecht.

Aus den ehemaligen Fachbereichen 17 und 18 wird der FB 10 Mathematik und Naturwissenschaften und geht zusammen mit den Instituten für Biologie, für Physik, für Chemie und für Mathematik.

Der FB 11 Ökologische Agrarwissenschaften bleibt mit insgesamt 28 Lehr- und Forschungsbereichen aus den Boden- und Pflanzenbauwissenschaften, den Nutztierwissenschaften und den Wirtschafts-, Sozial- und Lebensmittelwissenschaften.

Der FB 14 Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen hat seine 18 Fachgebiete in sechs Instituten zusammengefasst. Dies sind die Institute Baustatik und Baudynamik, das Institut für Bauwirtschaft, das Institut für Geotechnik und Geohydraulik, das Institut für konstruktiven Ingenieurbau, das Institut für Verkehrswesen und das Institut für Wasser, Abfall und Umwelt.

Der FB 15 Maschinenbau formiert sich mit den Instituten für Arbeitswissenschaft und Prozessmanagement, für Maschinenelemente und Konstruktionstechnik, für Mechanik, für Produktionstechnik und Logistik, für Thermische Energietechnik und für Werkstofftechnik.

Der FB 16 Elektrotechnik/Informatik bleibt ohne Institutsgründungen.

Die Kunsthochschule Kassel trägt die Fachbereichsbezeichnung Kunsthochschule Kassel.

(Quelle: Vorlesungsverzeichnisse 2000-2005)