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Kurzbeschreibung

Mit der Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik werden Quellen vorgelegt, die zu edieren Historiker schon vor Jahrzehnten planten, seit 1959 verfolgt die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur auf Initiative von Peter Rassow und Karl Erich Born dieses Projekt (zur Vorgeschichte vgl. die Einleitung zu Bd. 1 der I. Abteilung).

Die Quellensammlung soll eine ausführliche Dokumentation zu den Anfängen und Grundlagen des modernen deutschen Sozialstaats in der Zeit des deutschen Kaiserreichs bieten. Sie enthält archivalische und publizistische Quellen über Pläne und Maßnahmen des Reiches, seiner Einzelstaaten, der Städte, der politischen Parteien, der organisierten Interessengruppen, der Kirchen und der Wissenschaft zur Arbeiterfrage, zur Sozialversicherung, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsschutzrechts sowie zur Integration der Arbeiterklasse in das politische und soziale Gefüge des Deutschen Reiches. Außer zu den Themenkomplexen Sozialpolitik und Sozialreform erschließt die Edition auch wichtige Quellen zu anderen Problemen der inneren Reichspolitik, zu kultur-, rechts- und zu wissenschaftspolitischen Auseinandersetzungen der Zeit.

Die Quellensammlung gliedert sich in vier große Abteilungen. Die erste Abteilung setzt 1867, also im Vorfeld der Reichsgründung, ein und endet mit der Kaiserlichen Sozialbotschaft im Jahre 1881. Die zweite Abteilung dokumentiert den Entstehungsprozeß der grundlegenden Gesetze des deutschen Sozialstaates und umfaßt den Zeitraum bis 1890, bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. Die dritte Abteilung behandelt die Jahre 1890 bis 1904 und richtet ihr Augenmerk insbesondere auf den Kampf um den Arbeiterschutz, die kommunale Wohlfahrtspolitik und den Aufstieg der sozialpolitischen Interessenverbände. Die vierte Abteilung zeichnet die sozialpolitische Entwicklung in ihrer Streit- und Einigungskultur in den letzten Friedensjahren des Kaiserreichs zwischen 1905 und 1914 nach. Die Bände der ersten bis dritten Abteilung sind sachthematisch gegliedert, die der vierten chronologisch.

Das Editionsvorhaben umfasst 38 Bände; neben dem der gesamten Edition vorangestellten Einführungsband befassen sich vier Beihefte mit der Organisationsgeschichte von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen (siehe Publikationen).

Das Akademieunternehmen wird gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Universität Kassel.

Die Quellensammlung erschien erst bei Steiner, dann bei Gustav Fischer, seit 1997 erscheint sie bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG Darmstadt). 


Editionsprinzipien

Die Editionsprinzipien sind abgedruckt in Bd.1 der I. Abteilung , S. LIX ff. 


Publikationen über diese Quellensammlung

  • Hansjoachim Henning, Dokumente zur Innenpolitik des kaiserlichen Deutschland 1871-1917, Akademie-Journal H. 1 (1995), S. 35-37.

  • Hansjoachim Henning, Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867-1914. Dokumente zur Innenpolitik des kaiserlichen Deutschland. Ein Unternehmen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, in: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland, Berichtsjahr 1995, hg. von der Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland, München 1996, S. 22-27. 

  • Hansjoachim Henning, Karl Erich Born (1922-2000), in: Zeitschrift für Sozialreform 46 (2000), S. 575-578.

  • Gerhard A. Ritter, Neue Historische Literatur, Sozialpolitik im Zeitalter Bismarcks. Ein Bericht über neue Quelleneditionen und neue Literatur, in: Historische Zeitschrift 265 (1997), S. 684-720.

  • Thilo Ramm, Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, in: Zeitschrift für Arbeitsrecht 29 (1998), S. 259-282.

  • Peter Rütters, Eine Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, in: IWK 4 (2000), S. 519-528.

     

    Publikationen über bei der Edition erzielte Forschungsergebnisse:
    Diese erfolgten u.a. - in unregelmäßiger Folge - in der Zeitschrift für Sozialreform (Verlag Chmielorz Wiesbaden)

  • Florian Tennstedt/Heidi Winter, "Der Staat hat wenig Liebe - activ wie passiv". Die Anfänge des Sozialstaats im deutschen Reich. Ergebnisse archivalischer Forschungen zur Entstehung der gesetzlichen Unfallversicherung, in: Zeitschrift für Sozialreform 39 (1993), S. 362-392. 

