Publikationen

Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914*

Begründet von Peter Rassow und Karl Erich Born
Im Auftrag der Historischen Kommission der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, herausgegeben von  Hansjoachim Henning und Florian Tennstedt

Innerhalb dieser Reihe werden alle wichtigen Quellen veröffentlicht, an denen sich die Entstehung und Entwicklung des modernen Sozialstaats in Deutschland im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert nachzeichnen lassen. Diese bieten darüber hinaus grundlegende Informationen zur Funktionsweise und Rolle von Verfassungsinstitutionen (u. a. Reichstag u. Bundesrat), Verwaltung, Beamtenschaft sowie Parteien und Verbänden mit Kurzbiographien aller genannten Personen.
Alle Quellen - pro Band etwa 190-230 Dokumente - sind chronologisch angeordnet und mit erläuternden Anmerkungen versehen, die meist auch Hinweise auf weitere Quellen enthalten. Die Quellen entstammen überwiegend Archiven und haben - neben der Regierungsebene - unterschiedliche regionale Schwerpunkte, z.B. Rheinprovinz, Westfalen oder Berlin-Brandenburg sowie Baden, Bayern, Sachsen und die Hansestädte. Die Bände werden u.a. durch eine Einleitung sowie umfangreiche Regional-, Orts-, Personen-, Firmen und Sachregister erschlossen.

*Zitiervorschlag (Beispiel): Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II.  Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881-1890), 3. Band: Arbeiterschutz, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 1998, S. 255. - Abkürzungsvorschlag: Quellensammlung GDS, II. Abt., Bd. 3, S. 255.


Übersicht über die Publikatonen

Kurzübersicht

Abteilungen:

I. Abteilung: Von der Reichsgründungszeit bis zur Kaiserlichen Sozialbotschaft (1867-1881)

Band 1: Grundfragen staatlicher Sozialpolitik
Die Diskussion der Arbeiterfrage auf Regierungsseite vom preußischen Verfassungskonflikt bis zur Reichstagswahl von 1881 (1994)
Bearb. von Florian Tennstedt und Heidi Winter unter Mitarbeit von Wolfgang Ayaß und Karl-Heinz Nickel. 
Seit dem Verfassungskonflikt von 1862 wurden im preußischen Regierungslager die sozialen Aufgaben des Staates angesichts der Arbeiterfrage verstärkt erörtert und 1872 zu einem umfassenden Regierungsprogramm verdichtet. Mit der 1878 erfolgten Abkehr vom Liberalismus wurde dann ein auf öffentlich-rechtliche Ansprüche und Risikoabsicherung abgestelltes Arbeiterversicherungssystem entwickelt, das in der Kaiserlichen Sozialbotschaft von 1881 endgültig konturiert wurde.  Dieser Band erschließt quellenkritisch die internen, regierungsseitigen Akten der grundlegenden sozialpolitischen Diskussion und gibt so der Forschung zu den Anfängen des Sozialstaats eine sichere und umfassende Grundlage. Die Einleitung zu diesem Band gibt auch Hinweise auf die Vorgeschichte dieser Edition sowie deren Prinzipien und Zielstellung, außerdem sind darin die Editionsregeln publiziert.
Rezensionen 

Band 2: Von der Haftpflichtgesetzgebung zur ersten Unfallversicherungsvorlage (1993)
Bearb. von Florian Tennstedt und Heidi Winter unter Mitarbeit von Heinz Domeinski. 
In diesem Band wird dokumentiert, wie die rechts- und sozialpolitischen Auseinandersetzungen über die Arbeitsunfälle im Industriebetrieb von der Haftpflichtgesetzgebung zur ersten Unfallversicherungsvorlage führten. Die Grundsätze des Reichshaftpflichtgesetzes von 1871, die an der herrschenden Privatrechtsordnung ausgerichtet waren, wurden den technischen Gefahren und sozialen Schäden des Industriebetriebs nicht gerecht. Die daraufhin auf seiten der preußischen Ministerialbürokratie (Theodor Lohmann) und der westfälischen Schwerindustrie (Louis Baare) einsetzenden Bemühungen um Haftpflichtrevision führten zum Eingreifen Bismarcks. Dieser zog 1880 die Sache an sich und veränderte die bislang eingeschlagene Richtung der Problemlösung grundlegend: Die Hinwendung zur öffentlich-rechtlichen Unfallversicherung ermöglichte es ihm, die Absicherung der gewerblichen Arbeiter gegen soziale Risiken in den politischen Prozeß der inneren Reichsgründung einzubeziehen - der deutsche Weg zum Sozialstaat begann.
Rezensionen

Band 3: Arbeiterschutz (1996)
Bearb. von Wolfgang Ayaß. 
Die liberale Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts überließ die Gestaltung der gewerblichen Arbeitsverhältnisse weitgehend der freien vertragsmäßigen Regelung. Die Gewerbeordnung von 1869 dehnte im wesentlichen nur die preußischen Vorschriften zum Schutz der jugendlichen Arbeiter auf das übrige Deutschland aus. Es gab jedoch auf Regierungsebene, bei politischen Parteien, Professoren und Pastoren vielfältige Bemühungen, den Arbeiterschutz auszuweiten; diese mehrten sich nach der Reichsgründung von Jahr zu Jahr. Anfang 1878 legte dann die Reichsregierung einen Gesetzentwurf zum Ausbau des Arbeitschutzes vor, der aber - bedingt durch Bismarcks prinzipielle Ablehnung von ?Gesetzesarbeit überhaupt auf diesem Gebiet? - eher bescheiden ausfiel. In den Kommissionsverhandlungen des Reichstags wurde die Vorlage dann teilweise verbessert. Als Gewerbeordnungsnovelle vom 17. Juli 1878 bildete sie bis 1891 den Kern der deutschen Arbeiterschutzgesetzgebung.
Rezensionen

