Handlungsfeld I: Professionalisierung der Propädeutik

Die besondere Offenheit der Universität Kassel im Hinblick auf den Zugang zum Studium führt – wie auch an anderen Hochschulen – zu zunehmend heterogenen Lern- und Studienvoraussetzungen.

In der Studienvorbereitungs- und -eingangsphase werden daher differenzierte Fördermaßnahmen angeboten. Dem steigenden Beratungs- und Informationsbedarf im Vorfeld sowie unmittelbar nach der Studienfachwahl und dem Studienbeginn soll Rechnung getragen werden. Fehlentscheidungen sollen vermieden oder zeitnah korrigiert werden.

Verbesserte propädeutische Angebote allgemeiner und fachspezifischer Ausrichtung in der Studieneingangsphase und in den ersten beiden Semestern bieten zudem Möglichkeiten, um Studienvoraussetzungen nachträglich zu erwerben, um Ungleichheiten in den Bildungsvoraussetzungen zu kompensieren und eine rasche und motivierende Eingliederung in das Studium zu unterstützen, ohne dessen fachlichen Standard zu senken.

Entsprechende Angebote konnten durch die Förderung erheblich ausgeweitet werden. So wird im Bereich der Propädeutik ein Beitrag zur Erhöhung des Studienerfolgs insbesondere vom 1. zum 2. Studienjahr angestrebt und auch geleistet. Zudem soll das für ein erfolgreiches Studium notwendige Bewusstsein der Studierenden für eine aktive und kontinuierliche Auseinandersetzung mit zentralen Bildungsbausteinen wie selbstorganisiertem Lernen, Selbstmanagement und Arbeitstechniken gestärkt werden.

Die propädeutischen Angebote werden als zielgerecht wahrgenommen. So wurde in den Bachelor Surveys seit Förderbeginn (2013 und 2015) gegenüber 2010 ermittelt, dass ein weiterer Ausbau der Angebote weniger erforderlich erscheint. Insbesondere dort, wo propädeutische Angebote im Rahmen eines Fachstudiums erbracht werden, steigt der Studienerfolg erkennbar.

Maßnahme I.1: Beratung und Selbstinformation der Studierenden und Studieninteressierten

Viele Studierende entscheiden sich für ein Studium, ohne ein klares Bild von Studieninhalten, Studienvoraussetzungen und späteren beruflichen Perspektiven zu haben. Mit der Maßnahme wird die professionelle persönliche Beratung quantitativ und qualitativ gestärkt, Studieninformationen im Web- und Printbereich – inkl. IT-gestützter Angebote /Selbstbedienungsfunktionalitäten – werden vereinheitlicht, ausgeweitet und besser vernetzt. Durch neue Angebote zur Studienorientierung soll der Start in ein selbstorganisiertes Studium erleichtert werden. 

Wichtige Teilziele sind mittlerweile erreicht:

  • Die Bereitstellung von Informationen im Internet wurde neu konzipiert und ausgebaut, so z. B. durch den gemeinsamen Auftritt aller Anbieter studienunterstützender Workshops oder neu gestaltete Seiten zum Studienbeginn. Im neu etablierten Beratungsnetzwerk werden Angebote besser abgestimmt.

  • Das zielgruppengerechte Informations- und Veranstaltungsangebot für die Zeit vor der Studienentscheidung konnte zusammen mit externen Kooperationspartnern (Schulen, Agentur für Arbeit) intensiviert und ausgeweitet werden.

  • Es werden jährlich mehr als 300 zusätzliche Einzelberatungen durchgeführt, die sich auch an Berufstätige richten. 2014 nutzten über 1.000 Personen die verschiedenen Beratungsangebote und Sprechstunden, Veranstaltungen und Workshops.

  • Neben studiengangsübergreifenden Materialien wurde in mehreren Studiengängen mit dem Studien-Portfolio ein Instrument geschaffen, das einen neuen orientierenden Rahmen schafft. Das Angebot wird als elektronische Form fortentwickelt.

  • Durch Unterstützung des Aufbaus des 2014 eingeführten Studierendenportals werden Möglichkeiten der Selbstinformation weiter verbessert. Das Leistungsangebot wird derzeit durch die Integration relevanter Angebote weiter verstärkt. Ein Schwerpunkt soll auf die Entwicklung von Selbstbedienungsfunktionalitäten gelegt werden.

