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Der LOEWE-Schwerpunkt „Tier – Mensch – Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung“ wurde für vier Jahre (2014–2017) durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Bis März 2017 wurde der Forschungsverbund durch Prof. Dr. Winfried Speitkamp geleitet, anschließend übernahm Prof. Dr. Mieke Roscher die Sprecherrolle.

Die wissenschaftliche Leitidee des Schwerpunkts war die interdisziplinäre Untersuchung von Tier-Mensch-Beziehungen in Geschichte und Gesellschaft unter dem Leitbegriff der „Relationalität“. Das umfasste das Zusammenleben von Menschen und Tieren in Akteursgemeinschaften und damit eine Vielzahl von Praktiken.

Über die Betrachtung von Tier-Mensch-Beziehungen und Ebenen der Relationalität wurden zugleich Formen der „Erschaffung“ der Tiere – und damit der Identifizierung der Menschen – untersucht, ob durch Tierzucht (Selektion, Prämierung), Tierhaltung (Nutztiere, Zootiere), Tierforschung (Verhaltensforschung, medizinische Forschung) oder Tierdarstellung (narrativ, visuell). Dabei wurden verschiedene Akteure betrachtet – Menschen (Züchter, Landwirte, Tierwärter, Künstler, Forscher) ebenso wie Tiere (Nutztiere, Heimtiere, Labortiere, Wildtiere).

Projektbereiche und Anwendungsbezug

Die Ziele des Schwerpunkts wurden in vier Projektbereichen umgesetzt:

In den vier Projektbereichen untersuchte der Verbund Aspekte der Klassifizierung (z.B. rein/unrein, gut/schlecht, schön/hässlich), der Interaktion (Räume, Modalitäten und Möglichkeiten von Begegnung, Anerkennung oder Unterwerfung), der Abbildung (Visualisierung, Metaphorik, Analogie, Modellbildung, Zuschreibung) und der Intention (Einstellungen, Interessen, Vorannahmen, Hoffnungen).

Angesichts der Mehrdimensionalität des Themas verlangte das Vorhaben einen interdisziplinären Austausch über Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse. Das förderte die Methodenreflexion innerhalb der einzelnen Disziplinen, erweiterte das Verständnis des Forschungsgegenstandes, erhöhte die Relevanz der wissenschaftlichen Beiträge und ermöglichte Antworten auf Fragen nach der Gestaltung von Tier-Mensch-Beziehungen in der Gesellschaft.

Damit hatte das Vorhaben unmittelbaren Anwendungsbezug in den Bereichen Tierhaltung, Tierzucht, Tierforschung, Tierpräsentation, Tierrecht und Ethik.

Verstetigung des Forschungsschwerpunkts

Aus dem LOEWE-Schwerpunkt hervorgegangen ist die SFB-Initiative 1354 „Tier-Mensch-Gesellschaft: Animation – Regulation – Transformation (ART)“ (Sprecherin: Prof. Dr. Anne-Charlott Trepp).