Band 4: Arbeiterrecht (1997)
Bearb. von Wolfgang Ayaß, Karl-Heinz Nickel und Heidi Winter unter Mitarbeit von Marek Czaplinski und Elmar Roeder. 
Das Arbeiterrecht war im Deutschen Kaiserreich ein werdendes Recht. Ausgehend von dem in der Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund von 1869 geregelten Recht der Arbeitsbeziehungen informiert der Quellenband umfassend über die Anfänge des kollektiven Arbeitsrechts sowie die Versuche zur Schaffung eines Berufsvereinsrechts und einer besonderen Arbeitsgerichtsbarkeit.
Quellen zum Ablauf der großen Arbeitskämpfe der Reichsgründungszeit in Waldenburg (1869), Königshütte (1871) und dem Ruhrgebiet (1872) sowie die Reaktionen von Bürgertum und Staat auf die Selbsthilfebestrebungen der Arbeiter sind weitere Schwerpunkte dieses Bandes.

Rezensionen

Band 5: Gewerbliche Unterstützungskassen (1999)
Die Krankenversicherung für gewerbliche Arbeitnehmer zwischen Selbsthilfe und Staatshilfe.
Bearb. von Florian Tennstedt und Heidi Winter unter Mitarbeit von Elmar Roeder und Christian Schmitz. 
Dieser Band über gewerbliche Unterstützungskassen vor Schaffung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. Die Quellen dokumentieren die Vorgeschichte der Krankenversicherung im Rahmen des Gewerberechts und ihre Frühgeschichte im Umfeld des Hilfskassengesetzes von 1876. Da die Gewerkschaften - neben Gemeinden und Fabriken - ein wesentlicher Initiator und Träger von Krankenkassen waren, ist dieser Band zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung.
Im Anhang sind schwer zugängliche Statistiken und Kassenstatuten zusammengestellt.

Rezensionen

Band 6: Altersversorgungs- und Invalidenkassen (2002)
Bearb. von Florian Tennstedt und Heidi Winter unter Mitarbeit von Elmar Roeder, Uwe Sieg und Christian Schmitz
Dieser Band dokumentiert die politische und wissenschaftliche Debatte über eine Regelung der Alters- und Invalidenkassen für Arbeiter vor der Entstehung der gesetzlichen Invaliditäts- und Altersversicherung. Diese umfaßte nicht nur praktisch-technische Probleme, sondern wurde auch durch alternative Grundpositionen gegenüber einer Ausdehnung staatlichen Zwangs bzw. Grenzen sozialpolitischer Garantien des Staats bestimmt. Daneben informieren die abgedruckten Quellen über die Ergebnisse amtlicher Erhebungen und Erörterungen zu bestehenden Einrichtungen kollektiver Alters- und Invaliditätsvorsorge für gewerbliche Arbeiter, über Knappschaftsvereine für Bergarbeiter, über Selbsthilfeeinrichtungen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter und über Versuche, mit Hilfe von staatlich initiierten individuellen Renten- oder Kapitalversicherungen eine eher liberale Problemlösung der Altersversicherung voranzubringen. 
Zitat

Band 7: Armengesetzgebung und Freizügigkeit (2000, 2 Halbbände)
Bearb. von Christoph Sachße, Florian Tennstedt, Elmar Roeder unter Mitarbeit von Margit Peterle.
Das heterogene Armenrecht seiner Mitgliedstaaten wurde im Norddeutschen Bund einer grundsätzlichen Modernisierung unterzogen. Das seit 1842 in Preußen geltende Unterstützungswohnsitzprinzip wurde 1870 für das gesamte Bundesgebiet eingeführt. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung umfassender Freizügigkeit innerhalb des Bundes vollzogen, die zwar durch das Freizügigkeitsgesetz von 1867 bereits garantiert, faktisch aber durch das antiquierte Armenrecht außerhalb Altpreußens nachhaltig behindert wurde. Die Modernisierung von Armenwesen und Freizügigkeit war nur Teil eines breiten gesetzgeberischen Reformprogramms des Norddeutschen Bundes, das insgesamt auf eine durchgreifende Liberalisierung von Staat und Gesellschaft, die Ermöglichung von Mobilität und die Gewährleistung persönlicher und ökonomischer Freiheit abzielte. Der Norddeutsche Bund erweist sich damit als Motor nationaler Einigung in Deutschland, dessen Beitrag vor allem in der Lösung des Bürgers aus der Bornierung vielfältiger lokaler Partikularbindungen und seiner Überführung in den universellen Status des Staatsbürgers bereits vor der Geburt des deutschen Nationalstaates bestand.
Der erste Halbband dokumentiert die Entstehung des Freizügigkeitsgesetzes von 1867 und die Entwicklung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom Jahr 1868 bis ins Jahr 1881 sowie die Ausführungsgesetzgebung in Preußen, Hamburg und Mecklenburg-Schwerin.
Die im zweiten Halbband dokumentierte Entwicklung in Bayern, das eigene Wege ging, dient als Kontrast. Aber auch bei der Reform der bayerischen Heimat- und Armengesetzgebung setzten sich in den 1860er Jahren liberale Prinzipien durch, die zu ähnlichen Resultaten wie im Reich führten.