  • Zudem werden diagnostische Angebote entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Maßnahme III.1 wurden beispielsweise Studienfachwahlassistenten im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften bereitgestellt. Durch die Maßnahme wird ein hochschulinterner Arbeitskreis „Online-Self-Assessment“ koordiniert.

Erfolge sind auch hier erkennbar: Durch die Verbesserung des Beratungs- und Informationsangebotes wurde etwa die Zufriedenheit der Studierenden mit der Allgemeinen Studienberatung gesteigert. Auch Informationen zu Studienbeginn wurden deutlich besser bewertet. 

Durchgeführt wird die Maßnahme im Bereich der Studienberatung von der Abteilung Studium und Lehre und dem IT Servicezentrum ITS.

Maßnahme I.2: Verbesserung der Studierfähigkeit

Angesichts der zunehmend heterogenen Lern- und Studienvoraussetzungen werden die bereits vor der Förderung bestehenden Angebote der überfachlichen Propädeutik deutlich ausgebaut, fachbezogen weiterentwickelt und in einem fachübergreifenden Gesamtkonzept gebündelt. Durch die Angebote soll der Studienerfolg erhöht werden. 

  • Im Rahmen von ProStudium werden propädeutische Workshops angeboten. Es können hier Credits im Bereich der Schlüsselkompetenzen erworben werden. Ein breites thematisches Spektrum umfasst wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben, Präsentationstechniken, Selbst- und Zeitmanagement, Stressmanagement, Lern- und Arbeitsorganisation, Prüfungsvorbereitung sowie Medienarbeit. Angeboten wird ein Rhetorik-Zertifikat, das mit einem öffentlichen Redewettstreit abschließt. Etwa 400 Studierende besuchen pro Jahr etwa 50 Workshops. Die Zufriedenheit ist hoch. Durch eine regelmäßig durchgeführte Bedarfserhebung unter Studierenden und Lehrenden werden die Angebote an den Bedarf angepasst. Neben den einfachen Befragungen erfolgt eine differenzierte wissenschaftliche Evaluation eines Teils der Angebote in einer aufwändigen Längsschnittstudie.

  • Im Rahmen des Coaching-Projekts Studienlotsen geben erfahrene Studierende Unterstützung beim Einstieg in das Studium.

  • Angeboten wird auch ein ‚Peer-Tutoring‘ (Lern-Komplizen) zur Lernbegleitung.

  • Das Lern- und Prüfungscoaching für Studierende, welches mit Mental-Trainingsmethoden zur Bewältigung von Prüfungssituationen anleitet, erfährt eine hohe Nachfrage. Es wurde im Rahmen der mit Ende der ersten Förderphase ausgelaufenen Maßnahme I.6 Basiskompetenzen für den Lehrerberuf entwickelt und ging in die Angebotsstruktur des Servicecenter Lehre über. Die Evaluation belegt die Wirksamkeit dieses Angebots für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Durchgeführt wird die Maßnahme vom Servicecenter Lehre. Sie kooperiert eng mit der Maßnahme I.4 Wissenschaftssprache Deutsch.

Es besteht zudem eine Kooperation mit einem sog. ‚Begleitforschungsprojekt‘ im Rahmen des Qualitätspakts Lehre "StufHE" (Studierfähigkeit ‑ institutionelle Förderung und studienrelevante Heterogenität) der Universität Hamburg.

Maßnahme I.3: Mathematik-Propädeutik für Technik- und Wirtschaftswissenschaften

Bei Studierenden der wirtschafts- und technikwissenschaftlichen Studiengänge variieren die mathematischen Lernvoraussetzungen (u.a. mathematisches Wissen, Lernstrategien) je nach Vorqualifikation zum Teil erheblich. Im Rahmen der Förderung wird das Angebot studienbegleitender mathematischer Vor- und Brückenkurse, Kurse zur Vorbereitung von Wiederholungsklausuren, Förderübungen, Beratungen sowie fach- und lehrveranstaltungsbezogene Schulungen von Tutorinnen und Tutoren verstärkt. Sie werden miteinander vernetzt und es werden verstärkt Online-Angebote bereitgestellt. 

