Projekt

Titel: Die Gelbbauchunke als Leitart für Pionieramphibien in den Flussauen Nordhessens: Naturschutzgenetik, Populationsökologie und Schutzmaßnahmen.

Kurztitel: Gelbbauchunke Nordhessen

 

 

Hintergrund und Ziele

Hintergrund

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata L.) ist bundesweit stark gefährdet und in Nordhessen vom Aussterben bedroht. Sie ist Anhang II-Art der Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie und europaweit streng geschützt.

Die Gelbbauchunke ist eine Leitart für die konkurrenzschwachen Pionierarten im Überschwemmungsbereich der Fließgewässerauen der Mittelgebirge. Ihre Primärhabitate sind temporäre Stillgewässer in dynamischen Auen sowie Wildsuhlen, Quell- oder andere Tümpel im besonnten, aber waldnahen Bereich.

Die Art ist seit langem von Sekundärlebensräumen (Kiesgruben etc.) abhängig, da ihre ursprünglichen Lebensräume zu stark verändert oder vernichtet wurden. Das bedeutet, dass das Überleben dieser FFH-Art fast vollständig von Artenhilfsmaßnahmen abhängig ist. Bei der Planung und Evaluation von Fließgewässer-Revitalisierungen findet die Gelbbauchunke nur selten Berücksichtigung. Ihre wenigen verbliebenen Vorkommen sind zudem meist isoliert. Zwangsläufig sind deshalb auf der genetischen Ebene negative Folgen für die Fitness der Populationen zu befürchten.

Das Projektgebiet Mittleres Fuldatal wurde ausgewählt, da in diesem Bereich

durch die Zusammenarbeit der Oberen Naturschutzbehörde mit den Kommunen und Naturschutzverbänden vor Ort insbesondere in der Fuldaaue um Rotenburg und Bebra Renaturierungsprojekte realisiert und so die Lebensbedingungen für die stark gefährdete Gelbbauchunke verbessert wurden.

Die Gelbbauchunke komt hier noch in kleinsten Restpopulationen vor. Mangels systematischer Untersuchungen ist jedoch bislang unklar, ob sich hier eine Wiederbesiedlung des Primärhabitates oder nur die Verzögerung des Aussterbens abspielt.

Allgemein ist zum aktuellen Vorkommen der Gelbbauchunke in ihrem Primärhabitat wenig bekannt, ihr Wiederbesiedlungspotential in revitalisierten Auen wurde bisher nicht untersucht, und auch über die Auswirkungen extensiver Beweidung von Gelbbauchunken-Habitaten sind nur spärliche Informationen verfügbar.

Ziele

Die Gelbbauchunke soll dabei unterstützt werden, die mittlere Fulda-Aue wieder zu besiedeln und in ihrem Primärhabitat dauerhaft überlebensfähige Populationen aufzubauen. Nur auf diese Weise kann der langfristige Fortbestand der Art ohne regelmäßige Hilfsmaßnahmen gesichert werden. Zentraler Maßnahmenansatz ist die Kombination der Revitalisierung von Fließgewässerauen mit nachfolgender extensiver Beweidung. Der Erfolg der Maßnahmen für die Unkenpopulationen im mittleren Fuldatal wird durch populationsökologische Untersuchungen dokumentiert und analysiert.

Von diesen Maßnahmen wird eine hohe Synergiewirkung für zahlreiche weitere Bewohner der Pionier- und Offenlandbereiche der Aue erwartet wie z.B. für Bekassine, Braunkehlchen, Weißstorch, Kreuzkröte, verschiedene Libellenarten u.a.m. Deshalb werden zusätzlich auch die Wirkungen auf diese Artengruppen dokumentiert.

Für alle nordhessischen Vorkommen sollen die genetische Struktur und Diversität der Gelbbauchunkenpopulationen sowie ihre Infektionsrate mit dem Amphibien-Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) geklärt werden. Diese Daten sind eine wichtige Voraussetzung sowohl für die Abschätzung der Gefährdungssituation der einzelnen Populationen, als auch für die Auswahl zukünftiger, nordhessenweiter Maßnahmen.

Dazu sollen bundesweit (und gerne darüber hinaus) unveröffentlichte Projektdaten zu Vorkommen der Unke in naturnahen / revitalisierten Auen, zur Beweidung von Unkenhabitaten und Wiederansiedlungsversuchen recherchiert und verglichen werden, um die vor Ort und bundesweit gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen auch für andere Regionen nutzbar zu machen.  

Das Projekt geht auf die Initiative des Fachgebietes Gewässerentwicklung / Gewässerökologie der Universität Kassel (FB 06) und des Büros für Ingenieurbiologie und Landschaftsplanung (Witzenhausen) zurück.  

Projektgebiet:

Das Projekt arbeitet räumlich auf drei Ebenen: Maßnahmen und Monitoring finden in der Aue der mittleren Fulda im Raum Rotenburg / Bebra statt. Die Untersuchungen der Genetik und der Chytrid-Infektionsrate finden in nahezu allen bekannten Populationen Nordhessens, d.h. im Bereich des Regierungspräsidiums Kassel statt. Untersuchungen werden in den Landkreisen Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und Fulda durchgeführt. Das Rechercheprojekt arbeitet bundesweit bzw. im deutschsprachigen Raum.

Projektleitung:

Prof. Dr. Ulrich Braukmann (FG Gewässerentwicklung / Gewässerökologie der Universität Kassel) und Prof. Dr. Michael Veith (FG Biogeographie der Universität Trier)

Projektkoordination:

Dr.- Ing. Claus Neubeck (FG Gewässerentwicklung / Gewässerökologie der Universität Kassel)

  • Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal e.V. (Bebra)

Finanzierung:

Weitere Unterstützer:

Laufzeit: Januar 2011 bis Mai 2014

Wir danken allen Förderern und Unterstützern!