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Band 8: Grundfragen der Sozialpolitik in der öffentlichen Diskussion: Kirchen, Parteien, Vereine und Verbände (2006)
Bearb. von Ralf Stremmel, Florian Tennstedt und Gisela Fleckenstein unter Mitarbeit von Margit Peterle und Gisela Rust-Schmöle
Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts wurde in der Reichsgründungszeit zunehmend zur Arbeiterfrage. Sie wurde – nicht zuletzt durch die organisierte Arbeiterbewegung – zur Herausforderung für die bürgerliche Gesellschaft bzw. die in ihr agierenden Gruppen und Parteien sowie für die Wissenschaft. Sie erforderte neue Denkansätze und praktische Lösungsvorschläge, deren wichtigste in diesem Quellenband dokumentiert werden.
Die Auswahl umfaßt u. a. Schlüsseldokumente der Kirchen, Parteien, Vereine und Verbände, der Unternehmer aus dem rheinisch-westfälischen Raum sowie programmatische und kritische Äußerungen von Sozialdemokraten. Sie ergänzt die Quellen zur staatlichen Sozialpolitik aus dem Regierungslager, die im 1. Band publiziert sind.
Anhand des Briefwechsels von Adolph Wagner, Lujo Brentano, Gustav Schmoller, Georg Friedrich Knapp sowie einschlägiger Presseartikel wird zudem die Gründung des Vereins für Socialpolitik dokumentiert.

II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881-1890)

Band 1: Grundfragen der Sozialpolitik
Die Diskussion der Arbeiterfrage auf Regierungsseite und in der Öffentlichkeit (2003)

Bearb. von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter Der Band dokumentiert u. a. genau die unmittelbare Entstehung der sog. Kaiserlichen Sozialbotschaft vom 17.11.1881 (mit vollständigem Faksimile) sowie deren Resonanz, die fünf weiteren kaiserlichen Botschaften zur sozialpolitischen Gesetzgebung vom 27.4.1882 bis zum 22.11.1888, die programmatischen Darlegungen zur Sozialpolitik von Interessengruppen, konfessionellen und parteilichen Gruppierungen sowie die Vorgänge, die zu den Februarerlassen v. 4.2. 1890 führten nebst deren unmittelbarer Entstehung.

Band 2, 1. Teil: Von der zweiten Unfallversicherungsvorlage bis zum Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884 (1995)
Bearb. von Florian Tennstedt und Heidi Winter unter Mitarbeit von Heinz Domeinski und Elmar Roeder. 
Die Arbeiten für die zweite Unfallversicherungsvorlage wurden unmittelbar nach dem Scheitern der ersten im Sommer 1881 aufgenommen. Bismarcks Direktiven sahen nun Gefahrengenossenschaften als Träger und eine jährliche Umlage mit Reichszuschuß als Finanzierungsverfahren der öffentlich-rechtlichen Unfallversicherung vor; eine Beteiligung privater Versicherungsanstalten, auch in nur substitutiver Form, wurde kategorisch abgelehnt. Die nach diesen Vorgaben im Frühjahr 1882 fertiggestellte zweite Unfallversicherungsvorlage scheiterte dann aber ein Jahr später im Reichstag: Dieser hatte es vorgezogen, die Krankenversicherungsvorlage zu behandeln, die auch liberalen Vorstellungen Rechnung trug, von Bismarck aber als 'untergeschobenes Kind' angesehen wurde. Parlamentarisch erfolgreich war die Reichsregierung erst mit der dritten Unfallversicherungsvorlage vom März 1884. Deren schließliche Verabschiedung - trotz Ausschluß der Privatversicherung - ist weniger ihren verbesserten organisatorischen und finanziellen Regelungen (Berufsgenossenschaften, Reichsgarantie statt Reichszuschuß) zu verdanken als einem folgenreichen politischen Schachzug Bismarcks, der das Zentrum unter Führung des Freiherrn v. Franckenstein auf Regierungskurs brachte und so die liberale Opposition matt setzte. Das unmittelbare Ergebnis war die parlamentarische Akzeptanz von Bismarcks perspektivischen Vorgaben über die zukünftige Entwicklung des Deutschen Reichs bzw. zu Ausmaß und Zuständigkeitsbereich der Staatstätigkeit. Mit dem Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884 war für den deutschen Weg zum Sozialstaat eine dauerhafte Grundlage geschaffen.
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Band 2, 2. Teil: Die Ausdehnungsgesetzgebung und die Praxis der Unfallversicherung (2001)
Bearb. von Wolfgang Ayaß
Unmittelbar nach Verabschiedung des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 wurde mit Vorbereitungsarbeiten für eine - von Bismarck im Reichstag zugesagte - Ausdehnung der Unfallversicherung auf weitere Arbeiterkreise begonnen. Diese ?Ausdehnungsgesetzgebung? vervielfachte den Kreis der in die gesetzliche Unfallversicherung einbezogenen Personen. Insbesondere in bezug auf die Land- und Forstwirtschaft gestalteten sich die Gesetzgebungsarbeiten jedoch recht schwierig.
Der Band dokumentiert außerdem den Aufbau bzw. die frühe Tätigkeit des neu geschaffenen Reichsversicherungsamts und die Anfänge der Rechtsprechung zum Unfallversicherungsrecht.
Weitere Schwerpunkte sind die Entstehungsgeschichte einzelner Berufsgenossenschaften bzw. des "Verbands der Deutschen Berufsgenossenschaften" und der Beginn berufsgenossenschaftlicher Unfallverhütungsmaßnahmen. Schließlich werden frühe Probleme des dualen Aufsichtssystems von staatlicher Gewerbeaufsicht und berufsgenossenschaftlicher Betriebsüberwachung dokumentiert.