Ziel ist es, heterogene mathematische Kenntnisse auszugleichen. Zugleich ist die Nachfrage im Bereich dieser Fächer gestiegen. Ziel ist eine Erhöhung des Studienerfolgs am Studienbeginn.

Durchgeführt wird die Maßnahme in den Fachbereichen 07 (Wirtschaftswissenschaften), 14 (Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen), 15 (Maschinenbau), 16 (Elektrotechnik/Informatik). Sie ist eingebettet in dort bereits bestehende Konzepte.

Die Nachfrage wie auch die Zufriedenheit der Studierenden in den beteiligten Fachbereichen ist hoch. Auf die Frage, ob sie mit dem Kurs insgesamt sehr zufrieden seien, antworten, auf die vier Fachbereiche bezogen, 88 %, dies träfe ‚völlig zu‘ bzw. ‚zu‘. Studierende, die die unterstützenden Veranstaltungen zur Vorbereitung auf (Wiederholungs-)Klausuren nutzen, schneiden hierin durchschnittlich deutlich besser ab als diejenigen, die die Angebote nicht nutzen. Sie bestehen die Prüfungen zu einem deutlich höheren Anteil.

Obwohl die Nachfrage in den betreffenden Bachelorstudiengängen bis zum Wintersemester 2014/15 gegenüber dem Wintersemester 2010/11 um etwa ein Fünftel gestiegen ist, konnte der Anteil der Studierenden, die das zweite Studienjahr nicht erreichten, sichtbar gesenkt werden.

Es besteht zudem eine Kooperation mit einem sog. ‚Begleitforschungsprojekt‘ im Rahmen des Qualitätspakts Lehre „HeLGA“ (Heterogenitätsorientierte Lehre – Gelingensbedingungen und Anforderungen) der Universität Bielefeld, das sich maßgeblich auf den Bereich Mathematik-Propädeutik bezieht.

Maßnahme I.4: Wissenschaftssprache Deutsch

In zahlreichen Fächern erschwert ein nicht wissenschaftsangemessener Sprachgebrauch auch bei muttersprachlichen Studierenden eine Teilhabe am Wissenschaftsdiskurs und ein erfolgreiches Studieren. Die Universität Kassel hat verstärkt Angebote geschaffen, um Studierende beim Erwerb entsprechender sprachlicher Kompetenzen in der Wissenschaftssprache Deutsch zu unterstützen. 

Im Rahmen der Maßnahme KoDeWiS – Kompetenzbereich Deutsche Wissenschaftssprache kann das Sprachniveau durch die Nutzung entsprechender Diagnoseinstrumente zur Sprachstandsermittlung und durch Besuch von auf das Kompetenzprofil abgestimmten Förderangeboten gestärkt werden. In einigen Studiengängen finden Sprachstandsermittlungen als Teil der Einführungsveranstaltungen flächendeckend statt, den Studierenden aller Studiengänge stehen die Angebote für eine freiwillige Teilnahme offen. 2014 fanden über 1.000 Sprachstandsermittlungen statt. Durch die regelmäßig durchgeführte Bedarfserhebung unter Studierenden und Lehrenden werden die Angebote an den Bedarf angepasst. So soll insbesondere der fachliche Bezug der Angebote gestärkt werden.

Angeboten wird zudem ein Bewertungsbogen zur sprachlichen Qualität von studentischen Arbeiten, der eingereichten Arbeiten beigefügt werden kann und durch eine Anleitung für Lehrende ergänzt ist. Es zeigt sich, dass die Studierenden Angebote im Rahmen der Maßnahme zunehmend besser annehmen, wenn Lehrende ein gezieltes und differenziertes Feedback zu schriftlichen Arbeiten geben.

Die Wirksamkeit der Maßnahme ist erkennbar: Etwa 160 Studierende besuchten 2014 insgesamt 27 Workshops, so den Basisworkshop zum wissenschaftlichen Lesen und Schreiben (mit Creditvergabe) sowie den Crashkurs zu Orthografie und Zeichensetzung. Die Zufriedenheitswerte mit den Kursen sind sehr hoch. Nahezu sämtliche Teilnehmende würden sie weiterempfehlen.

