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Die wissenschaftliche Leitidee des Schwerpunkts ist die interdisziplinäre Untersuchung von Mensch-Tier-Beziehungen in Geschichte und Gesellschaft unter dem Leitbegriff der „Relationalität“. Das umfasst das Zusammenleben von Menschen und Tieren in Akteursgemeinschaften und damit eine Vielzahl von Praktiken.

Über die Betrachtung von Tier-Mensch-Beziehungen und Ebenen der Relationalität werden zugleich Formen der „Erschaffung“ der Tiere – und damit der Identifizierung der Menschen – untersucht, ob durch Tierzucht (Selektion, Prämierung), Tierhaltung (Nutztiere, Zootiere), Tierforschung (Verhaltensforschung, medizinische Forschung) oder Tierdarstellung (narrativ, visuell). Dabei werden verschiedene Akteure betrachtet – Menschen (Züchter, Landwirte, Tierwärter, Künstler, Forscher) ebenso wie Tiere (Nutztiere, Heimtiere, Labortiere, Wildtiere).

Projektbereiche und Anwendungsbezug

Die Ziele des Schwerpunkts werden in vier Projektbereichen umgesetzt:

In den vier Projektbereichen wird der Verbund Aspekte der Klassifizierung (z.B. rein/unrein, gut/schlecht, schön/hässlich), der Interaktion (Räume, Modalitäten und Möglichkeiten von Begegnung, Anerkennung oder Unterwerfung), der Abbildung (Visualisierung, Metaphorik, Analogie, Modellbildung, Zuschreibung) und der Intention (Einstellungen, Interessen, Vorannahmen, Hoffnungen) untersucht.

Angesichts der Mehrdimensionalität des Themas verlangt das Vorhaben einen interdisziplinären Austausch über Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse. Das fördert die Methodenreflexion innerhalb der einzelnen Disziplinen, erweitert das Verständnis des Forschungsgegenstandes, erhöht die Relevanz der wissenschaftlichen Beiträge und ermöglicht Antworten auf Fragen nach der Gestaltung von Tier-Mensch-Beziehungen in der Gesellschaft.

Damit hat das Vorhaben unmittelbaren Anwendungsbezug in den Bereichen Tierhaltung, Tierzucht, Tierforschung, Tierpräsentation, Tierrecht und Ethik.