Band 3: Arbeiterschutz (1998)
Bearb. von Wolfgang Ayaß. 
Im letzten Jahrzehnt der Kanzlerschaft Bismarcks wurde in Deutschland die gesetzliche Arbeiterversicherung ausgebaut, nicht aber der präventive Arbeiterschutz. Gleichwohl gab es hier beachtliche Initiativen: Der Reichstag beschloß 1887 und 1888 Novellen zur Abänderung der Gewerbeordnung in den Bereichen Frauen- und Kinderarbeit bzw. Sonntagsarbeit. Auf Betreiben Bismarcks lehnte der Bundesrat diese aber ab, so daß sie nicht Gesetz wurden.
Der langwierige Entscheidungsprozeß des Reichstags und die Hintergründe der Ablehnung durch den Bundesrat werden in diesem Band anhand von Quellen ebenso nachgezeichnet wie die Positionen von Arbeitgeberverbänden und Arbeiterorganisationen. Darüber hinaus werden die wenigen Akzente dokumentiert, die der Bundesrat mit Gefahrenschutzverordnungen auf Grundlage der bestehenden Gesetzgebung setzte. Weitere Schwerpunkte dieses Bandes sind Quellen zur Frauen- und Kinderarbeit und zum Alltag der Fabrikinspektion.

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Band 4: Arbeiterrecht (2008)
Bearb. von Wilfried Rudloff unter Mitarbeit von Jens Flemming
Die gewerbliche Arbeitsverfassung des Kaiserreichs ruhte auf den beiden Grundpfeilern, die mit der Gewerbeordnung von 1869 eingeschlagen worden waren: dem freien Arbeitsvertrag und der Koalitionsfreiheit. Das auf den beiden Rechtsinstituten aufbauende individuelle und kollektive Arbeitsrecht sind Gegenstand des Quellenbands. Der Band dokumentiert 1) die öffentlichen Debatten über das Arbeitsrecht und Streikwesen, 2) die Bekämpfung der Gewerkschaften durch Polizei und Behörden, 3) wichtige Entscheidungen der arbeitsrechtlichen Rechtsprechung sowie 4) die Diskussion innerhalb von Regierung und Verwaltung über die Frage, wie das Arbeitsrecht zu reformieren oder zu revidieren war.

Band 5: Die gesetzliche Krankenversicherung und die eingeschriebenen Hilfskassen (2009)
Bearb. von Andreas Hänlein, Florian Tennstedt und Heidi Winter.
Das Gesetz über die Krankenversicherung der gewerblichen Arbeiter vom 15. Juni 1883 war das erste verabschiedete Reichsgesetz zur Arbeiterversicherung. Dieses brachte reichsgesetzlichen Versicherungszwang und gewährte freie ärztliche Behandlung und Arznei für die versicherten Arbeiter, organisatorisch knüpfte es an die traditionellen gewerblichen Unterstützungskassen an.
Der Band dokumentiert die Entstehung des Gesetzes sowie die mit seiner Einführung verbundenen Probleme: Gründung von gesetzlichen Krankenkassen, beginnende Selbstverwaltung, Konflikte mit der Ärzteschaft sowie den eingeschriebenen Hilfskassen, die von der Arbeiterbewegung favorisiert wurden und eine zugelassene Alternative zu den gesetzlichen Krankenkassen waren.

Band 6: Die gesetzliche Invaliditäts- und Altersversicherung und die Alternativen auf gewerkschaftlicher und betrieblicher Grundlage (2004)
Bearb. von Ulrike Haerendel unter Mitarbeit von Margit Peterle.
Der Schwerpunkt des Bandes liegt in der Dokumentation der Entstehung des Gesetzes betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889. Außerdem wird über dessen Durchführung sowie die alternativen bzw. ergänzenden Sicherungssysteme von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Staat (Sächsische Altersrentenbank, Invalidenkasse der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, Knappschaften, Kaiser-Wilhelms-Spende) informiert.