Angeboten wird zudem eine offene Hausarbeitenwerkstatt, eine individuelle Schreibberatung, eine individuelle studentische Schreibbegleitung sowie ein Aussprachetraining.

Durchgeführt wird die Maßnahme, die sich vorrangig an muttersprachliche Studierende richtet, vom Servicecenter Lehre. Es besteht eine enge Kooperation mit der Maßnahme III.5 Mobilitätsberatung International, die sich vorrangig an internationale Studierende, richtet sowie mit der Maßnahme I.2.

Maßnahme I.5: Fremdsprachliche Voraussetzungen für das Studium

Zur Sicherstellung der Qualität des Studiums in fremdsprachlichen Studiengängen gelten dort sprachliche Zulassungsvoraussetzungen. Zusätzliche Beratungsangebote und Sprachpraktische Übungen sollen dazu beitragen, dass eine gute sprachpraktische Ausbildung gewährleistet wird. 

In den fremdsprachenphilologischen Studiengängen werden Angebote zur Diagnose des Kompetenzniveaus bereitgestellt und die einführenden Angebote zur Steigerung der erforderlichen fremdsprachlichen Kompetenzen ausgebaut. Insbesondere werden zusätzliche Kursangebote, vor Vorlesungsbeginn und semesterbegleitend, unterbreitet, die allein bis zum Wintersemester 2014/15 über 700 Studierende nutzten. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf Sprechstunden mit individuellen Lernberatungen in den Bereichen Französisch und Spanisch. Hier werden zudem über Onlineplattformen Möglichkeiten zur Wiederholung und Vertiefung der Inhalte durch Lernmaterialien und Übungstests angeboten. Im Institut für Anglistik/Amerikanistik wurde in der ersten Förderphase mit Unterstützung durch die Projektförderung ein IELTS-Zentrum eingerichtet, wodurch eine zusätzliche Sprachprüfung angeboten wird.

Die propädeutischen Angebote im Institut für Anglistik/Amerikanistik beschränkten sich auf die erste Förderphase. Durchgeführt wird die Maßnahme auch in der zweiten Förderphase im Institut für Romanistik (Französisch und Spanisch) im Fachbereich 02 (Geistes- und Kulturwissenschaften).

Die Rückmeldungen der Studierenden sind positiv und die Unterstützungsangebote bewirken etwas. Die Bestehensquoten steigen und der Anteil der Studierenden, die das Studium nach dem ersten Semester nicht fortsetzen, sinkt.

Maßnahme I.6: Basiskompetenzen für den Lehrerberuf (1. Förderphase)

Das ursprüngliche Ziel, das in den Studiengängen für das Lehramt an allgemeinbildenden Schulen etablierte Projekt BASIS „Psychosoziale Basiskompetenzen für den Lehrerberuf“ auf andere Studiengänge zu übertragen, wurde in dieser Form nicht realisiert. Studierende der Berufs- und Wirtschaftspädagogik können das Studienelement BASIS mit Unterstützung der Förderung aus dem Qualitätspakt Lehre nun fakultativ nutzen.

Stattdessen wurde in Kooperation mit dem Servicecenter Lehre und in Anlehnung an die Konzeption von BASIS ein neues Angebot entwickelt, um Modellelemente zu übertragen. Seit dem Sommersemester 2014 wird ein Lern- und Prüfungscoaching angeboten und findet eine starke Nachfrage. Zielgruppe sind Studierende aller Fachbereiche vor allem in der Studieneingangsphase. Mit Methoden aus dem Mentaltraining ist das Coaching durch lösungsorientierte Techniken auf die Förderung psychosozialer Kompetenzen und die Bewältigung von Prüfungsstress, Motivationstiefs und kurzzeitig hoher Lernbelastungen ausgerichtet. Es zeigt sich als wirksam. Bis August 2015 wurden etwa 170 Studierende in etwa 370 Terminen beraten.

Das Lern- und Prüfungscoaching wird auch in der zweiten Förderphase in der Angebotsstruktur des Servicecenter Lehre (Maßnahme I.2 Verbesserung der Studierfähigkeit) erbracht.