  • Florian Tennstedt/Heidi Winter, "Jeder Tag hat seine eigenen Sorgen, und es ist nicht weise, die Sorgen der Zukunft freiwillig auf die Gegenwart zu übernehmen." Die Anfänge des Sozialstaats im Deutschen Reich von 1871, in: Zeitschrift für Sozialreform 41 (1995), S. 671-700.

  • Florian Tennstedt, Peitsche und Zuckerbrot oder ein Reich mit Zuckerbrot? Der deutsche Weg zum Wohlfahrtsstaat 1871-1881, in: Zeitschrift für Sozialreform 43 (1997), S. 88-101.

  • Wolfgang Ayaß, "Der Übel größtes". Das Verbot der Nachtarbeit von Arbeiterinnen in Deutschland (1891-1992), in Zeitschrift für Sozialreform 46 (2000), S. 189-220.

  • Florian Tennstedt, Vorläufer der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Sicherung gewerblicher Arbeiter gegen Alter und Invalidität: Anstöße, Initiativen und Widerstände im Regierungslager und im Parlament zwischen dem Gründungsjahr der politischen Arbeiterbewegung (1863) und der Kaiserlichen Sozialbotschaft (1881), in: Geschichte und Gegenwart der Rentenversicherung in Deutschland, hg. von Stefan Fisch und Ulrike Haerendel, Berlin 2000, S. 31-48 

  • Christoph Sachße/Florian Tennstedt, Sozialpolitik vor dem Sozialstaat: Freizügigkeit und Armenwesen in der Gründungsphase des Deutschen Reiches, in: Zeitschrift für Sozialreform 47 (2001), S. 205-222.

  • Volker Mihr, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Sozialreform als Bürger- und Christenpflicht. Aufzeichnungen, Briefe und Erinnerungen des leitenden Ministerialbeamten Robert Bosse aus der Entstehungszeit der Arbeiterversicherung und des BGB (1878-1892), Stuttgart: Kohlhammer 2005, 411 S.

  • Florian Tennstedt, Der politische Ökonom Gustav Schönberg – sein Weg vom Freund Ferdinand Lassalles zum Kathedersozialisten und nobilitierten Staatsrat des Königs von Württemberg, in: E. Jürgen Krauß, Michael Möller u. Richard Münchmeier (Hg.), Soziale Arbeit zwischen Ökonomisierung und Selbstbestimmung (Festschrift für Friedrich Ortmann), Kassel: university press 2007, S. 257 ff.

  • Florian Tennstedt, Die Ablösung privater Haftpflicht durch öffentlich-rechtliche Pflichtversicherung gegen Unfälle: die Folgen für die private Unfallversicherung. Ein historischer Rückblick aus aktuellem Anlass, in: Andreas Hänlein und Alexander Roßnagel (Hg),Wirtschaftsverfassung in Deutschland und Europa. Festschrift für Bernhard Nagel, Kassel: university press 2007, S. 483-494

  • Florian Tennstedt, Theodor Lohmann, Gesetzgebungskunst im politischen Prozess, in: Lothar Gall/Ulrich Lappenküper (Hg.), Bismarcks Mitarbeiter, Paderborn 2009, S. 91-122

  • Florian Tennstedt, Risikoabsicherung und Solidarität: Bismarck, Lohmann und die Konflikte um die gesetzliche Krankenversicherung in ihrer Entstehungsphase, in: Herbert Obinger/Elmar Rieger (Hg.), Wohlfahrtsstaatlichkeit in entwickelten Demokratien, Frankfurt/New York 2009, S. 65-94

         
      Weitere Publikationen

  • Gerhard A. Ritter, Bismarck und die Grundlegung des deutschen Sozialstaates, in: Verfassung, Theorie und des Sozialstaats. Festschrift für Hans F. Zacher zum 70. Geburtstag, hg. v. Franz. Ruland, Bernd Baron von Maydell, Hans-Jürgen Papier, Heidelberg 1998, S. 789-820.

  • Ulrike Haerendel, Die Anfänge der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland. Die Invaliditäts- und Altersversicherung von 1889 im Spannungsfeld von Reichsverwaltung, Bundesrat und Parlament, Speyer 2001.