Band 7: Kommunale Armenpflege (2015)
Bearb. von Wilfried Rudloff unter Mitarbeit von Gisela Rust-Schmöle
Dieser Band dokumentiert die lokale Ordnung des Armenwesens auf gemeindlicher Ebene: den normativen Handlungsrahmen der Armenpflege, die kommunalen Institutionen der Armenverwaltung, die Zusammenarbeit mit der privaten Vereinswohltätigkeit, die Einrichtungen der Anstaltspflege auf Gemeindeebene, die Aufgaben der ehrenamtlichen Armenpfleger, die Debatten um die Instrumente des Arbeitszwangs und der Arbeitshauseinweisung wie auch die Auseinandersetzung mit dem Bettelwesen und Vagantentum. In die Quellenauswahl mit einbezogen werden zudem die Ursprünge der am Rande des Armenwesens entstehenden Kinder- und Jugendfürsorge. Überdies wird neben dem Blick auf die Großstädte ein Augenmerk auch auf die Klein- und Mittelstädte und auf das ländliche Armenwesen gerichtet.

III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904)

Band 1: Grundfragen der Sozialpolitik (2016)
Bearb. von Wolfgang Ayaß
Die Februarerlasse Kaiser Wilhelms II. von 1890 brachten - eng verknüpft mit der Entlassungskrise Bismarcks - eine vorübergehende Phase sozialpolitischer Aktivitäten, wie die Internationale Arbeiterschutzkonferenz, die in diesem Band dokumentiert werden.
Mit dem Inkrafttreten des Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes war 1891 der organisatorische Aufbau der Arbeiterversicherung zunächst abgeschlossen. Programmatische Schlüsseldokumente zur Lösung der sozialen Frage als Ganzes entstanden
nun kaum noch, dagegen vielfältige Detailvorschläge zur Verbesserung bzw. Vereinheitlichung der bestehenden sozialpolitischen Gesetzgebung. Ein eher neues Thema sozialpolitischer Debatten war die Frage der Arbeitslosigkeit. Der vorliegende Band dokumentiert auch, wie schnell der deutsche Sozialstaat geschichtliche Tatsache wurde. Es gab kein Zurück, der einmal beschrittene Pfad musste weitergegangen werden.

Band 2: Die Revision der Unfallversicherungsgesetze und die Praxis der Unfallversicherung (2009)
Bearb. von Wolfgang Ayaß
Bald nach dem Sturz Bismarcks begannen regierungsintern Vorbereitungsarbeiten für eine Revision der Unfallversicherungsgesetze. Das Gesetzgebungsverfahren zog sich jedoch bis zum Jahr 1900 hin. Der Band dokumentiert außerdem die langwierigen Auseinandersetzungen zwischen dem Reichsversicherungsamt und dem Reichsamt des Innern. Weitere Schwerpunkte sind die ab 1892 mögliche Übernahme der Heilbehandlung durch die Berufsgenossenschaften bzw. Entstehung und Tätigkeit der ersten berufsgenossenschaftlichen Krankenhäuser. Schließlich werden die Überwachungstätigkeit der Beauftragten der Berufsgenossenschaften und die Anfänge der Rechtsberatung der sozialdemokratischen Arbeitersekretariate dokumentiert.

Band 3: Arbeiterschutz (2005)
Bearb. von Wolfgang Ayaß
Die Februarerlasse Wilhelms II. von 1890 führten zu der bald Arbeiterschutzgesetz genannten Gewerbeordnungsnovelle vom Juni 1891, mit der die lange Blockade des Ausbaus des gesetzlichen Arbeiterschutzes durch Bismarck überwunden wurde. Die Novelle beinhaltete u.a. das allgemeine Verbot der Sonntagsarbeit und einen elfstündigen Maximalarbeitstag für Fabrikarbeiterinnen, ermöglichte aber auch für männliche Arbeiter Arbeitszeitbegrenzungen in bestimmten Branchen, die zuerst 1896 für Bäckereien eingeführt wurden. Nach der Novelle von 1891 verlagerte sich der Schwerpunkt der Debatten über den gesetzlichen Arbeiterschutz auf die weit verbreitete Kinderarbeit außerhalb von Fabriken. Das ‹Kinderschutzgesetz› von 1903 regelte schließlich erstmals die Kinderarbeit in Handel, Handwerk und Hausindustrie. Weitere Schwerpunkte dieses Bandes sind Quellen zum Ausbau der Gewerbeaufsicht, zur Einstellung von Frauen als Gewerbeinspektorinnen und zum internationalen Arbeiterschutz.

Band 4: Arbeiterrecht (2011)
Bearb. von Wilfried Rudloff
Fragen und Probleme des gewerblichen Arbeitsrechts erlangten erlangten seit den neunziger Jahren des Kaiserreichs wachsende Bedeutung. Auf der betrieblichen Ebene der Arbeitsbeziehungen und Arbeitsverfassung standen die Arbeitsordnungen und Arbeiterausschüsse im Mittelpunkt des Interesses. Für die individuellen Arbeitskonflikte gewann die Streitregelung durch Gewerbegerichte wachsende Bedeutung. Im Bereich des kollektiven Arbeitsrechts versuchten Exekutive und Judikative, die Grenzen des Koalitionsrechts enger zu ziehen. In den gesetzlichen Randbereichen des kollektiven Arbeitsrechts blieb die Frage, ob und wie die vereinsgesetzlichen Rahmenbedingungen gewerkschaftlicher Selbstorganisation neu geordnet werden sollten, ein Dauerthema. Schließlich betraten die Arbeitsmarktparteien mit der zunächst noch punktuellen Ausbreitung der Tarifverträge Neuland in der kollektiven Regelung des Arbeitsvertrags. 

