Projekt C1: Die Welt im Tier

Die Welt im Tier. Zur Konstruktion von Tier-Mensch-Beziehungen im mittelhochdeutschen „Physiologus“ und in Konrads von Megenberg „Buch der Natur“.

Verantwortliche: Prof. Dr. Michael Mecklenburg
Projektbearbeiterin: Anna-Theresa Kölczer M.A.

Das Mittelalter wies einerseits eine historisch spezifische Relationierung von Tier, Mensch und Gesellschaft im Vergleich zur Neuzeit auf, produzierte aber andererseits bereits Einordnungen und Abgrenzungen, die die modernen Deutungsmuster prägen. Der „Physiologus“ gehört hierbei auch in seiner deutschen Bearbeitung zu den zentralen Texten. Er präsentiert den ‚Naturkundigen‘ als seinen Gewährsmann und eröffnet aus einer griechisch-spätantiken Tradition heraus eine christlich-allegorische Deutung des Verhältnisses von Tier, Mensch und Gesellschaft. Darin lassen sich Konzepte und Probleme der Erfassung und Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses fokussieren. Motivgeschichtlich zeigt sich, dass dieses vielfach redigierte Textkorpus je nach Textgestaltung eigene narrative, argumentative, moralisierende und illustrative Muster ausbildet. Ziel ist, die Konzepte und Probleme der Erfassung und Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses in zwei differenten Textgattungen zu untersuchen. Das Mitte des 14. Jhs. entstandene illustrierte „Buch der Natur“ von Konrad von Megenberg dient als Referenztext und Gegenmodell, weil es bis in die Frühe Neuzeit hinein eines der einflussreichsten Naturbücher des deutschsprachigen Mittelalters war. Es bot ein Kompendium des Wissens über die ‚natürlichen Dinge‘ und ist ein Schlüsseltext zwischen traditionsbewussten, allegorischen Naturbetrachtungen und einer zunehmend ‚naturwissenschaftlichen‘ Anschauung der Welt.

Erstmals soll eine systematische Aufarbeitung literarhistorischer Tierentwürfe vorgenommen werden, bei der nicht nur einzelne Wissensbestände anderer Disziplinen herangezogen werden, sondern bezüglich der theologischen Diskurse und des Verhältnisses von textlichen Narrativen der Tier-Mensch-Relationierung zu den bildlichen der illustrierten Handschriften ein wirklicher Austausch praktiziert wird. Ziel des Projektes ist es zu zeigen, wie das Tier in Diskursen zum Medium von Erkenntnis, Vergegenwärtigung, Strukturierung und Deutung der Welt wird und so bis in neuzeitliche Formen literarischer Repräsentation des Tier-Mensch-Verhältnisses hineinwirkt.