Band 5: Die gesetzliche Krankenversicherung (2012)
Bearb. von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter, unter Mitarbeit von Andreas Hänlein
Die Gesetzesnovelle vom 10. April 1892 änderte das Krankenversicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 in erheblichem Maße ab. Die wichtigste Folge dieser Reform war, dass die Stellung der gesetzlichen Krankenkassen gestärkt wurde. Die sozialdemokratisch-freigewerkschaftlichen Arbeiter begannen in der Selbstverwaltung der Ortskrankenkassen zu wirken.
Der Band dokumentiert den Ausbau der Kasseneinrichtungen und Kassenleistungen, die Gründung der Kassenverbände sowie die organisierten Auseinandersetzungen mit Ärzten und Apothekern, die zu Ärzte- und Apothekerstreiks führten. Ansätze zu einem Kassenarztrecht wurden entwickelt, aber mit den Gesetzesnovellen vom 1900 und 1903 griff der Gesetzgeber diese nicht auf.


Band 6: Die Praxis der Rentenversicherung und das Invalidenversicherungsgesetz von 1899 (2014)

Bearb. von Wolfgang Ayaß und Florian Tennstedt unter Mitarbeit von Andreas Hänlein und Gisela Rust-Schmöle
Das Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz vom 13. Juli 1889 trat zum Jahresbeginn 1891 in Kraft. Als Träger waren 31 unabhängige Versicherungsanstalten gegründet worden, die sich nicht zuletzt im Hinblick auf ihre Finanzen recht unterschiedlich entwickelten. Die Akzeptanz des Gesetzes war zunächst gering, die Vorteile für die Arbeiter wurden jedoch bald deutlich. Die Invalidenrente, die im Gegensatz zur Altersrente an keine Altersgrenze gebunden war, wurde zur häufigsten Rentenart. Legislativ zunächst noch nicht abgesichert, begannen einzelne Versicherungsanstalten bald mit eigenverantwortlicher Behandlung von Lungenkranken in eigenen Heilanstalten. Zur Anlage ihrer Kapitalien engagierten sich die Versicherungsanstalten auch im Arbeiterwohnungsbau.
Der Band dokumentiert die ab 1894 begonnene Revision des Gesetzes, die in einem ersten Anlauf scheiterte, jedoch 1899 im zweiten Anlauf den Reichstag fast einstimmig passierte. Wichtigste Neuerungen des nun Invalidengesetz genannten Gesetzes waren ein teilweiser Finanzausgleich zwischen den Versicherungsanstalten und eine vereinfachte Definition von Erwerbsunfähigkeit.

Band 7: Armenpflege und kommunale Wohlfahrtspolitik (2016)
Bearb. von Wilfried Rudloff unter Mitarbeit von Gisela Rust-Schmöle
Die Städte bildeten im Kaiserreich eine eigene Ebene der Sozialstaatlichkeit. Der Kern städtischer Daseinsvorsorge lag in der alten Armenpflege, die für die elementaren Lebensbedürfnisse der in materielle Not Geratenen zu sorgen hatte. Um die Armenpflege herum legte sich in den großen Städten seit den 1890er Jahren zunehmend ein Kranz von Einrichtungen und Maßnahmen, die über die unmittelbare materielle Hilfe für die Armen hinaus auf die Versorgung der minderbemittelten Schichten mit den sozialen Gütern Arbeit, Wohnung, Gesundheit und Erziehung zielten. Der Band illustriert, wie sich die öffentliche Armenpflege, auch unter dem Einfluss der neuen Arbeiterversicherung, um die Jahrhundertwende weiterentwickelte und wie an ihrer Seite neue Zweige der sozialen Daseinsvorsorge entstanden, die unter dem Begriff der kommunalen Wohlfahrtspflege zusammengefasst werden.

IV. Abteilung: Die Sozialpolitik in den letzten Friedensjahren des Kaiserreichs (1905-1914)

Band 1: Das Jahr 1905 (1982)
Bearb. von Hansjoachim Henning.  Bei aufsteigender Konjunktur war das Jahr 1905 durch heftige Arbeitskämpfe bestimmt. Das wichtigste Ereignis war der Bergarbeiterstreik an der Ruhr. Er zwang über seine parlamentarische Fernwirkung - u. a. durch die Forderung nach einem Reichsberggesetz - die preußische Staatsregierung, die Arbeitsbedingungen im Bergbau per Gesetz zu beeinflussen. Als Gegenmaßnahme verfeinerten die Branchenverbände der Unternehmen das System der "Schwarzen Listen". Arbeitskämpfe in der bayerischen Metallindustrie und in der Berliner Elektroindustrie erlaubten unterschiedliche Taktiken der Sozialparteien zu dokumentieren. Ebenso galt es, die Auseinandersetzungen über gesetzlich gesicherte Interessenvertretungen für Arbeiter - Arbeitskammern oder Berufsverbände - mit verbessertem Rechtsstatus vorzuführen. Quellen zur kirchlichen Diakonie verweisen auf noch erhebliche Lücken in der sozialen Sicherung.

Band 2: Das Jahr 1906 (1987)
Bearb. von Hansjoachim Henning. 
Das Jahr 1906 bot keine sozialpolitischen Innovationen, eher wurden Erfahrungen aus bisherigen Regelungen überprüft und gegebenenfalls präzisiert. Das geschah sowohl durch sozialpolitisch bedeutsame Rechtsprechung des Reichsgerichts als auch durch Änderungsvorschläge, z. B. zum preußischen Knappschaftsgesetz und dadurch Effizienzkontrolle zum Kinderschutzgesetz von 1903. Daneben suchten die Sozialparteien nach Mitteln, Konflikte zu vermeiden oder durch Tarifverträge zu entschärfen. Erstmals erschienen "Gelbe" im sozialpolitischen Konfliktfeld. Große Unternehmen der jungen Wachstumsindustrien bemühten sich um einen veränderten Umgang mit ihrer Arbeiterschaft. Deren Organisationen differenzierten sich durch Konsolidierung der christlichen Gewerkschaften.

Band 3, 1. Teil: Das Jahr 1907 (1994)
Bearb. von Hansjoachim Henning und Uwe Sieg unter Mitarbeit von Anke Luft. 
Für die Öffentlichkeit war das Jahr 1907 sozialpolitisch eher unauffällig. Innerhalb der Reichsverwaltung je-doch wurden große Gesetzesvorhaben vorbereitet: Ein Gesetzentwurf zur Sicherung der Vertretungsrechte der Sozialparteien in Arbeitskammern und die Vorarbeiten für eine durchgreifende Reform der Sozialversicherungszweige wurden in Arbeitsgruppen erörtert. Die öffentliche Diskussion dagegen wurde von dem unerwarteten Konjunktureinbruch zur Jahresmitte beherrscht; erneut wurden Möglichkeiten diskutiert, die die Folgen von Arbeitslosigkeit mildern sollten. Auch griff eine für die Öffentlichkeit sichtbare Gewichtsverlagerung bei den Vertretungen der Arbeitnehmer Platz: Die christlichen Gewerkschaften und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine suchten sich zu profilieren und erhielten zugleich Konkurrenz durch die entstehenden Werkvereine. Schließlich spielte auf der Empfängerebene die kommunale Sozialpolitik mit Schwerpunkten wie Wohnungsbau und Gesundheits-fürsorge eine immer größere Rolle.

Band 3, 2. Teil: Das Jahr 1908 (1995)
Bearb. von Hansjoachim Henning und Uwe Sieg unter Mitarbeit von Carsten Dams.
Der Band für das Jahr 1908 belegt den Ausbau tradierter Felder der Daseinsfür- und -vorsorge durch Quellen zum Arbeiterschutz für Frauen und Jugendliche sowie anhand der administrativen Vorarbeiten für die Neuordnung der Sozialversicherungszweige. Der Krefelder Textilarbeiterstreik und der Streik im Baugewerbe zeigen, daß Arbeitskämpfe fortwährend zur gesellschaftlichen Erfahrung gehörten. Das schwere Grubenunglück auf der Zeche ?Radbod? bei Hamm löste eine politische Diskussion über Arbeiterschutzmaßnahmen und Aufsichtspflichten aus; sie sind dokumentiert. Die Ausdehnung der Sozialpolitik wird am Beispiel der Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe, der sozialen Sicherung der Landarbeiter und der kommunalen Sozialpolitik verdeutlicht.
Rezensionen

Band 3, 3. Teil: Das Jahr 1909 (1997)
Bearb. von Hansjoachim Henning und Uwe Sieg unter Mitarbeit von Irene Feldmann. 1996
Weder der Kanzlerwechsel noch die Reichsfinanzreform hatten im Jahre 1909 die Sozialpolitik stillstehen lassen, wenn sie auch nicht mit Leistungsgesetzen an die Öffentlichkeit trat. Für sie wenig spektakulär diskutierten Reich und Bundesstaaten weiterführende Konzepte für die Sozialpolitik, etwa das Arbeitskammergesetz, die zusammenfassende Kodifikation der drei grundlegenden Arbeiterversicherungsgesetze und das entstehende Angestelltenversicherungsgesetz. Daneben experimentierten Kommunen mit neuen sozialen Sicherungsmodellen wie der Jugendwohlfahrt und der Sicherung bei Arbeitslosigkeit. Der Erfahrungsbereich des sozialpolitischen Alltags umfaßte z. B. die Risiken "Schwarzer Listen" für den Arbeitsmarkt, die Tätigkeit der Gewerbeaufsicht und die stets präsenten Arbeitskämpfe; als Beispiel für dieses Jahr möge der Streik der Aluminiumindustrie in Badisch-Rheinfelden dienen.

Band 3, 4. Teil: Das Jahr 1910 (2004)
Bearb. von Hansjoachim Henning, Uwe Sieg und Irene Feldmann
Das Jahr 1910 war sozialpolitisch gekennzeichnet durch die fortgesetzte Diskussion um das Arbeitskammergesetz und das System der Arbeitsnachweise, durch den Streik der Hamburger Werftarbeiter und die Konflikte zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern im Bau- und im Maler- und Anstreichergewerbe sowie weitere, insbesondere von den Kommunen ausgehende Anstrengungen zur Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit. In den parlamentarischen Gremien wurde der Entwurf eines Hausarbeitsgesetzes beraten. Mit der zweiten deutschen Konferenz zur Förderung der Arbeiterinneninteressen gelangte das Thema Frauenarbeit erneut ins Blickfeld der Öffentlichkeit.

Band 4, 1. Teil: Die Jahre 1911-1914 (1993)
Bearb. von Karl Erich Born, Reiner Flik, Klaus Hess, Gabriele Ilg, Ulrich Kreutle, Dieter Lindenlaub. 
Das zentrale sozialpolitische Thema des Jahres 1911 ist die Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit um die
Reichsversicherungsordnung und um die Angestell-tenversicherung; entsprechend ausführlich sind sie dokumentiert. Daneben hält die Diskussion um das Hausarbeitsgesetz an. Parallel zur Ausdehnung der sozialen Sicherung beginnen die Klagen von Teilen der Industrie über die Lasten der Sozialpolitik. Welche unterschiedlichen Formen die Kollisionen zwischen den Sozialparteien annehmen konnten, zeigen Beispiele für Tarifverhandlungen bei Buchdruckern und Installateuren einerseits und die Aufstellung von Zechenwehren als Vorsorge gegen Übergriffe bei Bergar-beiterstreiks andererseits. Die Sicherung bei Arbeitslosigkeit stellte immer noch ein ungelöstes Problem dar und beschäftigte die Kommunen lebhaft.

Band 4, 2. Teil: Die Jahre 1911-1914 (1998)
Bearb. von Karl Erich Born, Reiner Flik, Klaus Hess, Gabriele Ilg, Ulrich Kreutle, Dieter Lindenlaub. 
In der zweiten Hälfte des Jahres 1911 wurde mit dem Ausstand der Konstrukteure in der Berliner Metallindustrie eine neue Dimension der Auseinandersetzung am Arbeitsmarkt erkennbar, da nun erstmalig die organisierte Angestelltenschaft einen Streik auslöste.

Band 4, 3. Teil: Die Jahre 1911-1914 (2002)
Bearb. von Karl Erich Born, Irene Feldmann, Reiner Flik, Hansjoachim Henning, Klaus Hess, Gabriele Ilg, Ulrich Kreutle, Dieter Lindenlaub.
Der Band dokumentiert die sozialpolitischen Entwicklungen und Ereignisse des Jahres 1912. Thematische Schwerpunkte bilden dabei insbesondere der Ruhrstreik im Frühjahr 1912, die unruhige Lage im Buchdruckergewerbe, die rückblickende Bewertung des Angestelltenversicherungsgesetzes und die Diskussion um seine weitere Ausgestaltung, das Erstarken der Angestelltenbewegung, das Arbeitsnachweiswesen, die vor allem in den Kommunen erörterte Frage der Arbeitslosenunterstützung und Arbeitslosenversicherung, der das christliche Lager der Gewerkschaftsbewegung polarisierende Gewerkschaftsstreit sowie die sich verschärfende Diskussion um den richtigen Weg, um Kosten und Mißbrauch der Sozialversicherung.

Band 4, 4. Teil: Die Jahre 1911-1914 (2008)
Bearb. von Hansjoachim Hinning und Petra Scheidt.
Die Durchführung der beiden letzten großen Sozialgesetze des Kaiserreiches, der Reichsversicherungsordnung und des Versicherungsgesetzes für Angestellte, wurde für alle Beteiligten in Einzelheiten schwierig; in intensiven Diskussionen wurden organisatorische und inhaltliche Korrekturen öffentlich gefordert. Dazu bringt der Band Beispiele aus den Jahren 1913/14. Dokumentiert werden für den gleichen Zeitraum außerdem Höhepunkt und beginnender Zerfall der Werkvereinsbewegung sowie die veränderte Sicht der Reichsleitung auf die sozialpolitische Wirkung des Koalitionsrechts.

Einführungsband (1966)


Bearb. von Karl Erich Born, Hansjoachim Henning und Manfred Schick. 
Der Einführungsband klärt Inhalt und Grenzen des Begriffs "Sozialpolitik" und stellt wichtige Quellengruppen und ihre Fundorte im Überblick vor. In Form einer Chronik bietet er dem Benutzer eine Orientierung über Daten, die den Verlauf der Sozialpolitik entscheidend bestimmt haben.
Rezensionen

Beihefte

Beiheft I. 1.3: Dokumentation zur Organisationsgeschichte des Hansa-Bundes (1979)
Bearb. von Gert Kollmer

Beiheft I. 1.4: Dokumentation zur Organisationsgeschichte der Zentralen Arbeitgeberverbände: Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände, Verein deutscher Arbeitgeberverbände, Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (1985)
Bearb. von Gert Kollmer

Beiheft I.  2.3: Dokumentation zur Organisationsgeschichte des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller (1978)
Bearb. von Hansjoachim Henning

Beiheft II.  2.12: Dokumentation zur Organisationsgeschichte des deutschen Metallarbeiter-Verbandes (1978)
Bearb. von Klaus-Peter Lütcke


Pressestimmen:

"Die Form der Edition ist geradezu mustergültig. In editorischen Protokollen wird mit oft detektivischem Scharfsinn die Entstehung der Schriftstücke und ihre Zuordnung zu einzelnen sozialpolitischen Akteuren festgehalten." (Gerhard A. Ritter in: Historische Zeitschrift 265 [1997], S. 706 f.)
"Die Edition ist eine herausragende historiographische Leistung" (Michael Stolleis in: Vierteljahresschrift für Sozialrecht 6 [1995], S. 153)

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